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Einigkeit wollen alle - offen ist, welche

Einigkeit wollen alle - offen ist, welche Das Vorgehen des Kantons, den Entscheid zum A5-Westas

t an die Region zu delegieren, sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Und zeigt schon jetzt, wie schwierig es wird, sich bis im Juni 2010 zu einigen.

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me. Für Eric Burri, Co-Präsident der IG Lebensqualität, ist die Zusatzfrist, welche die Region zum allerletzten Mal bekommen hat, ein positives Signal: «Endlich besteht die Möglichkeit, eine sinnvolle Lösung für alle zu finden.» Burri weiss aber auch, dass genau darin die Schwierigkeit liegt: «Es ist eine gute Lösung in eine komplizierte Richtung.»

Glaube an Lösung

Die IG Lebensqualität kämpft für eine ökologisch sinnvolle und verkehrstechnisch gute Lösung, die alle Quartiere entlastet. Konkret setzt sich die Interessengemeinschaft gegen die Zihl-Unterquerung und gegen einen offenen Anschluss Biel-Zentrum ein. Für Burri ist es ganz entscheidend, dass sich die Region einigen kann und den Entscheid nicht dem Bund überlässt. «Es gibt gar keine andere Möglichkeit als den Konsens.» Burri ist überzeugt, dass der Region dies auch gelungen wird. «Alles andere wäre schlicht inakzeptabel.» Der Kanton hat am Dienstag klargemacht, dass er selbst den Varianten-Entscheid fällen würde, wenn sich die Region nicht einigen kann. In diesem Fall würde mit Sicherheit am Anschluss Biel-Zentrum festgehalten, entweder mit Porttunnel oder Zihl-Unterquerung. Um in der Region einen Konsens zu erreichen, ist für Burri ein erster Schritt der ausgewogene Mix der verschiedenen Lager in der Arbeitsgruppe.

Zweifel am Tempo

Für den Koordinator der regionalen VCS-Gruppe, Markus Rebmann, ist das erreicht worden, was der Verband seit drei Jahren gefordert hat. «Jetzt wird die Variante ohne Anschluss Biel-Zentrum seriös und auf dem gleichen Planungsstand wie die anderen Varianten geprüft.» Auch ihm ist klar, dass der Auftrag des Kantons einer «Herkulesaufgabe» gleichkommt. Zweifel hat Rebmann gegenüber dem vorgeschlagenen Tempo. Denn bereits bis in diesem Sommer müsste sich die Arbeitsgruppe darauf einigen, wie eine Variante ohne Anschluss Biel-Zentrum aussehen soll. Zu klären ist, wie der Anschluss Brüggmoos aussähe, ob es einen Vollanschluss in der Seevorstadt bräuchte und einen Anschluss Orpund. Rebmann erwartet von der Stadt Biel Antworten, welche flankierenden Massnahmen bei welchem Szenario ergriffen würden. Er ist daher überzeugt: «Das lässt sich nicht in ein paar Monaten machen.» Dennoch ist für ihn die gegenwärtige Situation eine Chance, die es zu nutzen gelte. Es sei ein Richtungsentscheid zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs. Mit dem Verzicht auf den Anschluss Biel-Zentrum gebe es Platz und Handlungsspielraum für Fussgänger, Velofahrer und Tram.
Weit weniger euphorisch ist die Stimmungslage bei Charles Krähenbühl, dem Gemeindepräsidenten von Brügg. Als Mitglied der Behördendelegation hat er zwar ebenfalls Ja gesagt zur Arbeitsgruppe, allerdings befürchtet er, dass das zusätzliche Jahr «verlorene Zeit» ist. Die Realisierung der Entlastung Biel rücke damit noch einmal weiter nach hinten. «Ich frage mich, wann es endlich zu einer Bauausführung kommt.»
Im Gegensatz zu VCS und IG Lebensqualität setzt Krähenbühl die Prioritäten anders. Der Anschluss Biel-Zentrum ist für ihn unentbehrlich: «Sonst droht Brügg der Kollaps.» Krähenbühl erwartet ein enormes Verkehrsaufkommen. Man werde mit dem Ostast und dem Anschluss Brüggmoos schon eine grosse Belastung haben. Deshalb bekämpft er auch den Porttunnel: «Ich bin ein Gegner und werde es bleiben.» Der Tunnel würde direkt nach Brügg führen. «Dann hätte man am Schluss alles in Brügg.» Krähenbühl verweist darauf, dass Brügg mit den Abgasen von insgesamt drei Tunnels leben müsste, dem Längholztunnel, dem unterirdischen Teil des Westasts und des Porttunnels.
Ob sich die Region einigen kann, wird massgeblich von Brügg abhängen. Entsprechend dürfte auf die Gemeinde Druck ausgeübt werden. Krähenbühl lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Für ihn gehe es darum, die Interessen der Gemeinde zu vertreten. Diese seien bislang viel zu wenig wahrgenommen worden. Mit Blick auf den VCS und andere Umweltverbände kritisiert Krähenbühl: «Ich bin erstaunt, wie verschiedene Gruppen sich bislang überhaupt nicht für Brügg eingesetzt haben.»

Die Zeit wird knapp
Hans Stöckli wird in den nächsten Tagen damit beginnen, diese entgegengesetzten Auffassungen zusammenzubringen. Ein erster Schritt ist die Ausgestaltung der Arbeitsgruppe.
Unbeschränkt Zeit ist nicht mehr vorhanden. Der Vizedirektor des Bundesamtes für Strassen (Astra), Jörg Röthlisberger, drohte am Dienstag an der Medienkonferenz, dass die Vollendung der Nationalstrassen bis im Jahr 2015 in Angriff genommen werden müsse. Derzeit sind 96 Prozent der schweizerischen Autobahnen, wie es im Bundesbeschluss vorgesehen ist, erstellt. Die Umfahrung Biel gehört zu den restlichen vier Prozent.

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