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Am Campus Biel bauen – erstmal im Kopf

Im Februar fiel der Regierungsratsentscheid für den Campus Biel. Der gestrige «Treffpunkt Wirtschaft» nutzte den Anlass, um mit einem offenen Brief der hiesigen Wirtschaft beim Grossrat zu werben.

Am Campus Biel bauen – erstmal im Kopf<br />

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cbl. Mit rund 230 Teilnehmern aus der regionalen Wirtschaft füllte der Anlass des Handelsund Industrievereins des Kantons Bern gestern den grossen Raum des Le Pavillon praktisch vollständig aus. Kein Wunder, waren doch hochkarätige Redner und, noch wichtiger, ein hochkarätiges Thema angekündigt. Eines, das die Region besonders bewegt: der Campus Biel. Allein, alle schönen Theorien sind bis dato noch recht unerheblich, zu früh ist es für Pläne. Und so hielt Stadtpräsidenten Erich Fehr zwar ein betont feuriges Plädoyer für den Campus, für den die Stadt ihre «vielleicht letzten städtebaulichen Filetstücke» gegeben habe. Hernach setzte er dann aber etwas abseits und leiser hinzu, dass alle Mühlräder stillstünden, solange der Grossratsentscheid 2012 nicht zugunsten Biels ausgehe.<br /><br />

Man habe zwar durchaus versucht, einzelne Dinge schon vorab abzuklären, um einen gewissen Planungsvorsprung zu erreichen. Aber der Kanton möchte sich nicht vorwerfen lassen, den Eindruck zu erwecken, vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor nicht politisch alles unter Dach und Fach ist. Und dies, da klopft nicht nur der Stadtpräsident auf Holz, ist schlicht noch nicht der Fall. «Würde im Grossrat rational entschieden, müsste es zugunsten der Teilkonzentration in Biel gehen. Aber wir fürchten regionalpolitischen Widerstand», sagt Fehr.<br /><br />

<b>Novartis-Chef fehlte</b><br />

Widerstände, wenn auch anderer Natur, hatten denn auch Novartis-Schweiz-Chef Armin Zust vom geplanten Auftritt in Biel abgehalten. Die Klammerbemerkung, dass er derzeit andere Sorgen hat als einen Bieler Forschungsstandpunkt, nachdem der Konzern Massenentlassungen auch in der Forschungsabteilung verkündete, sei hier nur der Form halber gemacht. Als Ersatzmann war Architekt Marco Serra angereist, der nicht nur einen Schnupfen im Gepäck hatte, sondern auch eine durchaus anregende Vision, wie sie im NovartisCampus Gestalt angenommen hat. Der Koordinator des (bisher zu 35 Prozent gebauten) Campus-Masterplans von Novarttis erklärte das «Multi-Space-Konzept», bei dem der Mensch und seine Forschung im Mittelpunkt stehen sollen. Grosse, offene Räume, die Zusammenarbeit in Teams erleichtern sollen. Wichtig sei ebenso der Austausch auf öffentlichen Plätzen, in Parks und – nicht zu vergessen – auch mit verschiedenen Kunstobjekten, die das Forscherhirn auch mal um die Ecken denken lassen.
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<b>Architekten und Aktion</b><br />

Architektenlastig gestaltete sich auch der weitere Abend mit dem Diskussionsforum: Professor Stephan Mäder-Mächler, Leiter des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurswesen an der Zürcher Hochschule ZHAW in Winterthur plädierte für die Verteilung des Campus auf verschiedene Orte in der Stadt («Die Stadt muss der Campus sein, nicht wie in Luzern.»). Dazu kam Architektin Marie-Claude Bétrix aus Zürich. Da konnte auch André Klopfenstein, Managing Partner der Bieler Creaholic kaum Kontrapunkte setzen, warf lediglich schnell noch ein, ohne Projekte wie Solar Impulse könne eine Hochschule um den Campus Biel herum keine internationale Ausstrahlung gewinnen. Ein zentrales Gebäude in der Nähe des Bahnhofs wünschte sich zumindest Erich Fehr, wo sich Mensa und Bibliothek vereinen sollen. Allein, die Kehlen wurden trocken, bei so viel Trockenbau im Kopf.
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Und daher nutzte die Präsidentin der Wirtschaftskammer Biel Seeland, Sibylle Thomke, die Gunst der Stunde für das einzig richtige Zeichen: Aktion. Sie bat die Anwesenden, einen offenen Brief zugunsten der «überfälligen» Teilkonzentration in Biel an den Grossen Rat zu unterschreiben. Biel braucht jede Stimme – 200 hat sie schon einmal.

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