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Aarberg

Uferschutz steht Neubau im Weg

Anstelle der bisherigen Provisorien möchte Aarberg ein neues Gebäude errichten, um mehr Platz für Kindergärten zu schaffen. Dafür soll der Uferschutzplan gelockert werden.

Die Pavillons am Hans-Müller-Weg in Aarberg sollen einem Neubau Platz machen. Dieser könnte bis zwölf Meter hoch werden. Copyright/  Peter Samuel Jaggi / Bieler Tagblatt

von Peter Staub

«Der aktuelle Uferschutzplan schränkt uns zu sehr ein», sagt der Aarberger Bauverwalter Marc Lehmann. Die Gemeinde will am Hans-Müller-Weg in der Ecke zur Nidaustrasse einen Neubau erstellen, um dem Platzmangel in den Kindergärten und der Tagesschule zu begegnen. 

Deshalb sollen die Bestimmungen des Ufersschutzplandes so gelockert werden, dass ein höheres und ein längeres Schulgebäude möglich wird. (siehe Infobox). Das geplante neue Gebäude soll auch der Bibliothek, der Musikschule und der  Logopädie Platz bieten, heisst es in den Mitwirkungsunterlagen zur Änderung des Uferschutzplans «Alte Aare-Stedtli».

12 statt 7,5 Meter hoch

Die geplante Änderung betrifft nicht den gesamten Uferschutz, sondern nur die Parzellen in der erwähnten Ecke bis ans Ufer der Alten Aare. Die bestehenden provisorischen Pavillons für Kindergarten und Tagesschule würden durch den Neubau ersetzt.

Konkret geht es bei der geplanten Änderung darum, dass die bisher zulässige Gebäudehöhe von 7,5 auf 12 Meter hinaufgesetzt und dass die bisherige Obergrenze der Gebäudelänge von 30 auf 50 Meter ausgedehnt werden soll. Der Grünflächenanteil der beiden betroffenen Parzellen soll weiterhin mindestens 50 Prozent betragen.    

In den Mitwirkungsunterlagen heisst es, dass die Gemeinde einen Neubau mit einer Nutzfläche von 1500 Quadratmetern plane. Dies geschehe «aufgrund von akutem Platzmangel in den Kindergärten und den Tagesschulen». Wie gross ist dieser Platzmangel aktuell und wie sieht diesbezüglich die Schulraumplanung aus?

Fester Platz für Tagesschule

Der für das Ressort Bildung verantwortliche Gemeinderat Adrian Hügli (SVP) skizziert dieAusgangslage: In Aarberg gebe es seit Längerem vier Kindergärten. Der Pavillon am Hans-Müller-Weg sei allerdings nur als Provisorium gebaut worden und biete nur für 15 Kinder Platz. Der Platzbedarf habe sich bereits mit der Einführung des obligatorischen zweijährigen Kindergartens verschärft. «Mit den Neubauten, die in den letzten zwei bis drei Jahren bezogen wurden, stieg die Zahl der Kindergartenschüler um 10 auf 94 an», sagt Hügli.

Zurzeit gibt es in Aarberg zwei Kindergärten mit je 22 und zwei Kindergärten mit je 25 Schülern. Weil die kantonale Erziehungsdirektion die Vorgabe macht, dass es in Kindergärten noch maximal 21 Schüler haben soll, plant Aarberg im Neubau neu drei anstelle von bisher zwei Kindergärtenklassen.  Dort soll auch die Tagesschule, die seit der Einführung 2010 «immer ein bisschen umhergeschoben» worden sei, wie Hügli sagt, einen definitiven Platz erhalten.

Mit der Schulraumplanung in Aarberg befasst sich eine spezielle Arbeitsgruppe, die aus dem Gemeindepräsidenten Fritz Affolter (SVP), dem für den Hochbau zuständigen Gemeinderat Samuel Gauler (SP), Adrian Hügli, dem Bauverwalter Marc Lehmann und Schulleiter Roland Schär besteht.

Kosten sind noch ungewiss

Die Bedarfsabklärung für den künftig benötigten Schulraum habe ergeben, dass der existierende Raum insbesondere für Kindergarten und Tagesschule nicht reicht. Daneben habe die Arbeitsgruppe «auch den Bedarf aller Räume abgeklärt, bei welchen die Gemeinde Aarberg Mieten bezahlt», erklärt Hügli.

