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Müntschemier

Mit Rakitic statt mit Ronaldo oder Shaqiri?

Wenn übermorgen Frankreich und Kroatien in Moskau zum WM-Final einlaufen, wird auch die achtjährige Giulia Ferraro aus Müntschemier mit von der Partie sein. Vor über einer Milliarde Zuschauern.

Als F-Juniorin beim FC Kerzers spielt Giulia Ferraro auch selbst Fussball. Hier balanciert sie den offiziellen Ball der WM 2018. Bild: Susanne Goldschmid / Bieler Tagblatt
  • Dossier

Beat Kuhn

Die Schweizer Nati ist zwar im Achtelfinal ausgeschieden. Trotzdem steht die Schweiz im Final der Fussball-WM: mit dem Doppelbürger Ivan Rakitic in der kroatischen Mannschaft und  Giulia Ferraro aus Müntschemier. Sie ist eines der Kinder, die am Sonntag an der Hand eines der Spieler einlaufen dürfen (das BT berichtete).

«Ich freue mich riesig»

«Am liebsten wäre mir Ronaldo gewesen», bekennt sie, denn der Portugiese sei «einfach cool». Eine Vorliebe, bei der laut Vater Michael Ferraro auch eine Rolle spielt, dass in Müntschemier viele Portugiesen arbeiten und leben. «Die Nähe zum Land und zu den Leuten ist also allgegenwärtig, und bei den Kindern ist die Nationalitätenfrage ja noch nicht vorhanden.»

Wäre die Schweiz in den Final gekommen, wäre Xherdan Shaqiri ihr Favorit gewesen. Doch Giulia weiss, dass es schon ein Wunder gebraucht hätte, dass unsere Nationalmannschaft bis ins Endspiel kommt. Bei wem an der Hand Giulia übermorgen auf den Rasen spazieren wird, weiss Vater Ferraro noch nicht. Sinn machen würde nach dem Finaleinzug von Kroatien aber sicher der im Aargau aufgewachsene Rakitic, der sich schon vor Jahren entschieden hat, im kroatischen statt im schweizerischen Nationalteam zu spielen.

Zwar ist ja wie die Schweiz auch Portugal schon im Achtelfinal ausgeschieden. Trotzdem erfüllt sich für Giulia ein Traum: «Ich freue mich riesig, kann es noch immer nicht ganz fassen.» Gleichzeitig ist das ein verspätetes Geburtstagsgeschenk für sie, da sie am Donnerstag letzter Woche acht Jahre alt geworden ist.

Grossvaters Fussball-Gene

Auch Vater Michael Ferraro ist begeistert:«Mit Giulia an einem WM-Final – das hätte ich mir nie im Leben träumen lassen.» Wegen der Aussicht auf dieses einzigartige Erlebnis fand er die WM-Spiele «noch viel spannender», weil er gewusst habe, dass er die beiden erfolgreichsten Teams werde live sehen können. Dass sich Italien nicht für die WM qualifiziert hat, fuchst den in Biel geborenen Sohn eines Italieners und einer Schweizerin nicht: «Ich bin absolut kein Italien-Fan.»

Vielleicht mehr noch als vom Vater hat Giulia ihre Leidenschaft für Fussball von ihrem Grossvater mütterlicherseits. Denn, so Mutter Tina Ferraro: «Mein Vater hat seinerzeit bei der Gründung des FCMüntschemier mitgeholfen.» Motiviert, bei den F-Junioren des FC Kerzers zu spielen, hat Giulia vor zwei Jahren ihr Cousin Yanis. Ihre Position dort ist Verteidigerin.

Nur für Foto posieren müssen

Unter dem Namen «Player Escort Programm» erfüllt McDonald’s seit 14 Jahren Kinderträume, wie Mediensprecherin Deborah Murith sagt: «An der WM laufen bei jedem Spiel andere Kinder aus der ganzen Welt mit einem Fussballstar Hand in Hand aufs Feld.» Seit vielen Jahren fördere der Konzern Sport im Allgemeinen und Fussball im Besonderen, auch auf lokaler Ebene. Damit leiste man «einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsförderung».

Giulia selbst hat für die grosse Ehre, die dieser Auftritt ist, nichts tun müssen – ausser das, was sie eh am liebsten macht, nämlich Fussball spielen. Eines der Fotos, die der Papi von ihr gemacht hat, wie das Väter tun, zeigt das Mädchen im roten Dress der Schweizer Nati. Mit dem rechten Fuss legt sie sich den Ball zurecht, den sie unmittelbar danach schiessen wird.

Dieses Bild lud Michael Ferraro beim Online-Voting von McDonald’s hoch. Die Kinder mussten nicht zwingend beim «Tschutten» zu sehen sein, sondern einfach «in Bewegung», so Murith, «beim Lieblingssport oder sonst in der Freizeit». Teilnehmen konnten Kinder von sechs bis zehn Jahren.

«Mit Abstand» gewonnen

Eine unabhängige Jury wählte aus jeder Sprachregion «die zehn Kinder mit den kreativsten Einsendungen» aus, wie Murith sagt. Deren Fotos wurden auf der Website von McDonald’s aufgeschaltet, dann konnte jedermann für seinen Favoriten voten. Den drei Kindern mit den meisten Stimmen pro Sprachregion winkte eine Reise an den wichtigsten Fussballanlass der Welt.

In der Deutschschweiz hat Giulia die meisten Stimmen gemacht, und zwar «offenbar mit Abstand», so der Vater voller Stolz. Der Gewinner in der Westschweiz und jener im Tessin waren schon am 17. Juni in Russland dabei, als Mexiko gegen Deutschland überraschend mit 1:0 gewann. Giulia ist also die einzige von den dreien, die sich sozusagen für den Final qualifiziert hat.

Einlaufen wird noch geübt

Nachdem noch kurzfristig gültige Pässe organisiert wurden, sind Giulia und ihr Vater, der sie bei dem Abenteuer begleitet, gestern von Zürich nach Moskau geflogen. Am Samstag und Sonntag findet ein Rahmenprogramm für die Kinder und ihre Begleitperson statt. Am Sonntag wird zudem das Einlaufen geübt.

Um 17 Uhr Schweizer Zeit kommt dann der grosse Moment: Vor 80000 Zuschauern im Stadion und über einer Milliarde am Bildschirm wird das Seeländer Mädchen mit einem der 22 Spieler einlaufen. Neben Giulia wird dann noch ein Zweiter aus der Region eine wichtige Rolle spielen: Für SRFkommentieren wird den Final nämlich der gebürtige Grenchner Sascha Ruefer.

Stichwörter: Giuilia Ferraro

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