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«Ich wünsche mir eine Perspektive»

«Ich wünsche mir eine Perspektive» Solange kein Entscheid zum A5-Westast mit Zubringer aus Ni

dau fällt, ist die Zukunft der betroffenen Anwohner im Mühlefeld ungewiss. Sie fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

<BR><BR> Tanja Bauer

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Im Mühlefeldquartier scheint die Sonne. Die Vögel zwitschern, sonst ist es angenehm ruhig. So auch im Wohnzimmer eines Rentnerehepaars, das seit langer Zeit im Quartier wohnt. «Am schlimmsten ist die Ungewissheit», sagt die Frau, die unerkannt bleiben möchte. In einem Ordner sammelt das Ehepaar alle Zeitungsberichte zum Thema A5. «Wir studieren die Pläne in der Zeitung, aber für uns ist das wie Chinesisch», so die Rentnerin. Aus der Zeitung hatten sie vor zwei Jahren auch erfahren, dass ihr Haus je nach gewählter Variante der A5 weichen müsste. «Als wir das gelesen hatten, haben wir sofort angefangen, nach einer neuen Bleibe zu suchen.» Aber nirgendwo habe es ihnen so gut gefallen wie hier. «Wo sollen wir auch hin in unserem Alter», sagt die Frau, «sonst müssen wir halt ins Altersheim».<BR><BR>
Das Haus hat Geschichte: Hier sind ihre Kinder aufgewachsen, und heute kommen die Enkel regelmässig zum Mittagessen vom Gymnasium. Eigentlich sollten dringende Renovationsarbeiten am Haus vorgenommen werden. Aber das Ehepaar weiss nicht, ob es sich in der unsicheren Situation noch rentiert zu investieren. «Sie wissen einfach nicht, was sie wollen», sagt die Rentnerin, «mal obendurch, mal untendurch, wir möchten nur Gewissheit haben.» Was sie vom Kanton für ihr Grundstück im Fall einer Enteignung bekommen würden, und wie so etwas vor sich geht, wissen sie nicht. Bis heute haben sie zu diesem Thema von offizieller Seite keine Information erhalten.

Finanzielle Sorgen

So wie das Rentnerehepaar fühlen sich auch andere Anwohner im Mühlefeld. «Es herrscht eine grosse Orientierungslosigkeit», sagt Denis Rossel. Er ist Mitbegründer der Interessengemeinschaft Lebensqualität Biel-West (IG-LQV), die sich für die Anliegen der betroffenen Bevölkerung im Zusammenhang mit dem A5-Westast einsetzt. Er sitzt mit seiner Frau Ursula Rossel am Küchentisch ihres Hauses an der Alexander-Moser-Strasse. Vom Balkon aus sieht man den Fussballplatz, an dessen Stelle der Autobahnzubringer gebaut würde. Dass der Bau der Autobahn auch Enteignungen mit sich bringt, versteht das Ehepaar Rossel. Aber sie wünschen sich mehr Unterstützung. «Die Gemeinde sollte eine Anlaufstelle für die Bevölkerung und ihre Fragen zur persönlichen Situation schaffen», sagt Denis Rossel. Die Lage des Ehepaars ist nicht einfach: Die Bank will die feste Hypothek für das Dreifamilienhaus nicht verlängern, solange keine definitive Klarheit herrscht, wie sie in einem Brief mitteilt. Darin betitelt die Bank das Haus als «praktisch unverkäuflich und kein erstklassiges Pfand» mehr. <BR><BR>
Auch wenn statt einem ober- irdischen Zubringer die Variante Porttunnel gewählt wird, sind die Sorgen nicht vom Tisch. Die Bauzeit würde sechs bis acht Jahre dauern, und es wäre schwierig, Mieter für die zwei Mietwohnungen der Liegenschaft zu finden. Die auswegslose Situation belastet die Stimmung: «Es raubt viel Energie», sagt Ursula Rossel. <BR><BR>
Für die Rossels ist unklar, wie viel sie vom Kanton bekämen, würde ihre Liegenschaft enteignet. «Was genau eine Enteignung bedeuten würde, ist ein grosses Rätsel für uns», so Denis Rossel.

Weniger Lebensqualität

Eric Burri wohnt in unmittelbarer Nähe zum Ehepaar Rossel und ist ebenfalls Mitbegründer der IG-LQV. «Ich empfinde eine grosse Enttäuschung gegenüber den Bieler Behörden», sagt er. Auch für ihn ist die Ungewissheit belastend. Aber auch die Ausweglosigkeit der Situation: Ein Hausverkauf ist praktisch unmöglich. Der Prozess der Enteignung andererseits kann lange dauern. «Ich wünsche mir Gewissheit, eine Perspektive», sagt Eric Burri. <BR><BR>
«Im Moment ist noch kein Entscheid gefallen, daher können wir nicht aktiv informieren», sagt der Nidauer Stadtpräsident Bernhard Stähli. Wer Fragen habe, dürfe sich aber jederzeit an die Nidauer Behörden wenden. Auch Biel will keine Anlaufstelle schaffen. Die Bürger würden über die IG-LQV informiert, sie sei die Ansprechpartnerin für das Mühlefeld, sagt der Bieler Baudirektor Hubert Klopfenstein.

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