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Alljährliches Stelldichein der Chasselas-Winzer

Bereits zum vierten Mal vertrat der Ligerzer Winzer Erich Andrey den Kanton Bern am Final des prestigeträchtigen Chasselas-Cups. Zwar reichte es ihm in der Runde der 24 Finalisten gegen die Dominanz der Walliser und Waadtländer nicht unter die...

<B>9. Final des Chasselas-Cups in Bern<BR>
</B><P><FONT SIZE=+2><B>Alljährliches Stelldichein der Chasselas-Winzer</B></FONT><P><B>Bereits zum vierten Mal vertrat der Ligerzer Winzer Erich Andrey den Kanton Bern am Final des prestigeträchtigen Chasselas-Cups. Zwar reichte es ihm in der Runde der 24 Finalisten gegen die Dominanz der Walliser und Waadtländer nicht unter die letzten acht. Doch letztlich geht es um mehr als «nur» um den Sieger.<BR>
</B><P>Interview: Hans Leuenberger<BR>
<P>«Bieler Tagblatt»: Erich Andrey, Hand aufs Herz: Glaubten Sie an die Chance, mit Ihrem Tropfen unter die acht besten Schweizer Chasselas vorzustossen? <BR>
Erich Andrey (Winzer in Ligerz): Insgeheim hofft dies jeder Teilnehmer. Doch es ist einsichtig, dass die Bielersee-Region aus klimatischen Gründen nicht ganz mit dem Wallis oder der Waadt mithalten kann. Übrigens finde ich den Ausdruck «bester Chasselas» nicht glücklich gewählt. Glück und Pech liegen bei solchen Ausmarchungen nahe beeinander. <BR>
BT: Macht es überhaupt Sinn, einen «Schweizer Chasselas-Meister» zu erküren, wenn Weintrinken primär Geschmackssache ist?<BR>
Andrey: Ja, sofern der Wettbewerb richtig interpretiert wird. Der Chasselas-Cup bildet ein hervorragendes Marketing-Instrument für diese Traubensorte. Zudem fördert er die Konkurrenz unter den Winzern, was die Qualität der Weine ebenfalls positiv beeinflusst. Ob nun dieser oder jener Winzer gewinnt, spielt letztlich nicht die entscheidende Rolle.<BR>
BT: Haben Sie in der Blinddegustation Ihren eigenen Wein erkannt?<BR>
Andrey: Vor zwei Jahren habe ich ihn erkannt. Diesmal musste ich raten und habe prompt daneben getippt. Doch die Weine liegen teilweise so nahe beieinander - schliesslich wurde hier im Final eine Auslese präsentiert -, dass es kaum möglich ist, noch Unterschiede festzustellen. Einem Winzer, der seinen Wein aus den 24 präsentierten Tropfen nicht ausfindig machen kann, darf jedenfalls kein Vorwurf gemacht werden. <BR>
BT: Sie sind nun seit 1991 insgesamt viermal im Final vertreten gewesen. Welche Entwicklung in der Weinbereitung stellen Sie fest?<BR>
Andrey: Generell wird der Chasselas etwas weniger säurebetont vinifiziert. Weine mit einer Spur Süsse finden bei den Konsumenten einfach mehr Anklang. Weiter gibt es immer mehr Winzer, die Top-Qualitäten anbieten. Die Rebbauern verfügen über moderne Kellereinrichtungen und vinifizieren nach neusten Erkenntnissen.<BR>
BT: Welches sind die entscheidenden Punkte der Vinifikation?<BR>
Andrey: Da gibt es deren viele. Als die zwei wichtigsten würde ich sauberes Arbeiten - und zwar peinlich genau - sowie die Kontrolle der Gärtemperatur nennen. Letzteres garantiert eine ausgeprägte Frucht.<BR>
BT: In letzter Zeit wurde viel vom Einfluss der Hefe gesprochen . .<BR>
Andrey: Ich glaube nicht an «Wunderhefen». Ich benutzte übrigens schon seit Jahren dieselbe Hefe und bin sehr zufrieden. Das Thema Geschmackseinfluss der Hefe wird meiner Ansicht nach hochgespielt.<BR>
BT: Der Final fand in Bern statt. Stimmt die Behauptung, Berner würden nur Waadtländer trinken? <BR>
Andrey: Früher war dies so, auch aus historischen Gründen. Doch die Zahlen belegen, dass die Bielersee-Winzer immer mehr Wein im Kanton Bern verkaufen. Eine erfreuliche Tendenz. <BR>
BT: Was empfindet ein Bielersee-Winzer, wenn er sieht, welch horrende Beträge für Bordeaux-Weine hingeblättert werden?<BR>
Andrey: Es sind nicht die Weinbauern, sondern die Märkte, welche die Preise in die Höhe schrauben. Und wenn ich höre, dass in Asien die Topweine teilweise mit Eiswürfeln getrunken werden, bleibt mir nur ein Kopfschütteln. Was die Bielersee-Winzer betrifft, müssen wir weiterhin auf Qualität setzen, um genügend Abnehmer zu finden.<BR>
BT: Lagern in Ihrem Keller auch andere Weine als die eigenen?<BR>
Andrey: Wir degustieren oft im Kollegenkreis Weine aus aller Welt. Der Reiz liegt darin, Traubensorte, Alter und Region ausfindig zu machen. Doch einen privaten Weinkeller, in dem alles zu finden wäre, was Rang und Namen hat, führe ich nicht.<BR>
BT: Können Sie sich auf einen Lieblingswein festlegen?<BR>
Andrey: Wie gesagt, ich bin vielseitig interessiert. Aber auch nach der Degustation sogenannt grosser Weine nehme ich gerne einen Schluck Chasselas.<BR>

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