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Erfolgreiche Projekte und ein paar Tränen

Erfolgreiche Projekte und ein paar Tränen Anlässlich der Generalversammlung der Wirtschaftskammer

Biel-Seeland wurde auf erfolgreiche Projekte wie das Lobbying für den Campus Biel zurückgeschaut. Dennoch flossen Tränen.

<BR><BR>Lotti Teuscher

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Der Geschäftsführer oder die Geschäftsführerin der Wirtschaftskammer Biel-Seeland (Wibs) müsse ein guter Kommunikator sein, ein Networker sowie ein guter Redner und Zuhörer, sagte Präsidentin Sybille Thomke: «Und diese Person muss die Menschen gernhaben.» <BR><BR>
Die Menschen aus der Wirtschaft, mit denen sie zehn Jahre lang zusammenarbeitete, hat Sophie Ménard ganz offensichtlich gern. Als sich die abtretende Geschäftsführerin anlässlich der Generalversammlung verabschiedete, konnte sie Tränen der Rührung nicht zurückhalten. <BR><BR>
Im Vorfeld ihrer Rücktritts hatte Ménard gegenüber dem «Bieler Tagblatt» gesagt, unter anderem gehe sie, weil ihr Pensum von 80 auf 60 Prozent gekürzt worden sei. Dass ihre Nachfolgerin Esther Thahabi jetzt eine Hundertprozent-Stelle antritt, wirft Fragen auf. Fragen, die Thomke nun offen beantwortet. In den vergangenen zehn Jahre habe sich der Aufgabenbereich der Geschäftsführerin komplett verändert: «Damals war es wichtig, Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politiker an einen Tisch zu bringen.» Sophie Ménard habe diese Aufgabe ausgezeichnet bewältigt. Inzwischen hat sich die Gesprächskultur zwischen den verschiedenen Interessensvertetern in der Wibs etabliert.

Neues Profil
«Heute ist die Wibs eine Dienstleisterin, die sich um die Bedürfnisse der Mitglieder kümmert», sagte Sibylle Thomke. Die Wirtschaftskammer hilft, Fachkräfte und Zulieferer zu finden. Ein wichtiges Instrument dazu ist die neue Internetplattform «wibsmaps». Sucht zum Beispiel ein Medizinalunternehmer aus Deutschland einen Zulieferer im Internet, erscheint die Seite ganz oben. Mit ein paar wenigen Klicks erfährt er, dass die Seeländer auf Mikroelektronik spezialisiert sind und wo es leere Industriegebäude gibt, falls der Unternehmer in die Schweiz expandieren möchte. Gleichzeitig findet er Informationen über die Gemeinde, in der das Industriegebäude steht und wo künftige Mitarbeiter ein Wohnhaus oder die nächste Krippe finden. Selbst zu touristischen Highlights ist es nur ein paar wenige Mausklicks weit. <BR><BR>

Die neue Internetplattform mit ihrer Fülle an Angeboten muss allerdings betreut werden. Deshalb ist es laut Sibylle Thomke wichtig, dass die neue Geschäftsführerin Esther Thahabi technisches Verständnis mitbringt.

Trennung ohne Groll
Sophie Ménard und die Wirtschaftskammer haben sich im gegenseitigen Einverständnis und in Frieden getrennt, wie Sibylle Thomke betont: «Nachdem sie sich zehn Jahre für die Wibs eingesetzt und einen runden Geburtstag gefeiert hat, will Sophie Ménard nun ihre Energie in die eigene Firma investieren.» <BR><BR>
Viel investiert hat auch die Wirtschaftskammer im letzten Geschäftsjahr. Um die technische Fachhochschule nach Biel zu holen, hat die Vereinigung 50 000 Franken ausgegeben; sie hat beim Grossen Rat für Biel lobbyiert und die Kandidatur der Stadt unterstützt. Auch dieses Jahr soll die gleiche Summe in das Lobbying für den Standort Biel fliessen. <BR><BR>
Als Erfolg verzeichnet die Wibs ihren Kampf für das Zollamt Biel. Dank Verhandlungen mit der eidgenössischen Zollverwaltung hat die Wirtschaftskammer erreicht, dass trotz der Schliessung des Zollamtes weiterhin eine minimale Zolldienstleistung aufrechterhalten wird. <BR><BR>
«Ziel ist», so Sophie Ménard, «durch immer klarer werdende Projekte das Wirtschaftsgefüge Biel-Seeland aufzuwerten.» Eingesetzt werden dafür neben den grossen Projekten wie Campus und «wibsmaps» auch einfache Mittel: So werden zum Beispiel an potenzielle Arbeitnehmer Flyer verteilt oder es wird hinter den Kulissen verhandelt, um für die Region vorteilhafte Beschlüsse zu erzielen. <BR><BR>
Einer, der den Abgang von Sophie Ménard nach langer Zusammenarbeit öffentlich würdigte, war Vorstandsmitglied Erwin Fischer. Damals, als sie eingestellt wurde, habe er den Eindruck gehabt, einer sehr mutigen Frau zu begegnen. Denn Ménard ist Französin, hat zwei Kinder und sprach kein Wort Deutsch, als sie die Stelle in Biel antrat. «Doch bereits nach kurzer Zeit hatte sie die zweite Sprache gelernt», so Fischer.

«Wo ist der Bohrturm?»
Sophie Ménards Blick von aussen habe der Wirtschaftskammer gut getan. So habe sie auf einer Broschüre den Turm des Chasserals entdeckt, der aus dem Nebel ragte. <BR><BR>
«Wo steht denn dieser Bohrturm?», habe die Geschäftsführerin damals gefragt. «Für uns Seeländer ist klar, dass es der Sendeturm ist. Aber Menschen von ausserhalb wissen das nicht», lachte Fischer. Also wurde in der Neuauflage geschrieben, was es mit dem rot-weiss geringelten Turm auf sich hat.

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