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Biel/Nidau

Saubere Seeufer dank Abfalltrennung

Seit 2013 setzt Nidau erfolgreich auf Abfalltrennung, um das Seeufer sauber zu halten. Biel hingegen hat am Strandboden ein solches Projekt aufgegeben. Einige Stadträte wollen es nun wieder einführen.

Auf dem «Hundemätteli» in Nidau sind an drei Orten farbige Recycling-Container aufgestellt. copyright: matthias käser/bieler tagblatt

von Julien Graf

Ein typischer Sommertag in Biel: Man trifft sich am Seeufer, um das Baden zu geniessen. Anschliessend folgt ein Apéro oder eine gemütliche Grillade. Jedes Wochenende treffen sich so Tausende in Vingelz, am Strandboden oder auf dem Nidauer «Hundemätteli».

Die Kehrseite der Medaille? Die Abfallberge häufen sich, die Strasseninspektoren haben alle Hände voll zu tun. Anstrengungen, die dafür sorgen sollen, dass sich der Dreck in Grenzen hält, scheinen jedoch Früchte zu tragen. Dies gilt insbesondere für Nidau. Seit Juni 2013 setzt die Gemeinde am Seeufer auf die Abfalltrennung. Beim «Hundemätteli», das besonders von jungen Leuten geschätzt wird, sind Container aufgestellt, um Glas, Pet, Aluminium und nicht-recycelbare Abfälle zu trennen. Zwischen den Tennisplätzen und dem Schwimmbad stehen solche Container an drei verschiedenen Orten.

Respektvolle Bevölkerung

Während viele Gemeinden unter dem Littering leiden, zieht Nidau eine positive Bilanz. «Vor der Einführung des neuen Systems liessen die Segler ihren Abfall auf dem Rasen liegen. Die Abfalleimern überquollen häufig, sodass der Abfall auch rundherum lag», erinnert sich Florian Hitz, der für das Ressort Tiefbau und Umwelt zuständige Gemeinderat. Gemessen an den vielen Besuchern, die jedes Wochenende hierher kommen, bleibe der Ort sehr sauber. «Ich stelle erfreut fest, dass sich die grosse Mehrheit an der Abfalltrennung beteiligt. Wenn man ihnen die richtigen Infrastrukturen zur Verfügung stellt, werden diese auch genutzt.»

Trotz des erfolgreichen Systems wird es den Strasseninspektoren nicht langweilig: Die Sortieranlagen werden täglich einmal geleert, auch am Wochenende. «Das verursacht aber nicht mehr Arbeit. Da weniger Abfall herumliegt, muss weniger eingesammelt werden», erklärt der grüne Gemeinderat. In finanzieller Hinsicht laufe das Ganze auf eine Nullrechnung hinaus, so Hitz.

Projekt in Biel aufgegeben

In Biel scheint die Lage anders zu sein. Seit Anfang Jahr sind die farbigen Container am Strandboden verschwunden. Dabei hatte das Jugendparlament im Juli 2013 ein Projekt lanciert, mit der Unterstützung der Stadt war die Operation RecyBienne letztes Jahr wiederholt worden. Beteiligt waren die Mitarbeitenden der Sozialfirma Landschaftswerk Biel-Seeland, die für den Unterhalt der Standorte sorgten.

Diese Zeiten gehören jedoch der Vergangenheit an. Die Stadt Biel hat beschlossen, das System aufzugeben. Silvan Kocher, Lei-ter des Strasseninspektorats, begründet den Entscheid mit mangelnden Ressourcen. «Der Unterhalt der Recycling-Container war zu teuer. Die Kosten entstanden insbesondere im Bereich Personal.» Die grüne Gemeinderätin Barbara Schwickert konnte zur Frage nicht Stellung nehmen.

Laut Silvan Kocher ist der Strandboden von Abfallbergen verschont geblieben. «Der Ort gehörte bezüglich Littering tatsächlich zu den neuralgischen Punkten der Stadt. Viele Leute sind aber in den Ferien. Bis anhin konnten wir beim Abfall keinen merklichen Anstieg feststellen.» Wie in Nidau werden die Abfalleimer einmal pro Tag geleert. Trotzdem überquellen sie des Öfteren.

Recycling wieder einführen

Das ärgert Politikerinnen und Politiker. «Vor allem am Wochenende sind die Abfalleimer insbesondere bei schönem Wetter rasch randvoll. Anschliessend sorgt der Wind dafür, dass die Abfälle überallhin verstreut werden. Für die Stadt stellt dies eine schlechte Visitenkarte dar», liessen Vertreter der Grünliberalen und der Grünen sowie der SP in einem Postulat verlauten, das sie im Juli im Stadtrat einreichten. Sie möchten die Abfalltrennung wieder einführen und fordern den Gemeinderat auf, die Möglichkeit zu prüfen, am Seeufer Container aufzustellen und auch andere Gemeinden zu ermuntern.

«Dies würde zu einem sauberen Seeufer führen und dafür sorgen, dass die Bevölkerung für die Abfalltrennung sensibilisiert wird. Überdies könnten die Abfälle wiederverwendet werden», betonten die Parteien. Der Gemeinderat hat nun drei Monate Zeit, um das Postulat zu beantworten. Somit sind die farbigen Container am Strandboden wohl frühestens nächsten Sommer wieder anzutreffen.

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