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Seeland

Im Einsatz für den Eisvogel

In Lyss ist gestern der Start für ein Hochwasserschutzprojekt an der Alten Aare erfolgt. Mit der Umsetzung entsteht auch das grösste Auenschutzgebiet des Landes.

copyright:peter samuel jaggi/bieler tagblatt

Deborah Balmer

Entlang der Alten Aare zwischen Lyss und Büren sieht es derzeit aus, als hätte der Windsturm Lothar erneut gewütet. Und das in einem Naturschutzgebiet, in dem man sonst nicht einmal eine Blume pflücken darf. Grund sind Rodungsarbeiten im Vorfeld des rund 23-Millionen-Franken teuren Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts Alte Aare. Insgesamt wurden dafür auf einer Fläche von 19 Hektaren Bäume gefällt – Wald, der wieder aufgeforstet wird. 

Gestern ist nun beim Industriering an der Alten Aare in Lyss der Startschuss für dieses aktuell grösste Revitalisierungsprojekt der Schweiz gefallen. Mit der Umsetzung der Hochwasserschutzmassnahmen wird auch die Natur gebührend berücksichtigt.

Griff zur goldenen Schaufel

Mit dem Spatenstich beginnen die beiden wichtigen Bauetappen Schwadernaugrien und Busswil- Worben. Dafür griff Barbara Egger-Jenzer (SP), die Direktorin der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, zur goldenen Schaufel. «Wir beginnen nun mit der Umsetzung wichtiger Massnahmen an der Alten Aare. Damit legen wir die Basis für einen Hochwasserschutz in der Region Lyss, der für alle funktioniert», sagte sie. Geplant sind unter anderem neue Hochwasserschutzdämme, die Reaktivierung von Seitenarmen und das Erschliessen von Überflutungsflächen.

Tatkräftig unterstützt wurde die Baudirektorin von Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), und Hermann Käser, dem Präsidenten des Wasserbauverbandes Alte Aare. Dem Spatenstich wohnten rund 80 Interessierte bei – darunter Vertreter der Burgergemeinden, lokale und kantonale Politiker.

Egger-Jenzer sagte spasseshalber, sie habe in ihrer Karriere als Regierungsrätin mehr Schaufeln als Radiergummis in der Hand gehalten. «Am meisten Freude machen mir aber Renaturierungsprojekte.» Dem Projekt zwischen Lyss und Büren falle aus folgendem Grund eine grosse Bedeutung zu: Hier entstehe das grösste Auenschutzgebiet der Schweiz. Ziel ist es, dass hier nach Fertigstellung in vier Jahren Eisvögel leben, Kiesbänke als Laichgebiete für Fische herhalten und Tümpel den Fröschen einen Lebensraum geben.

Egger-Jenzer nannte denn auch die Vorteile des modernen Hochwasserschutzes: Mit dem Projekt «Alte Aare» schütze man Menschen und wichtige Infrastrukturen vor dem Hochwasser. «Wir tun das einerseits mit harten Massnahmen wie Dämmen, andererseits aber mit einer cleveren ‹weichen› Ufergestaltung, die der Natur abgeschaut ist.» Man gebe aber auch den Pflanzen und Tieren den Lebensraum zurück.

Gleichzeitig bekommen laut Egger-Jenzer mit der natürlichen Wasserlandschaft auch die Menschen mehr Platz: durch neue Spazierwege und grüne Freizeit-Oasen. «Weiter helfen uns moderne Hochwasserschutzmassnahmen beim Sparen», so die Baudirektorin. Josef Hess vom Bafu erläuterte die gute Wirtschaftlichkeit des Projektes: einen Franken Investitionskosten vermindert das Hochwasserrisiko um vier Franken. «Dabei ist der Nutzen für die Natur noch gar nicht in Franken ausgedrückt», sagte er.

Nicht unerwähnt blieben die Hochwasser von 2006 und 2007, die Lyss besonders hart trafen. Mit ein Grund für die Überschwemmungen war damals die Alte Aare. Denn die kann nicht so viel Wasser fassen, wie sie eigentlich sollte. Deshalb kommt es bei ungewöhnlich grossen Wassermengen zu einem Rückstau, das Wasser fliesst wieder zurück. «Mit der Zeit ist deshalb klar geworden», so Egger-Jenzer, «dass es an der Alten Aare Massnahmen braucht.» Allein im Jahr 2007 entstanden in Lyss Schäden von rund 100 Millionen Franken.

Entstanden nach Umleitung

Bereits heute hat das Altwassergebiet nationale Bedeutung. Allerdings entspricht die Vegetation nicht überall einem Auengebiet. Entstanden ist das Gebiet mit dem Bau des Hagneckkanals vor 130 Jahren, als die Aare in den Bielersee umgeleitet wurde.

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Infobox: Zahlen zum Projekt

Im Juli 2013 genehmigte der Grosse Rat die Planung des Projekts Hochwasserschutz und Revitalisierung Alte Aare.

Im März 2015 fanden erste Bauarbeiten im Gebiet Studengrien statt. Gestern erfolgte der Spatenstich für die Projekte im Schwadernaugrien und zwischen Busswil und Worben.

Im Frühling 2020 sollen alle Baumassnahmen umgesetzt sein.

Bis 2022 sollen weitere Waldbaumassnahmen und Spazierwege realisiert werden.

Das Projekt kostet rund 23 Millionen Franken. Der Bund zahlt 63 Prozent, der Kanton Bern übernimmt 30 Prozent. bal

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