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Twann

Vergessene Trockenmauer 
wird zum Tierparadies

Jura-Viper, Mauereidechse oder Bocksriemenzunge: In der «Funtele» bei Twann-Tüscherz ist ein Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entstanden.

Bild: zvg

Das Landschaftswerk hat in der «Funtele» der Gemeinde Twann-Tüscherz eine versteckte Oase für Biodiversität geschaffen – die offizielle Bauabnahme der dazu gehörenden imposanten Trockenmauer fand anfang Woche statt. Spannend ist, wie es dazu kam: Im Sanierungsprogramm der Rebgüterzusammenlegung ging eine uralte Trockenmauer vergessen, weil sie mit Gestrüpp zugewachsen und zu grossen Teilen zerfallen war. Das Landschaftswerk hat den Hang gesichert und das Mauerwerk restauriert.

 

48 Meter lange Mauer

Die sanierte Stützmauer ist mit 48 Metern Länge und zwei Metern Höhe ein imposantes Bauwerk, welches nun wieder in die kulturhistorisch einmalige Rebterrassenlandschaft eingebunden ist. «Damit wurde nicht nur das typische Ortsbild bereichert, sondern auch Lebensraum für die im Mittelland gefährdeten Mauereidechsen und Jura-Vipern geschaffen», schreibt das Landschaftswerk in einer Mitteilung.

Die angrenzende Trockenwiese von nationaler Bedeutung wurde entbuscht sowie zahlreiche Kleinstrukturen mit Totholz und Steinhaufen für Reptilien und Insekten erstellt. Auf der Trockenwiese befinden sich seltene Orchideen – darunter die gefährdete Bocks-Riemenzunge. Die Funtele ist eines von 200 Objekten, welche das Landschaftswerk im laufenden Jahr ökologisch aufwertet. Bis 2024 sind in der Region Biel-Seeland weitere Naturschutzprojekte im Umfang von zusätzlichen 3 Millionen geplant.

 

Geschütztes Bielerseeufer

Der Aufwand von knapp 200 000 Franken für die Aufwertung der Funtele wurde mit Fonds- und Stiftungsgeldern finanziert. Aus der Region haben sich etwa der Öko-Fonds-Éco Taubenloch des Energie Service Biel und die Stiftung Netzwerk Bielersee beteiligt. Das Aktionsgebiet des Landschaftswerks schliesst insbesondere das linke Bielerseeufer ein, welches bundesrechtlich geschützt und Bestandteil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) ist.

Im Jahr 2020 kümmerte sich das Sozialunternehmen um mehr als 200 Naturschutz- und Kulturlandschaft-Objekte. Die ökologischen Massnahmen kommen einerseits der Bevölkerung in der Region zu Gute und andererseits werden sie von langzeitarbeitslosen Menschen unter professioneller Anleitung des Landschaftswerks umgesetzt.

 

Bund spricht Gelder

Da dem Kanton Bern für die Periode 2020 bis Ende 2024 noch unausgeschöpfte Bundesmittel für Biodiversität zur Verfügung stehen, beauftragte der Verein seeland.biel/bienne das Landschaftswerk als Koordinationsstelle Natur & Landschaft beim Bund eine Eingabe einzureichen.

Das Landschaftswerk hat in der Folge 230 Projekte für 36 Gemeinden rund um den Bielersee aufbereitet und eingereicht. Mit Erfolg: Der Bund hat eine finanzielle Beteiligung von 1,25 Millionen Franken an Projekten in den Bereichen Naturschutz, Wald und Landschaft gesprochen. mt/sz

Stichwörter: Tiere, Seeland, Natur

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