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Aarberg

Die Zukunft der «Krone» ist wieder ungewiss

Der geplante Umbau des Hotel-Restaurants Krone ist zu teuer. Deshalb haben sich die Gemeinde Aarberg und die Burger gegen den Kauf des ehrwürdigen Gebäudes entschieden. Schliessen wird der Betrieb aber noch lange nicht.

In Aarberg wurde spekuliert: Die Besitzer der «Krone», Astrid und Christoph Müller, hatten in den letzten Monaten mit Gerüchten zu kämpfen. Raphael Schaefer/a

Hannah Frei


Eine Aarberger Lösung für die Zukunft des Hotel-Restaurants Krone: Das wünschten sich sowohl die beiden Besitzer Astrid und Christoph Müller als auch Gemeindepräsident Fritz Affolter. Da Müllers die Führung des geschichtsträchtigen Unternehmens bald abgeben wollten, wurde die Arbeitsgruppe «Krone» ins Leben gerufen. Im vergangenen Sommer setzte sie es sich zum Ziel, den Kauf und Umbau der «Krone» zu prüfen, um den Betrieb auch langfristig zu erhalten. Nun haben sich die Burger und die Gemeinde Aarberg jedoch gegen den Kauf der «Krone» entschieden. Zu hoch seien die Investitionen, die für den Umbau und den Kauf des Gebäudes benötigt würden, so Andreas Blank, Vorsitzender der Arbeitsgruppe «Krone». Dies, obwohl dafür bereits ein neues Gastrokonzept und ein Businessplan ausgearbeitet wurden. Ja gar der Beginn der Umbauarbeiten wurde bereits anvisiert: Frühjahr 2020. So wurde dies an der Hauptversammlung des Gewerbevereins Aarberg und Umgebung im März mitgeteilt.


Ein Rattenschwanz an Mehrkosten
Was ist nun schief gelaufen? «Vor der Detailplanung war es schwierig, die Kosten für den Umbau eines solch alten Gebäudes einzuschätzen», sagt Blank. Als dann die Resultate des Architekturbüros, des Fachplaners und der Ingenieure erfolgten, stand für die Gruppe fest: Der Umbau würde massiv mehr kosten als angenommen. Genaue Zahlen will Blank nicht preisgeben. Vor der Detailplanung wurde jedoch von einer Summe um die 9,5 Millionen Franken für den Kauf, den Umbau und die Starthilfe ausgegangen, wie an der Hauptversammlung des Gewerbevereins mitgeteilt wurde.


Vor allem das Verlegen der Küche an einen anderen Standort hätte einen Rattenschwanz an Mehrkosten nach sich gezogen, besonders im Bereich Lüftung und Elektroinstallationen. Man habe zwar versucht, andere Lösungen zu finden, aber dafür sei die Zeit zu knapp gewesen. Seit Anfang Jahr arbeitete die Gruppe an der Detailplanung des Projekts. Die Kosten für diese Planungsarbeit tragen die Einwohner- und die Burgergemeinde.


«Das ganze Planungsteam ist enttäuscht», so Blank. Viel Herzblut und Zeit sei in dieses Projekt geflossen. Eine Aarberger Lösung, in der das Unternehmen mit den bestehenden Hotelzimmern, dem Restaurant und dem «Kronen»-Saal erhalten werden können, sei nun nicht mehr gesichert. «Es wäre schön, wenn doch noch eine solche gefunden werden könnte», sagt Blank. Trotz des ernüchternden Ausgangs des «Krone»-Deals steht für Blank und sein Team fest: «Für uns ist die «Krone» nicht einfach vom Tisch.» Die weitere Suche nach einem Käufer liege nun zwar in der Hand der Familie Müller. Aber falls sich für die Gemeinde und die Burger eine Möglichkeit der Mitwirkung ergäbe, würden diese auch weiterhin Hand bieten. Denkbar wäre beispielsweise, dass bei einem Verkauf an Private die beiden finanzielle Unterstützung leisten und im Gegenzug Mitspracherecht erhalten würden. «Wir schliessen es nicht aus, mit zukünftigen Interessenten zusammenzuarbeiten», sagt Blank. Obwohl aus dem Deal nichts wurde, ist Andreas Blank dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Familie Müller.


