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Bäume weg, Zement in den Boden

Bäume weg, Zement in den Boden Wo im Mösli derzeit eine riesige Waldlücke klafft, fahren bald

Bagger auf. Mit einem Spezial-verfahren wird Zement in den Boden gespritzt, um diesen zu festigen. Ein Projekt der A5-Bauherren.

<BR><BR> Janosch Szabo

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Am Rande des Bieler Mösliquartiers haben Forstarbeiter empfindlich in den Wald eingegriffen. Auf einer Fläche von rund 80 mal 50 Metern, wo einst Buchen, Weisstannen und Lärchen standen, sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Nichts steht mehr, ausser den Baumstümpfen. Die Stämme wurden auf einem nahen Lagerplatz aufgeschichtet und «werden zu einem grossen Teil verhackt und Schnitzelheizungen in der Region zugeführt», wie der zuständige Förster vom Staatsforstbetrieb, Hans Steffen, sagt. Den Auftrag für den Kahlschlag hatten ihm, im Hinblick auf den Bau des Längholztunnels, die Bauherren der A5-Umfahrung erteilt.

Querschläge im Untergrund

Projektleiter Aldo Quadri erklärt: «Der Boden dort ist weich, aus lockerem Gestein, und wasserdurchtränkt. Um im Untergrund graben zu können, müssen wir ihn zuerst von oben herab verfestigen.» Deshalb sei es nötig gewesen, die Bäume zu fällen. Diese Operation unterirdisch durchzuführen, wäre mit grossen Risiken und bedeutend höheren Kosten verbunden gewesen. Darüber habe er die Anwohner im letzten Herbst ins Bild gesetzt. <BR><BR>
Konkret geht es um einen Verbindungsstollen, der dereinst 18 Meter unterhalb der jetzigen Rodungsfläche angelegt werden soll. Die Projektskizzen sehen solche Querschläge zwischen den beiden Tunnelröhren alle 300 Meter vor, «aus Sicherheitsgründen», wie Quadri erläutert, «um, wenn es in der einen Röhre brennt, rasch in die andere flüchten zu können». Jeder dritte Querschlag wird mit einer Höhe von sieben Metern gar für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge befahrbar sein. <BR><BR>
Bevor dieses unterirdische Konstrukt gebaut werden kann, stehen nun aber zunächst die Bodenverdichtungsarbeiten auf dem Programm. Das dafür nötige CSM-Verfahren werde in der Schweiz zum ersten Mal überhaupt angewendet, sagt Quadri, und umreisst es grob: «Eine Fräse dringt in den Untergrund, lockert den Boden und mischt Zement dazu.» Man werde auf diese Weise täglich bis zu 80 Kubikmeter Boden verfestigen können, ergänzt Baustellenchef Andreas Angehrn, anfangs unter der Begleitung eines Spezialisten aus Amerika.

Hang wird planiert

Das Endziel sei ein unterirdischer 63 Meter langer, 12 Meter breiter und 22 Meter hoher Block. Angehrn schätzt, dass die Arbeiten daran rund zehn Monate dauern werden. Laut Quadri kommt die ganze Aktion auf rund fünf Millionen Franken zu stehen. <BR><BR>
Die Installation des Spezialbaggers ist auf Mitte des kommenden März datiert. Die Maschine werde demnächst aus Deutschland angeliefert, sagt Angehrn, zuerst aber noch anderweitig im Brügg-moos eingesetzt.<BR><BR>
Am Waldrand in Madretsch dürfte es währenddessen nicht mehr lange dauern, bis Spaziergänger dort schweren Lastwagen begegnen. Der gerodete Hang wird abgetragen. Die Arbeiter brauchen eine horizontale Arbeitsplattform. Angehrn schätzt den Aushub auf 6000 Kubikmeter Erde und Gestein: «Wir beginnen, wenn das Wetter mitspielt, damit noch im Februar.» Das Material soll in der Nähe gelagert werden.<BR><BR>
Schliesslich wird, wenn die Zementinjektionen abgeschlossen sind, der ganze Hang wieder aufgeschüttet und neu bepflanzt. Förster Hans Steffen sieht einen natürlich zusammengesetzten Mischwald vor.

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