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Studen

Fünf Antennen im Dorf sind genug

Im Gassackerquartier will Orange Communications eine Mobilfunkanlage errichten. Gegen das Projekt regt sich Widerstand vonseiten der Bevölkerung. Einsprache erheben will auch die Gemeinde.

Das Bauprofil auf dem Wohnblock steht – und erhitzt die Gemüter der Quartierbewohner. Bild: Heinz Kofmehl

Heinz Kofmehl

Wohnblocks aus den 70er-Jahren und neue Einfamilienhäuser dominieren das Wohnquartier im nördlichen Dorfteil von Studen. Die angrenzende Landwirtschaftszone vermittelt den Bewohnern eine ländliche Atmosphäre. Eine auf dem zweithöchsten Wohnblock mit 20 Mietwohnungen geplante Mobilfunkantenne von Orange Communications SA stört seit Kurzem die Ruhe im Quartier. Die Baupublikation ist erschienen. Das Bauprofil auf dem Dach des fünfgeschossigen Wohnblocks ist gesetzt. Siebeneinhalb Meter würde die Antenne aus dem Flachdach in den Himmel ragen.

 

Breite Front der Ablehnung

Neue Mobilfunkanlagen in der Nachbarschaft sind ungebetene Gäste, auch in Studen. Die Gemeinde ist mit solchen Anlagen schon reich bestückt - fünf Antennen verteilen sich heute über das Gemeindegebiet. Diese Tatsache sowie der vorgesehene Standort für die neue Anlage mitten in einem reinen Wohnquartier erzürnen die Anwohner. Schule und Kindergarten sind weniger als 500 Meter entfernt. Dass die neue Antenne auf einer Liegenschaft zu stehen kommt, welche der Vorsorgestiftung des Spitalzentrums Biel AG gehört, stösst auf weiteres Unverständnis. Da tue sich eine lukrative und bequeme Geldquelle für den Liegenschaftsbesitzer auf, ist die einhellige Meinung in der Nachbarschaft.

Selbst dem Gemeinderat von Studen ist der Kragen geplatzt. Er wird gegen das Bauprojekt, das noch bis zum 21. Juli auf der Gemeindeverwaltung aufliegt, Einsprache erheben. Gemeindepräsident Mario Stegmann wird deutlich: «Es kann nicht sein, dass man jetzt noch eine weitere Antenne hinstellen will - dazu noch in einem Wohnquartier. Die Antenne befindet sich zudem in Reichweite der Schulanlagen. Fünf Antennen im Dorf müssen genügen». Einfach so verhindern könne die Gemeinde die Anlage aber nicht. «Im gültigen Baureglement von 1999 waren Mobilfunkantennen noch kein Thema», so Stegmann. Der Gemeinderat werde aber ausserhalb des Einspracheverfahrens mit Orange und dem Spitalzentrum das Gespräch suchen.

 

«Keine Unterversorgung»

Einsprachen wird es vor allem von Eigenheimbesitzern in der unmittelbaren Umgebung des geplanten Standortes geben. Unisono fürchten sie eine Wertverminderung ihres Einfamilienhauses. Arseli Merino, mit seiner Familie in Steinwurfweite vom neuen Antennenstandort wohnend, nennt einen weiteren Grund. «Die Abdeckung mit den bestehenden Sendeanlagen entlang der Bahn und im Industriegebiet Grien ist genügend. Von einer Unterversorgung kann nicht ausgegangen werden». Auch gäbe es noch keine Beweise, dass elektromagnetische Felder nicht gesundheitsgefährdend sind.

Bei der Vorsorgestiftung Spitalzentrum Biel AG war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Zur Standortwahl in Studen teilt Orange schriftlich mit, dass «Mobilfunkantennen verständlicherweise dort stehen, wo sich die Handybenützer aufhalten, sprich, insbesondere auch in Wohnquartieren». Das jetzt in Studen in Frage kommende Gebäude sei ein geeigneter Standort. Das Gebäude überrage die umliegenden Liegenschaften und erfülle alle Auflagen. Auch diejenigen zum Schutz der Bevölkerung vor der Strahlung der Antennenanlage.

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