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Ausgewandert

Good Morning, Philippines!

Morgenstund‘ hat Gold im Mund! Nun ja, es muss ja nicht jede Redewendung überall und für jeden richtig sein.

Daniel Monnin, Sportjournalist auf den Philippinen
  • Dossier

Meine Morgenstunde, glauben Sie mir, hat wenig Goldiges in sich – vielleicht höchstens das Gelbe im Ei, das unweit meines Schlafzimmerfensters produziert wird. Gerne nehme ich Sie auf eine Reise am frühen Morgen mit. 3.30/4 Uhr: Die rund 25 Güggle in der näheren Umgebung meines Hauses – vor allem jene 10 meines äusserst anständigen, netten und rücksichtsvollen Nachbarn zur Linken, auf der «Schlafzimmerseite» – rüsten zum Morgengebet. Sagt der eine «guten Morgen», fallen bald alle ins nerv- und schlaftötende, grässliche Konzert ein. Es «giggergiiiit» links und rechts, einer lauter als der andere. Das weckt natürlich die Hühner – auch sie keine fünf Meter von meinem Schlafzimmer entfernt, sie gackern ebenfalls um die Wette. Das wiederum ruft die Hunde auf den Plan, die im Morgengebet kläffend und ebenso nervtötend mitreden wollen. Der Nachbar zur Linken hat deren fünf, jeder davon ein Weltmeister im idiotischen Kläffen. Und weil sie auch noch ein Wörtchen mitreden möchten, teilen mir meine Katzen – äusserst liebenswürdige und wundervolle Tiere – auf nette Weise mit, dass jetzt – da ja auch sie geweckt wurden – der Magen knurrt.

Längst bin ich aufgestanden, habe mir einen Kafi genehmigt, eine Zigarette geraucht, die Katzen zufriedengestellt und lese die neusten News aus der Schweiz. Ich sitze draussen auf der Veranda, es ist 4.30 Uhr, das Leben erwacht. Mein Nachbar zur Rechten, Leo, ein echter Kumpel, freundlich, zuvorkommend und immer hilfsbereit, ist am Duschen, ein paar Minuten später brummt der Motor seines Gefährts auf und er fährt zur Arbeit – er ist Trykefahrer, ein Art Taxichauffeur auf drei Rädern. Mittlerweile sind auch seine Frau und sein Baby wach und erzählen sich Geschichten in flotter Lautstärke. Andere Nachbarn, die von Hinten rechts, stimmen ein, man hört das dumpfe Hacken von Holz (das Morgenessen will gekocht werden), die Anzahl Trykes auf der Quartierstrasse nimmt zu. Kurz: Das Leben hat begonnen – und zwischendurch sind auch die «Güggle» wieder aktiv geworden…. Für mich heisst’s – so gegen 5 Uhr – zurück ins Bett, denn die halbe Nacht will noch aufgeholt werden.

Noch ein Wort zu meinem Nachbarn zur Linken: Ein kurzes Gespräch, in dem wir ihm mitgeteilt haben, dass seine Güggle und Hunde uns extrem stören, hat nichts eingebracht. Die schriftliche Beschwerde bei der Quartier-Regierung (der kleinsten politischen Zelle auf der Philippinen) ebenso wenig. Leider hat auch die Politik hier keine Manieren, denn eine Antwort haben wir bisher – nach drei Wochen – immer noch keine erhalten. Aber eben: Man gewöhnt sich an alles. In diesem Sinne: Good Morning, Philippines!

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