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Rebbau

Schlechter Start, schönes Ende

Hinter den Winzerinnen und Winzern am Bielersee liegt kein einfaches Jahr. Wetterkapriolen und Pilzbefall erzeugten bange Momente. Doch dann kam die Wende.

Der Läset begann dieses Jahr später als im 2015. Dadurch konnten die Trauben länger reifen. Bild: Peter Samuel Jaggi/a
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von Carmen Stalder


Frostgefahr im Frühling, extreme Niederschläge im Juni und Trockenheit im September: Das Wetter stellte die Winzerinnen und Winzer heuer vor Herausforderungen. Trotzdem konnte eine respektable Menge Trauben von hoher Qualität eingekellert werden. Im Kanton wurden gemäss der Volkswirtschaftsdirektion 1970 Tonnen Trauben geerntet. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten vier Jahre (das BTberichtete).

Doch wie haben die Winzer am Bielersee das Jahr erlebt? Und wie sind sie mit den Hochs und Tiefs umgegangen?


Die Arbeit

Das Weinjahr stand zu Beginn unter einem schlechten Stern. Ende April verursachte eine Frostnacht bei einigen Winzern Schäden an den Pflanzen. «Es kommt sehr selten vor, dass es so spät noch Frost gibt», sagt Peter Stettler aus Erlach. «Das war wirklich deprimierend.»


Danach begünstigte der nasse Frühling ein rasches Wachstum der Reben. Die Winzer kamen deshalb kaum noch mit der Entlaubung ihrer Rebstöcke nach: Hatten sie alle Reben beschnitten, mussten sie wieder von vorne anfangen. «Arbeitsmässig war mein Team stark gefordert mit den sprunghaften Launen der Natur», sagt Sabine Steiner aus Schernelz.

In der zweiten Jahreshälfte wurde es dann warm und trocken – perfekte Bedingungen für die Entwicklung der Trauben.


Die Schädlinge

Mehr zu kämpfen hatten die Winzer dagegen mit den Schädlingen. «Bezüglich Mehltau war es eines der schwierigsten Jahre», sagt Ruth Wysseier aus Vingelz. Und Peter Stettler ergänzt: «Der Mehltaubefall war bei mir so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nicht nur die Blätter, auch die Trauben waren befallen.»

Immerhin gab es kaum Probleme mit der Kirschessigfliege. Wenn die Schädlinge die Trauben befallen, riechen diese innert kurzer Zeit nach Essig und sind ungeniessbar. Im Voraus war die Angst vor dem Insekt gross, denn feuchtwarmes Wetter begünstigt einen Befall. «Die Kirschessigfliege war trotz günstiger Bedingungen im Sommer nicht aktiv, vermutlich wegen den kühlen Nächten und der Trockenheit», sagt Fredi Teutsch aus Ligerz.


Der Ertrag

Die knapp zwei Tonnen Trauben, die im Kanton geerntet wurden, bedeuten eine Zunahme von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Winzer am Bielersee bestätigen dies. «Ich bin froh, dass wir wieder einmal eine vernünftige Menge ernten konnten», sagt Gabriel Andrey aus Ligerz. In den letzten Jahren habe er seine Werbeaktivitäten bremsen müssen, da keine grosse Menge an Wein zum Verkauf vorhanden gewesen sei.

Auch für Michael Teutsch aus Ligerz geht es nach schwierigen Jahren aufwärts: «2013 wurden wir vom Hagel arg getroffen. Auch im Folgejahr sowie im trockenen 2015 war der Ertrag eher gering. 2016 hingegen ist mengenmässig ein gutes Jahr.»


Die Qualität

Fand der Läset letztes Jahr schon Ende September statt, starteten die Winzer jetzt erst imOktober. Die Trauben konnten so ab der Blütezeit länger an den Stöcken ausreifen, was sich positiv auf die Qualität des Weins auswirkt. «Das wird ein schöner Jahrgang», freut sich Martin Mürset aus Twann.

Generell erwarten die Winzer fruchtige und ausgewogene Weine mit einer frischen Säure. Die Alkoholwerte werden wahrscheinlich aufgrund des tieferen Zuckergehalts der Trauben etwas tiefer sein als in den letzten Jahren.


Das Gesamturteil

Das Fazit ist bei den befragten Winzerinnen und Winzern dasselbe: Alle sind sie zufrieden mit dem Weinjahr. Zwar gab es einige Tiefen. Doch schliesslich geht es um das Endprodukt, das jetzt in den Kellern vor sich hin reift. «So schwierig das Jahr begann, so ausserordentlich gut ging es zu Ende», sagt Fredi Marolf aus Tschugg.Und Peter Schott aus Twann ergänzt: «Die Weine sind noch jung und haben den ganzen Winter Zeit sich zu entwickeln. Aber sie bereiten mir jetzt schon viel Freude.»

* * * * *

Rebsorten am Bielersee
- Am meisten verbreitet ist am Bielersee die Weissweintraubensorte Chasselas, auch bekannt unter den Namen Gutedel oder Fendant. Davon wurden in diesem Jahr 750 Tonnen geerntet.
- An zweiter Stelle liegt der Pinot Noir oder Blauburgunder mit 618 Tonnen. Mit grossem Abstand folgen Chardonnay (84t) und Pinot Gris (83t).
- Insgesamt wachsen am Bielersee fast 60 verschiedene Rebsorten. cst/mt

Stichwörter: Wein, Weinbau, Rebbau, Weinjahr 2016

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