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„Krawattenzwang“

Ja, ich bin ein Vereinsbünzli

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Ja, ich bin ein Vereinsbünzli.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Ja, ich bin ein Vereinsbünzli. Oder – für mich etwas positiver ausgedrückt: Ich bin einer, der Vereinsaktivitäten schätzt und würdigt.

Jeweils in den ersten Wochen des Jahres flattert Post ins Haus von Absendern, mit denen man während dem Rest des Jahres nicht immer im regelmässigen Kontakt steht: In den Vereinen werden Präsidien, Sekretariate und Kassiere aktiv, um die Mitglieder zu Generalversammlungen einzuladen und um die Jahresrechnungen zu verschicken. Aktuell ist GV-Hochsaison.

Viele Mitgliedschaften sind’s bei mir nicht. Sportvereine aus der Jugend oder in Vereinen zusammengeschlossene Zweckgemeinschaften sind verblieben. Man nimmt die Termine zur Kenntnis, prüft die Agenda und geht hin. Oder entschuldigt sich. Das ist man der Vereinsführung schuldig, das ist Anstand. Viel wichtiger ist dazu aber, dass man sich zu „seinem“ Verein bekennt, auch wenn man unter Umständen nicht zu den fleissigsten Teilnehmenden zählt.

Vereine gehören auch heute noch zu den wichtigsten sozialen Organisationen. Ein gemeinsames Ziel und ein gemeinsamer Zweck sind für viele Motivation genug, um sich (weitgehend) ehrenamtlich zu engagieren. Die Rechtsform Verein eignet sich dafür hervorragend, bietet sie doch Schutz und Grenzen vor Missbrauch, erfordert eine übersichtliche Organisation und ermöglicht gleichzeitig viele Freiheiten bei der Umsetzung. Viele Menschen engagieren sich und erleben dabei positive Momente. Diese Vereinsmitglieder gilt es speziell zu erwähnen. Ihnen gilt der Dank. Und sicher nicht Spott: Wer nichts mit dem Vereinswesen anfangen kann, soll sich anderweitig engagieren. Er soll sich raushalten und die Aktivitäten von anderen nicht qualifizieren oder gar disqualifizieren. Eine Mitgliedschaft ist immer freiwillig. Freiwillig kann man auch Nicht-Mitglied sein.

Da ist dann noch die Sache mit den Finanzen. Vereine leben meist von den Mitgliederbeiträgen. Je aktiver das Geschehen, umso grösser sind die Aufwände. Die in den meisten Vereinen steigenden Mitgliederbeiträge sind häufig ein Diskussionspunkt. Sehr emotional werden dann das Dafür und das Dagegen abgewogen. Gerade in Sportvereinen, in welchen etwas ambitioniertere Resultate angestrebt werden, hat das Prinzip der Ehrenamtlichkeit längst seine Grenzen erreicht. Da bin ich klar der Meinung, dass Lösungen mit bezahlten Leitern und Trainern ein gangbarer Weg sind. Reich wird dabei in der Regel niemand, ein geordneter und qualitativ hochstehender Trainingsbetrieb ist aber garantiert. Für diejenigen, die dagegen sind, gilt es abzuwägen: Nutze ich die (guten) Bedingungen und sage ja dazu – auch zum Preis. Oder lasse ich es sein. Denn, wie gesagt: Eine Mitgliedschaft ist immer freiwillig.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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