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1968

Mit Protesten und Krawall gegen Krieg und Autorität

Es gilt als das Jahr der grossen Umbrüche, das Jahr, in dem sich alles zu verändern schien: 1968. Überall auf der Welt demonstrierten die Menschen gegen den Vietnamkrieg. Gleichzeitig forderte die junge Generation mehr Mitbestimmung und mehr Freiheiten, wovon auch die späteren Generationen profitierten.

«Sit-Ins», «Teach-Ins», «Go-Ins»: Bei ihren Demos und Protesten setzten die Jugendlichen um 1968 auf neue Vorgehensweisen, um ihre Forderungen zu präsentieren. So auch hier im Jahr 1970, wo sich die Jugendlichen auf dem Burgplatz versammelten. Bild: Memég

von Jana Tálos

1968 – die Zahl ist schon fast zu einem Symbol geworden, einem, das mit ganz unterschiedlichen Bildern konnotiert wird. Die einen sehen in 1968 die Hippies, die langen Haare, die Musik, die Drogen, «Flowerpower», die freie Liebe. Anderen kommen als erstes die Strassenschlachten in den Sinn, die Aufstände der Jugend, der Studenten in Paris, in Berlin oder in Zürich. Wiederum andere sehen den Vietnamkrieg vor sich, die Bilder des Elends, der Toten, der Gefechte, die in diesem Jahr um die Welt gingen. Aber auch die Bilder der Niederschlagung des Prager Frühlings, die Panzer in der Tschechoslowakei und die Massaker bleiben bis heute in Erinnerung.

So unterschiedlich wie die Assoziationen, so unterschiedlich waren aber auch die Themen und Absichten, welche die Generation von 1968 beschäftigten, auch wenn sie später oft als homogene 68er-Bewegung bezeichnet wurde. Die Neue Linke, die vor allem von Studenten getragen wurde, strebte eine antiautoritäre Gesellschaft an, forderte mehr Mitbestimmung und Reformen des Bildungssystems. Die Pazifisten setzten sich für den Frieden ein, klebten Bilder aus dem Vietnamkrieg auf Plakate und versuchten damit den Menschen vor Augen zu führen, was da fern der Heimat vor sich ging. Und wieder andere hatten einfach genug von den sozialen Zwängen, von den Vorschriften und Werten der Generation ihrer Eltern – und forderten schlicht mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und mehr Raum.

Gleichzeitigkeit der Ereignisse

Das alles begann selbstverständlich nicht erst 1968. Der Krieg in Vietnam wurde schon sehr viel früher infrage gestellt, die Wurzeln der Neuen Linken liegen deutlich weiter zurück und auch die Jugend begann nicht erst in diesem Jahr gegen Vorschriften und Autoritäten zu rebellieren.

Doch 1968 schien sich das alles zu konzentrieren. Die Demos wurden lauter, die Proteste und Strassenschlachten extremer. Und dadurch, dass überall auf der Welt demonstriert und gefordert wurde, entstand bei den Beteiligten das Gefühl, Teil einer globalen Revolution zu sein, auch wenn ihre eigentlichen Aktionen einen sehr lokalen Nutzen hatten. So forderte die Jugend in Biel und Zürich ein Autonomes Jugendzentrum, einen Freiraum für die Menschen vor Ort. In Bangkok demonstrierte die Bevölkerung wiederum gegen die thailändische Verfassung und in Deutschland gingen die Menschen gegen der Einführung der sogenannten Notstandgesetze auf dieStrasse, die dem Staat mehr Handlungsspielraum in sogenannten Krisensituationen sichern sollte.

