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Hochwasser

«Schutz hat sich bereits ausbezahlt»

Dank der Hochwasserschutz-Massnahmen im Bereich der alten Aare konnten dieses Jahr bereits grössere Überschwemmungen vermieden werden. Nun starten die Arbeiten in Dotzigen und im Grossried.

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Silvia Stähli-Schönthaler


«Ich hätte nie gedacht, dass wir bereits jetzt schon so froh um die getroffenen Hochwasserschutz-Massnahmen sein würden.» Hermann Käser, Präsident des Wasserbauverbandes Alte Aare, steht am neuen Seitengerinne im Schwadernaugrien und zeigt auf den entstandenen Bach, der sich einen Weg durch den Altarm der Alten Aare, der letzten Sommer als Hochwasserentlastung ausgebaut worden war, bahnt.


Ideale Bedingungen für Lebewesen aller Art
Das Grossprojekt «Hochwasserschutz und Revitalisierung Alte Aare», das 2015 im Bereich Schwadernaugrien und Busswil-Worben gestartet worden war, geht nun mit den Arbeiten in den Baulosen 4 und 5 «in die letzte Etappe». Im Frühling 2019 sollen laut Hermann Käser alle vorgesehenen Massnahmen umgesetzt sein. In den Baulosen Studengrien, Schwadernaugrien und Busswil-Worben stand vor allem das Bauen von Dämmen im Vordergrund, die zum Teil auch Wohnsiedlungen vor Grosswassereignissen schützen sollen.

Zudem wurden Massnahmen zur ökologischen Aufwertung der Alten Aare eingeleitet, die ideale Bedingungen für die Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Lebewesen und Pflanzen schaffen. Bestrebungen, die scheinbar Wirkung zeigen: «Jemand sagte mir, dass er einen Eisvogel im Auengebiet gesichtet hat», sagt Käser erfreut. Auch sollen wildwachsende Orchideen dank des ausgedünnten Waldes wieder vermehrt gedeihen. Die Kombination von Hochwasserschutz und Revitalisierung erfüllt die Auflage des revidierten Gewässerschutzgesetzes. Dieses hat zum Ziel, die Gewässer als naturnahe Lebensräume aufzuwerten und damit einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu leisten.


Fläche gezielt überfluten
Die Arbeiten, die in den Baulosen 4 (Dotzigen) und 5 (Grossried) Anfang Februar in Angriff genommen werden, starten an der Kantonsstrasse zwischen Büetigen und Studen. «Die Revitalisierungsmassnahmen im Gebiet Grossried sind weniger umfangreich als jene im Schwadernaugrien. Doch wird auch hier das Gerinne der Alten Aare zum Teil neu strukturiert», sagt Hermann Käser.

Im Zentrum der Massnahmen im Baulos 5 steht aber das Projekt «fliessende Retention». Das heisst, dass bei Hochwasser die landwirtschaftliche Nutzfläche im Gebiet Grossried-Algier/Büetigen-Grien gezielt und kontrolliert überflutet werden soll. Wenn sich der Pegelstand  normalisiert, kann das Wasser wieder abfliessen. Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, muss die Strasse um knapp einen Meter gesenkt werden, damit die alte Aare an einer klar definierten Stelle überläuft und sich das Wasser in der ausgehobenen Auslaufmulde sammelt und abfliessen kann. «Ist diese Mulde voll, fliesst das Wasser weiter über das Landwirtschaftsland.» Natürlich würden die betroffenen Landwirte und Grundbesitzer sollte ein solches «Jahrhundertereignis» eintreten für die entstandenen Schäden entschädigt.


Zur Sicherung der Strasse wird bei Austreten der Alten Aare ein Alarmsystem aktiviert und die Strasse zwischen Busswil/Lyss und Studen wird sofort gesperrt.


Neue Dämme in Dotzigen
Erdmaterial, das für die genannte Auslaufmulde ausgehoben wird, soll für die geplanten Arbeiten im Baulos 4 eingesetzt werden. In Dotzigen wird das Material gebraucht, um drei neue Hochwasserschutzdämme aufzuschütten – den Damm Büetigbächli, den Damm Grien und den Damm am Eichibach. «Dabei wird der Eichibach ab Bananenbrüggli verbreitert und sein Gerinne abwechslungsreicher gestaltet», erklärt der Präsident des Wasserbauverbandes Alte Aare weiter.


Dadurch würden – nebst dem Hochwasserschutz – auch neue Lebensräume und gute Verstecke für Fische entstehen. Es ist vorgesehen, die Bevölkerung von Dotzigen im Bereich Schulhausstrasse sowie die Schulverantwortlichen am 22. Februar 2018 an einer Informationsveranstaltung über die geplanten Massnahmen in Kenntnis zu setzen. Denn der Verkehr auf der Schulhausstrasse dürfte in der Bauzeit stark zunehmen.

Stichwörter: Alte Aare, Renaturierung

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