Falls die zukünftigen Käufer etwas anderes als den Betrieb des Restaurants und des Hotels planen würden, müsste darüber ohnehin die Bevölkerung abstimmen. Dazu müsste die bauliche Grundordnung abgeändert werden. Zudem steht das Gebäude unter Denkmalschutz.


Müllers schauen nach vorne
Astrid und Christoph Müller, Besitzer und Betreiber des Hotel-Restaurants Krone, sind ebenfalls enttäuscht darüber, dass das Projekt mit den beiden Gemeinden nicht zustande kommt. «Es ist schade, dass keine Aarberger-Lösung gefunden werden konnte», sagt Astrid Müller. Doch gedrückt ist die Stimmung bei den beiden nicht. Sie schauen nach vorne und sind zuversichtlich, dass sich ein Käufer oder eine Käuferin finden wird. «Wir hoffen, dass sich ein Liebhaber meldet», sagt Christoph Müller. Viel wichtiger ist für die beiden nun, dass der Betrieb weiterhin gut läuft. Denn schliessen wird die «Krone» noch lange nicht, wie die beiden sagen. «Wir wollen klarmachen: Der Betrieb der ‹Krone› ist auch weiterhin gesichert», sagt Christoph Müller. Nachdem im Sommer bekannt wurde, dass das Hotel-Restaurant Krone verkauft werden soll, habe die Gerüchteküche in der Gemeinde zu brodeln angefangen. Viele hätten damit gerechnet, dass die «Krone» nun bald schliessen werde. «Es kam soweit, dass manche Gäste extra bei uns vorbeikamen, um ihre Gutscheine noch einzulösen», sagt Astrid Müller. Und auch beim Personal habe die Mitteilung für Unruhe gesorgt. Ein Angestellter habe daraufhin gekündigt. Das Besitzerpaar wünscht sich, dass nun wieder ein wenig Ruhe in der «Krone» einkehrt.


Eilig haben es die beiden mit dem Verkauf jedenfalls nicht. Sie suchen nicht aktiv nach einem Käufer, wie Christoph Müller sagt. Klar würden sie sich immer noch wünschen, dass die «Krone» auch nach einer Übergabe in ihrem Sinne weitergeführt wird. Doch die beiden sind sich bewusst, dass sie den Interessenten nicht reinreden können. Bis dahin werde aber ohnehin noch einige Zeit vergehen. Nun freuen sich die beiden auf die Osterzeit und gute Gespräche mit ihren Gästen, «am liebsten ohne Gerüchte und Spekulationen», sagt Christoph Müller.

 

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Die «Krone»
1233 wurde das Hotel-Restaurant Krone zum ersten Mal erwähnt. Wie dem Buch der Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Aarberg zu entnehmen ist, wurde es jedoch noch früher erbaut. Damals stand es an einem anderen Ort, als Aussenposten des Klosters Frienisberg. Es soll als Lager für die klösterlichen Marktprodukte und als Unterkunft für ranghohe Personen, Pilger und Kaufleute gedient haben. 1349 gelangte der Bau dann in Privatbesitz und wurde in ein Gasthof umgewandelt. Grund für den Umzug ins Aarberger Stedtli waren gemäss dem Band die beiden Stadtbrände von 1419 und 1477, die das Gebäude zerstörten. Erst 1638 ist die heutige «Krone» zum ersten Mal in einem Stadtplan von Aarberg aufgetaucht. 1999 wurden Astrid und Christoph Müller Pächter der «Krone», 2012 kauften und renovierten sie das Gebäude. haf

Stichwörter: Aarberg, Krone, Restaurant, Denkmal

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