Global gesehen hatten die einzelnen Aktionen also wenig miteinander zu tun. Doch die Akteure bedienten sich einer ähnlichen Sprache. Demonstrationen und Kundgebungen wurden nach dem Prinzip von sogenannten «Sit-Ins», «Teach-Ins» und «Go-Ins» abgehalten (siehe Bild). Gleichzeitig wurden viele Ideen von anderswo kopiert und einregionalisiert. So forderten die Bieler zuerst bloss einAJZ, um sich mit den Zürchern zu solidarisieren, deren Forderung nach einem solchen von den Behörden abgelehnt wurde. «Man wusste ja auch nicht genau, was das eigentlich sein soll», sagt Renato Maurer, der als Jugendlicher in den 70er-Jahren beim Aufbau des Bieler AJZ mithalf und heute an einer dreiteiligen Buchreihe über dessen Geschichte arbeitet (siehe Interview rechts). Die konkrete Idee, einen Ort zu schaffen, an dem jeder so sein kann, wie er will und es keine Vorschriften gibt, entwickelte sich erst Monate später – und noch länger dauerte es, bis diese dann auch tatsächlich umgesetzt wurde, zumal die Vorstellungen davon teils in ganz unterschiedliche Richtungen gingen.

Gegen die sozialen Zwänge

Apropos unterschiedlich: So heterogen die Generation von 1968 auch war, so hatte sie dennoch auch einige Gemeinsamkeiten. Die «68er», wie sie auch genannt werden, wurden während oder nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und waren daher im Gegensatz zu ihren Eltern kaum oder gar nicht durch dieses einschneidende Erlebnis geprägt. Sie hingegen erlebten einen enormen Wirtschaftsaufschwung, das Aufkommen der Konsumgesellschaft sowie die Spannungen des Kalten Kriegs, dessen heisse Phasen in anderen Regionen ausgetragen wurden.

Während sich die Vorgängergeneration also über die neugewonnene Normalität und den Aufschwung freute, und diese um keinen Preis wieder hergeben wollte, fing die Jugend an, die Strukturen und Weltansichten infrage zu stellen – und sich gegen die sozialen Zwänge zu wehren, die damals vorherrschten. Denn schon das Tragen eines Minirocks reichte damals für einen Skandal und eine Schlagzeile im «Blick». Männer, die ihre Haare wachsen liessen, wurden sogleich als Kommunisten und linkes Pack abgestempelt und so mancher Barbesitzer verweigerte ihnen den Zutritt.

Dass man sich unter diesen Umständen einen Raum wünscht, in dem man sich den Zwängen entziehen und tun und lassen kann, was man will, verwundert daher nicht. Die weltweite Umbruchstimmung sowie die globale Unzufriedenheit, waren der perfekte Nährboden, um etwa die Idee eines Autonomen Jugendzentrums in dieser Zeit spriessen zu lassen. Und obwohl die 68er nur den Anstoss zum Aufbruch der sozialen Zwänge und Werte gaben und viele ihrer Ideen und Vorstellungen sang und klanglos scheiterten, so haben die nachfolgenden Generationen durchaus von ihrer Protestfreudigkeit profitiert. Homosexualität, Frauenrechte, das Zusammenleben von Mann und Frau ausserhalb einer Ehe – all das wurde 1968 thematisiert und hat eine Entwicklung angestossen, die sich bis heute hinzieht.

Der Generation ein Gesicht geben

All das ist nun schon eine Weile her. Und unterdessen haben andere Ereignisse die Weltgeschichte geprägt und neue Bewegungen und Generationen sind in den Vordergrund gerückt. Dass die 68er heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern, bietet jedoch die Gelegenheit, die Ereignisse und Entwicklungen von damals noch einmal unter die Lupe zu nehmen und ihnen durch Erzählungen von Menschen aus der Region ein Gesicht zu geben.

Und genau das versucht das BT in dieser Serie. Während eines Jahres sollen die Geschehnisse und Trends von damals beleuchtet werden. Sei es in der Musik, in der Mode, in der Politik oder in der Bildung, oder eine Demo wie diese vom 6. Juli in Biel (siehe Chronologie in der Mitte). Dabei gilt nicht der Anspruch, alles aus dieser Zeit abzudecken. Es geht darum, die Erinnerung hochzuhalten. Die Erinnerung an ein symbolträchtiges Jahr – und an eine ganz spezielle Generation.

