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Mein Montag

«Was braucht die Zollverwaltung 
der Zukunft?»

Sie ist Vizedirektorin der Eidgenössischen Zollverwaltung und Vorgesetzte von rund 200 Personen: Die Erlacherin Eveline Gugger Bruckdorfer benötigt eine grosse Portion Organisationstalent.

Eveline Gugger Bruckdorfer. «Wir sorgen dafür, dass unsere Leute an der Grenze reibungslos arbeiten können.» Bild: Susanne Goldschmid
  • Dossier

Aufgezeichnet: Lotti Teuscher

Mein Montagmorgen beginnt um 5.30 Uhr mit einer grossen Tasse Ginger-Lemon-Tea, gefolgt vom Yoga-Sonnengruss. Mit Postauto und Bahn fahre ich zu meinem Arbeitsplatz in Bern, dort treffe ich um 7.15 Uhr ein, checke als Erstes meine Mails und delegiere Arbeiten.

Zu meinem Verantwortungsbereich gehören die Finanzen, die Informatik und die Infrastruktur. Zusammen mit meinem Team bin ich verantwortlich für das Beschaffen von allem, was die 4700 Mitarbeitenden der Zollverwaltung brauchen: Zum Beispiel Uniformen; Autos mit und ohne Blaulicht, bis hin zu einer leuchtenden PC-Tastatur für jemanden, der im Dunkeln Daten eingibt. Kurz: Wir sorgen dafür, dass unsere Leute an der Grenze reibungslos arbeiten können.

Um Material zu beschaffen, müssen wir viele Details beachten; etwa, wozu ein Auto eingesetzt wird, aber auch, wann der richtige Zeitpunkt ist, das Auto zu ersetzen. Denn unsere Autos sollen so lange wie möglich fahren, müssen allerdings auch tadellos funktionieren. Bei der Beschaffung definieren wir Regeln, die für alle gelten, und müssen gleichzeitig flexibel genug sein, um Einzellösungen zu finden.

Zu meinen Aufgaben gehört auch das Begleiten von Bauprojekten. Die Zollverwaltung befindet sich derzeit in einer umfassenden Transformation. Wir sind daran, alle Prozesse zu vereinfachen und zu digitalisieren. Diese Transformation bietet extrem viele Gestaltungsmöglichkeiten und macht meine Arbeit sehr spannend.

Die Veränderung ist nötig, weil noch sehr viel mit Papier gearbeitet wird. Allein für die Modernisierung der Informatik hat das Parlament 400 Millionen Franken gesprochen; Geld, das wir effizient und wirksam einsetzen wollen. Dank der Digitalisierung werden künftig Schaltertätigkeiten wegfallen, im Gegenzug können unsere Mitarbeitenden vermehrt Kontrollen durchführen.

Im Rahmen der Digitalisierung bin ich auch verantwortlich für die neue Informatik-Ausstattung der rund 250 Grenzposten. Dies wirft natürlich Fragen auf: Was braucht die Eidgenössische Zollverwaltung der Zukunft? Zum Beispiel benötigen wir Scanner, die in der Lage sind, ganze Lastwagen zu durchleuchten – Scanner, die ähnlich funktionieren wie jene am Flughafen für die Gepäckkontrolle, nur sehr viel grösser sind.

Künftig werden Daten elektronisch eingegeben, Sensoren werden den Zollübergang überwachen.

Zurück zum Montag. Nach dem Blick in die Mails, bereite ich mich auf die erste Sitzung vor. Wenn ich im Büro bin, leite ich etwa drei Sitzungen pro Tag, dies sind rund 15 pro Woche. Oft sind es Projektsitzungen. An den Projekten haben bereits viele Leute intensiv gearbeitet; meine Aufgabe ist es, die Vorschläge und Lösungen zu beurteilen, um Entscheide zu treffen. Ist ein Vorschlag auf meinem Tisch, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er akzeptiert wird – bei Bedarf mit Rahmenbedingungen. Denn die besten Lösungen entstehen, wenn gute Sichtweisen von verschiedenen Leuten zusammenfinden.

Sitzungen im kleinen Kreis halten wir in meinem Büro ab; grosse finden in einem Raum statt, der mit viel Holz ausgekleidet ist und unter Denkmalschutz steht. Obwohl dort ein runder Tisch steht, gibt es Hierarchien (schmunzelt): Am begehrtesten sind die Plätze, die eine gute Sicht auf den Grossbildschirm ermöglichen.

An anderen Montagen bin ich unterwegs, und zwar meist mit dem öffentlichen Verkehr. Unsere Mitarbeitenden an der Grenze besuche ich regelmässig. Denn ich muss wissen: Was funktioniert? Wo sind wir von der Beschaffung zu schwerfällig?

Diese «Kundenbesuche» ermöglichen, dass sich die Mitarbeitenden erklären können. Die Zöllner, verantwortlich für den Handelsverkehr, und die Grenzwächter, die den Personenverkehr überwachen, sind stolz auf ihre Aufgabe: Sie sind zuständig für eine umfassende Sicherheit an der Grenze zugunsten der Bevölkerung, der Wirtschaft und des Staats. Wir alle haben einen hohen Professionalitätsanspruch an uns selber. Damit alles funktioniert, braucht es Leute, die weit, statt eng denken.

Manchmal mache ich eine sehr kurze Mittagspause oder treffe mich mit Kolleginnen und Kollegen zum Lunch, manchmal arbeite ich durch. Meine Arbeitstage sind lang, aber dennoch oft zu kurz.

Wenn ich nicht die Grenze besuche, ist mein Arbeitstag meist um 18.30 Uhr beendet. Was nicht bedeutet, dass ich nicht länger arbeite: Manchmal nehme ich mein Büro mit nach Hause. Ein Büro, das 28 auf 20 Zentimeter klein ist; durch meinen Laptop habe ich Zugriff auf alles, was ich brauche.

Um 19.30 Uhr treffe ich in Erlach ein. Mein Mann, der Hausmanager, hat etwas Kleines gekocht; Dean Bruckdorfer kümmert sich um alles, was zu Hause anfällt.

Derzeit liegt mir neben Arbeit und ehrenamtlicher politischer Tätigkeit für die FDP noch etwas anderes am Herzen: Das Erlach-Festival, das mit dem Termin 4. Mai näher rückt. Das historische Stedtli Erlach bietet mit seinen kleinen Lokalen der Club-Musik eine sehr schöne Bühne. Mit einem kleinen OK organisieren wir alles, was notwendig ist, um Musiker und Musikerinnen sowie Besuchern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.

Zur Entspannung singe ich im Frauenchor von Erlach; derzeit studieren wir «Mary Poppins» ein. Um 22.30 Uhr mache ich Feierabend und gehe schlafen.

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