So sei  momentan die Logopädie und die Psychomotorik im Postgebäude sowie die Spielgruppe «Gigampfi» und die Bibliothek in einem privaten Geschäftsgebäude untergebracht. Zudem habe auch die die Musikschule Aarberg den Wunsch geäussert, in einen eventuellen Neubau beim Schulhaus integriert zu werden.

Zu der Höhe der Kosten für einen entsprechenden Neubau kann Hügli noch keine Angaben machen. «Das hängt stark davon ab, was alles integriert wird», sagt er. Sicher ist, dass die Gemeinde die Kosten für den Bau eines neuen Gebäudes selber tragen muss.

Wie dieser Neubau schliesslich aussehen wird und ob es dafür einen Architektur-Wettbewerb geben wird, ist ebenfalls noch offen. Momentan beschäftige sich die Hochbaukommission mit dieser Frage. «Sie wird dem Gemeinderat einen Antrag mit einem konkreten Vorschlag zur Ausschreibung machen», sagt Hügli. Etwas konkreter sieht der aktuelle Zeitplan aus. Weil der provisorische Containerbau für eine Zeit von drei bis fünf Jahren erstellt wurde, ist es gemäss Hügli «das hochgesteckte Ziel» gewesen, das Gebäude im Sommer 2018 zu beziehen.

Ab Sommer 2019 bereit
Erste Recherchen hätten aber ergeben, dass unabhängig von der Wahl der Ausschreibung mit rund dreieinhalb Jahren zu rechnen sei, bis der Neubau realisiert werden könne. Damit wäre ein Bezug frühestens per Sommer 2019 realistisch.

Vorerst aber läuft noch die Mitwirkung zur Änderung des Uferschutzplans. Noch bis am 21. Dezember können bei der Aarberger Bauabteilung begründete Einwendungen erhoben und Anregungen unterbreitet werden.

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Der neue Werkhof soll bereits Ende 2016 fertig sein

Die Aarberger Stimmberechtigten haben an der Gemeindeversammlung vom 26. November einem Nachkredit von 200000Franken zugestimmt. Damit steht dem geplanten Neubau einer ungeheizten Maschinenhalle und dem Umbau des Werkhofes am Aareweg praktisch nichts mehr im Weg.

Der Beschluss der Gemeindeversammlung kann allerdings innerhalb der üblichen 30-Tage-Frist angefochten werden. Davon ist allerdings nicht auszugehen, immerhin wurde der Beschluss einstimmig gefasst.

Falls sich wie erwartet keine Verzögerung mehr ergibt, sei bereits im Januar Baubeginn, sagt Bauverwalter Marc Lehmann. Zuerst wird der Neubau erstellt, damit dieser während der Sanierung des Werkhofs bereits genutzt werden kann. Lehmann rechnet damit, dass der Neubau bis Ende 2016 fertig sein wird.

Die über acht Meter hohe Halle wird über drei grosse Tore verfügen. Sie werde deshalb so hoch gebaut, damit man bei zusätzlichem Platzbedarf einen Zwischenboden einziehen könne, sagte der für den Tiefbau zuständige Gemeinderat Rolf Marti (BDP) an der Gemeindeversammlung.

Der Neubau und die Sanierung wurden gemäss Gemeinderat notwendig, weil im Werkhof prekäre Platzverhältnisse herrschten und die sanitären Anlagen ungenügend seien. So gebe es für sieben Angestellte bloss ein WC und keine Dusche. Den Nachkredit brauchte es, weil die Offerten zeigten, dass der ursprüngliche Kredit von 400000 Franken, den die Gemeindeversammlung im Mai 2012 genehmigt hatte, nicht ausreichen würde.

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Infobox
Die Änderung des Uferschutzplans


• Die öffentliche Mitwirkung zur Änderung des Uferschutzplans Nr. 4 «Alte Aare-Stedtli» dauert noch bis am 21. Dezember.

• Die Unterlagen sind bis dann bei der Bauabteilung Aarberg am Stadtplatz 46 im zweiten Stock aufgelegt. Bei Fragen zu den Unterlagen kann auf Voranmeldung bei der Bauabteilung ein Termin vereinbart werden.

• In der Ecke Hans-Müller-Weg und Nidaustrasse sollen neu 12 statt 7,5 Meter hohe Gebäude mit einer Länge bis zu 50 statt wie bisher 30 Meter zulässig sein.

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