Haben Sie spezielle Erinnerungen an die Vorgänge und Ereignisse rund um das Jahr 1968? Schreiben Sie uns an region@bielertagblatt.ch

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Ereignisse von 1968

4. Januar

Alexander Dubcek wird zum Chef der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei gewählt. Er soll das Land demokratisieren und dem Sozialismus «ein menschliches Antlitz» geben, nachdem es in der Zivilbevölkerung immer wieder zu Protesten und Kritik am Kurs der Regierung kam. Das Datum gilt allgemein als Auftakt des «Prager Frühlings».

30. Januar

Viet-Cong-Verbände starten am Morgen des buddhistischen Neujahrsfests Tet eine Grossoffensive gegen US-Truppen. Der Angriff fordert auch viele zivile Opfer und zeigt erstmals das Ausmass des Krieges in Vietnam. Es kommt weltweit zu Friedensdemos und Protesten.

8. März

In Locarno besetzen über 200 Studenten das Lehrerseminar und fordern eine Reform der Unterrichtsmethoden. Die Behörden setzen daraufhin einen neuenDirektor ein, der eine Schulreform durchführen soll.

4. April

Der Anführer des US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King Jr. wird in Memphis (Tennessee) erschossen. In über 100 amerikanischen Städten kommt es daraufhin zu Krawallen. Auf der ganzen Welt bekunden Menschen an Demonstrationen ihre Solidarität mit der Bewegung.

11. April

Der Hilfsarbeiter Josef Bachmann schiesst auf den Soziologie-Doktoranden und Wortführer des sozialistischen deutschen Stundentenbundes (SDS) Rudi Duschke. Dieser überlebt das Attentat schwer verletzt. Der SDS macht den Axel Springer Verlag sowie den Berliner Senat für die Tat verantwortlich, welche eine Hetzkampagne auf Oppositionelle geführt hätten. Studenten versuchen noch am selben Abend, die Auslieferung von Zeitungen aus dem Springer-Verlag zu verhindern. Später kommt es in verschiedenen deutschen Städten zu Grossdemos gegen das Verlagshaus, an denen rund 10 000 Personen teilnehmen.

3. Mai

Linke Studenten besetzen die Räume der Universität Sorbonne in Paris, um gegen die Schliessung der Universität von Nanterre zu demonstrieren. Die Polizei lässt das Gebäude räumen. Es kommt es zu Strassenschlachten und Unruhen in ganz Paris. Studenten weltweit solidarisieren sich mit den Inhaftieren.

31. Mai

Jimi Hendrix gibt im Zürcher Hallenstadion sein legendäres «Monsterkonzert». Weil die Jugendlichen nach dem Konzert die Halle offenbar zu wenig schnell räumen, stürzen über 100 Polizisten hinein und treiben die Menge mit Knüppeln ins Freie. Es kommt zu Ausschreitungen, die sich zum Teil in die Innenstadt verlagern und bis in die Morgenstunden dauern.

29. Juni

Über 2000 Jugendliche demonstrieren vor dem leer stehenden Gebäude des Warenhaus Globus beim Zürcher Hauptbahnhof, nachdem der Stadtrat entschieden hat, dieses nicht als Ort für ein Autonomes Jugendzentrum (AJZ) zur Verfügung zu stellen. Die Situation eskaliert, die Polizei geht mit Knüppeln auf die Demonstranten los. Diese werfen wiederum mit Flaschen und Steinen, was zu zahlreichen Verletzungen führt. Die sogenannten Globus-Krawalle gelten heute als Auftakt der Jugendunruhen in der Schweiz.

6. Juli

Als Reaktion auf die Krawalle in Zürich organisieren Jugendliche in Biel eine Demonstration, um die Solidarität mit der Zürcher AJZ-Bewegung zu bekunden und die Freilassung der Inhaftierten zu fordern. Rund 200 Personen nehmen an dem Anlass teil. Dort wurde auch erstmals die Forderung nach einem Bieler AJZ gestellt.

25. Juli

Papst Paul VI. stellt der Welt seine Enzyklika «Humanae Vitae» vor. Darin erklärt er die sexuelle Verhütung zur Sünde und spricht damit auch ein Verbot gegen die sich in den 60er-Jahren etablierte Anti-Baby-Pille aus. Diese Bekanntgabe lösten heftige Kritik und Unruhen in der katholischen Glaubensgemeinschaft aus, da bereits viele Ehepaare die Pille als Verhütungsmittel einsetzten.

