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Ein Olympionike abseits der Rennbahn

Die Schweizer Delegation ist mit einer Bronzemedaille von der Internationalen Chemie-Olympiade aus Georgien zurückgekehrt. Dies dank des Erfolgs von Dominic Egger aus Arch. Im Herbst wird der Maturand ein Chemiestudium an der ETH in Angriff nehmen.

Dominic Egger in Basel, wo er während der Sommerferien bei Novartis gearbeitet hat. flü

Hanspeter Flückiger

An der Kantonsschule in Solothurn ist Dominic Egger aus Arch vor knapp einem Jahr auf ein Plakat aufmerksam geworden. Mit diesem wurden Teilnehmer für die Internationale Chemie-Olympiade gesucht, die Ende Juli dieses Jahres in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, über die Bühne ging. Der 18-jährige Maturand nahm teil, und zwar erfolgreich. Er kehrte als einziger der Schweizer Delegation mit einer Bronzemedaille zurück.

Nun sitzt Egger in einer Gartenwirtschaft auf dem Novartis Campus in Basel und sagt: «Das war die schwerste Aufgabe, der ich mich bisher zu stellen hatte.» Er kann sich nicht vorstellen, dass es jemals noch einmal so «schlimm» werden wird. Was etwas heissen will: Nach dem Ende des Ferien-Jobs bei Novartis beginnt er im kommenden Herbst an der ETH Zürich mit dem Chemiestudium.

«Keine familiäre Disposition»

Egger ist fasziniert von der Chemie, von den Naturwissenschaften im Allgemeinen. Erklären kann er sich dies nicht. «Eine familiäre Disposition liegt nicht zwingend vor», sagt Egger und lacht. Der Vater ist von Beruf Schreiner, die Mutter kaufmännische Angestellte. Er kann sich nur erinnern, dass ihn die Chemie schon früh in ihren Bann gezogen hat. Schon als Primarschüler äusserte er als Berufswunsch Chemiker. «Ohne genau zu wissen, was ein Chemiker ist oder tut.» Er begann, diese Welt zu erkunden. Mit Freude, Interesse und Erfolg, so dass es für ihn keine Zweifel gab, sich für die diesjährige Chemie-Olympiade anzumelden.

Als erstes machte er den Online-Test auf der Website des Verbandes (siehe Infobox). Als einer der 50 Besten wurde er Mitte Januar 2016 zur Vor-Qualifikation nach Bern eingeladen. Auch diese Hürde schaffte er. Als einer von zwölf Teilnehmern durfte er im Frühjahr zur Finalwoche an der ETH antreten. Dieses «Trainingslager» endete mit einer theoretischen und praktischen Prüfung um die Schweizer Meisterschaft. Als Erfolgreichster war Egger einer der vier Goldmedaillen-Gewinner. Dieses Quartett machte sich dann auf den Weg nach Tiflis.

Sieben Kilo Schokolade

Im Gepäck hatte Egger sieben Kilogramm Schweizer Schokolade: Ein gutes Mittel zur Förderung zur Völkerverständig. Aus 73 Ländern und von jedem Erdteil waren gegen 300 Olympioniken angereist. Gemeinsam im selben Hotel untergebracht, gab es zu Beginn viel freie Zeit. Diese wurde zum grenzüberschreitenden Köpfe zusammenstecken und für Sightseeing-Touren genutzt. Letztere waren kurzweilig und interessant, erzählt Egger. Insbesondere möchte er aber die Begegnungen mit seinen Mitstreitern nicht missen. Da ist die kollegiale Seite: Es wird lustig sein, stellt er sich vor, sich irgendwo und irgendwann an einem Kongress mit Kollegen zu erinnern: «Weisst du noch, im Juli 2016 in Tiflis…» Aber auch der fachliche Aspekt: Ein Netzwerk mit über 250 ambitionierten Fachleuten pflegen zu können, das schätzt Egger als inspirierend und motivierend ein.

«Das Beste gegeben»

Während die Kandidaten zu Beginn die freie Zeit nutzen konnten, waren ihre Begleitpersonen – einst selbst Teilnehmer – damit beschäftigt, den Wettbewerb vorzubereiten. Unter anderen mussten sie die Prüfungen in die Muttersprache der Teilnehmer übersetzen. Ein anspruchsvoller Job, will man sich dabei doch keinen Lapsus leisten, um den Erfolg nicht von Beginn weg zu mindern. An zwei Tagen galt es dann ernst. Wie ein halbes Jahr zuvor standen eine theoretische und eine praktische Prüfung an. Erstere fragte Fachwissen aus allen Bereichen der Chemie ab. Höhepunkt der dreiteiligen praktischen Prüfung war, anhand von Testreaktionen Aroma- und Duftstoffe zu identifizieren. «Am Schluss der Prüfungen war ich zufrieden, ich wusste, dass ich mein Bestes gegeben habe», sagt Egger. Ein besonderes Bauchgefühl über den Erfolg seiner Arbeiten hatte er aber nicht. Dass diese vorzüglich gelangen, wurde bekannt, als sein Name bei der Bekanntgabe der Bronzemedaillengewinner verlesen wurde.

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Die Chemie-Olympiade

Während Europa durch den Eisernen Vorhang zweigeteilt war, trotzte eine Gruppe tschechoslowakischer, polnischer und ungarischer Lehrer der Grossmacht UdSSR, indem sie einen Wettkampf für ihre Mittelschüler ins Leben riefen. Sie nannten diesen «Internationale Chemie-Olympiade». Der erste Wettkampf fand 1968 in Prag statt. Aus der Schweiz war 1986 eine erste Delegation dabei. Die erste Bronzededaille wurde 1990 gewonnen.

Seit 2006 gehört die Schweiz zu den regelmässigen Gewinnern von bronzenen Auszeichnungen. Für goldene und silberne reichte es aber noch nie. Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen stehen bei diesen Wettbewerben nicht drei Medaillengewinner auf dem Podest, sondern dürfen die Hälfte der Teilnehmer eine solche Auszeichnung entgegennehmen.

Wissenschafts-Olympiaden gibt es auch in Biologie, Geographie, Informatik, Mathematik, Philosophie und Physik. flü

Link: www.olympiads.ch

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