Sie sind hier

„Krawattenzwang“

Trotz Wetter-App Dank an den aufmerksamen Begleiter

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Trotz Wetter-App Dank an den aufmerksamen Begleiter.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

«Das Wetter findet draussen statt», sagt ein beliebter Spruch. Zu hören ist er immer, wenn gemäss Wetterprognosen in Zeitungen oder am TV geplant wird. Die darauf beobachteten Entwicklungen am Himmel lassen meist ziemlich genau voraussagen, was in den nächsten Momenten zu erwarten ist.

Zeitgemässer ist jedoch, auf dem Smartphone laufend mehrere Wetter-Apps mit detaillierten Radarbildern zu konsultieren. Man übertrifft sich dabei mit genauen Vorhersagen. «In genau sieben Minuten regnet es hier», ist ein gehörtes Beispiel. Und wirklich: Die digitale Präzision führt oft zu genauen Prognosen.

Aber nicht immer. Für den Konzertbesuch am letzten Samstagabend beim Stars of Sounds in Aarberg musste der Regenschutz eingepackt werden. Das war mit Blick in die Prognosen jenster Quellen klar. Der Blick zum Himmel liess dann gegen 18 Uhr wahrlich nichts Gutes erahnen.

Also der Blick auf das Wetter-App – und die präzise Ankündigung, dass es exakt um 18.30 Uhr zu stürmen und zu regnen beginnt, bestimmte die weitere Planung. Mit wenig Lust auf eine Regendusche konnten die letzten Plätze in der benachbarten Pizzeria reserviert werden.

Dann ging es schnell: Das erste Donnergrollen näherte sich, der Himmel verdunkelte sich. Aber nein: Bis zum via App angekündigten Gewitter sollte es doch noch eine Viertelstunde gehen. Der Begleiter aber, der bis dahin seinen Blick eher den Prognosen auf dem Handy widmete, mahnte zur Eile. «Da kommt was», die kurze verbale Ankündigung. In der Tat, wie der Blick nach oben bestätigt.

Die Plätze in der Pizzeria wurden entsprechend mit zehn Minuten Vorsprung eingenommen. Kaum geschehen, setzte der Sturm ein, wie wenn ein Schalter betätigt worden wäre. Sonnenschirme flogen durch die Luft, gedeckte Tisch stürzten um, Gläser klirrten. Es reichte gerade noch, um auf Social Media ein Foto mit dem Vermerk «Sintflut in Aarberg» abzusetzen. Und schon wurde die rettende Pizzeria von Schutzsuchenden gestürmt. Es galt, die kurz zuvor eingenommenen Plätze zu besetzen – und in den stürmischen Minuten nicht abzugeben.

Gerne erinnere ich mich an das leicht überhebliche Schmunzeln des Begleiters, der mit Instinkt gerade rechtzeitig einen in dieser Situation wichtigen Entscheid gefällt hatte. Und nun zurecht auf den ergiebigen Dank wartete. Er sei nun unser Wetterheld, notabene ohne Blick in die Wetter-App  – also gut, grosses Merci.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

Nachrichten zu Seeland »