21. August

Truppen des Warschauer Pakts marschieren in Prag, der Hauptstadt der damaligen Tschechslowakei, ein. Unbewaffnete Bürger umstellen vor dem Rundfunkgebäude die Panzer, um für die Freiheit zu demonstrieren. Daraufhin kommt es zu einem Massaker, der zivile Aufstand wird blutig niedergeschlagen, der Parteichef Dubcek und seine Mitstreiter werden festgenommen und dem Geheimdienst übergeben. Das Datum gilt als Ende des «Prager Frühlings» und der Reformära, die imFrühjahr 1968 ins Rollen kam. Jat

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«Man stelle sich das mal vor: ein Jeans-Verbot!»

Renato «Böbu» Maurer ist eines der Chessu-Urgesteine und hat die Ursprünge des Autonomen Jugendzentrums (AJZ) in Biel dokumentiert. 1968 war er erst zwölf Jahre alt. Doch die Umbrüche und Ideen von damals haben sein späteres Leben geprägt.

Renato Maurer, als das Jahr 1968 anbrach, waren Sie noch in der Volksschule. Haben Sie überhaupt etwas mitbekommen von den Umbrüchen, den Demos, dem Krieg?

Renato Maurer: Natürlich. Besonders der Vietnam-Krieg und die Ereignisse in der damaligen Tschechoslowakei waren bei uns zuhause ein grosses Thema. Ich habe öfters abends die Tagesschau geschaut, und die Bilder, die da gezeigt wurden, waren schockierend. Das hat mich dann auch sehr beschäftigt, und oft bin ich hinterher noch eine Stunde mit meinen Eltern zusammengesessen, um darüber zu reden.

Über was genau?

Ich wollte wissen, warum die einander umbringen, was der Sinn dieses Krieges ist, warum man sich gegenseitig solche schlimmen Dinge antut. Man muss sehen, ich war noch ein Kind, ich habe das alles noch nicht richtig verstanden. Was mein Weltbild aber am meisten ins Wanken gebracht hat, war die Rolle der USA.

Weshalb?

Amerika, das war damals eine Art Vorbild für alle Länder. Zu realisieren, dass das die sind, die diesen Krieg in Vietnam führen – das hat bei mir alles auf den Kopf gestellt. Und nicht nur bei mir. Dieser Krieg war ja der Ursprung für viele der Aufstände, die 1968 stattfanden. Für die Forderung nach Frieden, Pazifismus, Antimperialismus. Gemischt mit den Gefühlen aus dem Alltag, dem Wunsch nach mehr Freiraum, der Befreiung aus sozialen Zwängen. Das war auch bei der Demo 1968 in Biel der Fall, wo erstmals die Forderung nach einem Autonomen Jugendzentrum (AJZ) gestellt wurde. Zuerst wollte man einfach für den Frieden demonstrieren. Das mit dem AJZ war gar nicht vorgesehen und kam nur dazu, weil eine Woche zuvor in Zürich diese Krawalle stattfanden und dort ein AJZ gefordert wurde.

Der Wunsch nach Frieden auf Erden und der Wunsch nach mehr persönlichem Freiraum wurden also in direkten Zusammenhang gestellt?

In gewisser Weise schon. Ich meine, wir haben uns damals auch keine Illusionen gemacht. Wir wussten ja, dass die amerikanischen Generäle den Krieg nicht beenden, nur weil wir hier in der Schweiz demonstrieren. Der Frieden war für uns mehr das Endziel. Eines, das nur erreicht werden kann, wenn man viele kleine Veränderungen erwirkt. Und dazu gehörte eben der persönliche Freiraum, mehr Selbstbestimmung. Dafür haben wir gekämpft, auch wenn wir nicht wussten, ob wir damit erfolgreich sein werden. Wir liessen uns einfach von dieser weltweiten Umbruchsstimmung anstecken.

Dann waren die Jugendunruhen also eher etwas, das auf die Schweiz übergeschwappt ist?

Es war eine Kettenreaktion. Als man das AJZ forderte, wusste man ja auch nicht genau, was das eigentlich sein soll. Man stellte sich einfach einen Ort vor, an den man als Jugendlicher hingehen und so sein kann, wie man will.

Konnte man das denn bisher nicht? So sein, wie man wollte?

Das kann man sich aus heutiger Perspektive kaum mehr vorstellen. Aber der soziale Druck war zu dieser Zeit enorm. Es gab klare Vorstellungen davon, wie man sich in gewissen Situationen zu verhalten und auch zu kleiden hatte. So zum Beispiel in der Schule. Ich kann mich noch an meinen ersten Schultag am Gymnasium Alpenstrasse erinnern. Das war im Sommer 1969. Als ich mit meinen Kollegen bei der Schule ankam, hatten sich zahlreiche Schüler vor dem Eingang versammelt und lautstark demonstriert. Wir Neulinge wussten nicht, was das soll, hatten sogar ein wenig Angst. Später erfuhr ich, dass die Schüler sich für einen Maturanden eingesetzt hatten, der im Schuljahr davor kurz vor dem Abschluss aus dem Gymer geflogen war, «wegen wiederholtem Verstoss gegen das Jeans-Verbot». Man stelle sich das mal vor: ein Jeans-Verbot!

Also ging es darum, dass man sich kleiden kann, wie man will?

Nicht nur. Es ging darum, dass man rumlaufen kann, wie man will, mit wem man will und wann man will. Das Jeans-Verbot war eine Sache. Aber bei uns Jungen war zum Beispiel auch die Frisur ein Problem. In Biel gab es damals nur eine handvoll Beizen, in die man rein durfte, wenn die Haare länger als ein paar Zentimeter waren. Tat man es trotzdem, kam sofort der Wirt und sagte: Geht raus, ich will hier kein linkes Pack! Man wurde gleich abgestempelt. Obwohl die meisten ihre Haare länger trugen, weil sie es modisch fanden und nicht aus politischen Gründen.

Auf die Forderung nach einem AJZ folgten Diskussionen mit den Behörden, die Suche nach einem Standort und schliesslich der Umbau des Chessus. In dieser Zeit waren auch Sie als Jugendlicher im AJZ engagiert. Hatte man das erreicht, was man wollte?

Ich denke schon. Das zeigte sich schon darin, dass sich während der Bauzeit jedes Wochenende ein paar Jugendliche auf dem Gaswerkareal zusammenfanden und mithalfen, dieses AJZ aufzubauen. Ich selbst hatte nichts mit Bauen am Hut. Trotzdem hat mich  ein Schulfreund mitgeschleppt und ich war sofort hin und weg. Die Stimmung, die da herrschte, zusammen zu werken und dann um Mitternacht, nach getaner Arbeit, ein Feuer zu machen – das war einfach das Geilste für uns. Aber wir machten uns keine Illusionen. Wir waren überzeugt, dass es, wenn der Chessu dann mal eröffnet ist, ganz schnell zu Problemen kommen wird. Hätte uns damals jemand erzählt, dass das AJZ einmal ein 50-Jahr-Jubiläum feiert, das hätte einen Lachkrampf ausgelöst. Wir waren viel mehr auf die Gegenwart ausgerichtet.

Trotzdem gibt es das AJZ bis heute. Und auch die Strukturen sind mehr oder weniger erhalten geblieben. Kann man sagen, dass der 68er-Geist im Chessu weiterlebt?

Der erste Punkt im ursprünglichen Manifest des AJZ lautet: Das AJZ ist offen für alle. Auch wenn sich der Chessu in den letzten Jahrzehnten extrem verändert hat, glaube ich, dass dieser Grundgedanke von 1968 aufrechterhalten blieb. Das AJZ ist immer noch ein Ort, an dem Menschen unabhängig ihrer Herkunft und ihrer Vorlieben friedlich zusammen Zeit verbringen können. Ein Ort, an dem sich jeder einbringen und dank dem System der regelmässigen Vollversammlungen auch mitbestimmen kann. Interview: Jana Tálos

Stichwörter: 1968, Jubiläum, AJZ

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