Sie sind hier

Abo

Konzert

Die älteste Nachwuchsband des Seelands

Die Band Inplain hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt und ein Album aufgenommen. Heute Abend tauft sie «Driving Home». Dabei wurde die Zeit für die Ü50er mit dem Jüngling an der Gitarre fast noch knapp.

Inplain haben sich mit dem Debütalbum Zeit gelassen.  zvg
  • Audio

Audiobeitrag

Der Song "Devil"

Loading Video...

Tobias Graden

Urs Lippert mag weiche Steine am liebsten. Kalksteine, Sandstein, Marmor. Mit diesen lässt sich gut arbeiten, es ist einfacher, mit ihnen etwas zu gestalten, ihnen neue Gestalt zu geben. Die harten Steine, Marmor etwa, sind schwieriger. Eine Unachtsamkeit, und schon muss man mühsam Kratzer auspolieren, und die Sujets kommen wegen fehlender Kontraste auch weniger gut zur Geltung, sofern man nicht mit Farbe nachhilft.
Ganz anders ist es in der Musik. Der Aegerter Lippert ist nämlich nicht nur Steinbildhauer, sondern auch Musiker. Und da hat es ihm die eher etwas härtere Seite angetan, schon immer. In seiner Jugend, anfang der 80er-Jahre, war er beispielsweise grosser Fan von Kiss. Klar, dass dann die Schülerband-Konzerte auch in voller Montur absolviert wurden, samt ordentlicher Portion Schminke im Gesicht.

Seit 2014 herrscht Ruhe
Das Fangebaren ist natürlich längst erwachsener Abgeklärtheit gewichen, Lippert hat schliesslich die 50 hinter sich und ist damit im Seeländer Rock-Quartett Inplain nicht einmal der älteste Mitstreiter: Gitarrist Tino Schwab ist mit 25 das Bandküken, die restlichen Mitglieder Lippert (Gesang), Jüre Kleine (Bass) und Attila Nemeth (Schlagzeug) sind alle Ü50. Das hat Lippert aber nicht daran gehindert, für den lange gehegten Traum zu kämpfen: «Wir wollten schon immer mal ein eigenes Album in den Händen halten.»
Es war ein langer Weg dahin. Die ersten ernsthaften Bands hatte Lippert anfang 20, viel hat sich daraus nicht ergeben. Dann kamen das Berufsleben (er machte sich bereits mit 25 selbstständig), die Kinder, die Familie, die Musik war lange nicht mehr als ein bisschen Ablenkung, Plausch. Dann kam der Anruf eines Bekannten:Er heirate und suche noch eine Band für die Hochzeit.
Mit Chris Mathys, dem ehemaligen George-Gitarristen, spielte Lippert darauf einige Jahre in der Band, die allerdings «nur»Coverversionen bekannter Hits spielte. «Eigene Sachen hatte ich aber immer im Hinterkopf», erzählt Lippert, diese konkretisierte er dann in der Band Novocain. Das Gefüge war eher instabil: Öfters mal kam es zu Besetzungswechseln, manche Bandmitglieder verkrachten sich, die nötige Ruhe, die zur Realisierung der Ziele nötig war, kehrte erst 2014 ein. Seither spielt die Gruppe, die sich nun Inplain nannte, in gleicher Besetzung zusammen.

Auf die letzte Minute
Aber auch da brauchte es noch einige Efforts, Geduld und auch etwas Gelassenheit. Knapp 30 Songs hatte die Band beisammen, aus denen sie fast die Hälfte für das Album aussuchte. Schlagzeuger Attila Nemeth hat ein kleines Studio, dort konnten Inplain aufnehmen. Der beauftragte Mischer aber liess sich Zeit. Eine erste Version sei nicht zufriedenstellend ausgefallen, sagt Urs Lippert, und zur Deadline im September lag keine neue vor. Der Termin für die Plattentaufe stand aber bereits, die Zeit drängte.
Schliesslich klappte es doch noch. Das Presswerk zeigte sich flexibel und lieferte die CDs gar noch früher als geplant, einen Vertrieb fand man kurzfristig auch noch, so dass die Songs nun zur Album-Veröffentlichung rechtzeitig bei der Suisa angemeldet und auf den einschlägigen Plattformen verfügbar sind. «Wir haben Lehrgeld gezahlt», sagt Urs Lippert, «unser erstes Album ist schon ein bisschen eine Zangengeburt.»

Eine Gitarre föhnt genug
«Driving Home»bietet nun 14 zumeist schnörkellose Hardrock-Songs. Inplain liefern solides Handwerk, eine Erweiterung des Rock-Genres um extravagante Neuerungen war nicht das Ziel. Im Gegenteil. Die Band hatte früher schon mal ein paar Songs zum Abmischen gegeben, was zurückkam, fand sie unpassend: Zahlreiche Overdubs und Chörli waren Inplain zu viel der Spielerei. «Live treten wir auch nur mit einer Gitarre auf», sagt Lippert, «und es föhnt genug.» Also achtete das Quartett darauf, auf der CD nicht überproduziert zu klingen, den Unterschied zwischen Live-Darbietung und Album-Mix nicht zu gross werden zu lassen, auch wenn ab und zu eine zweite Gitarrenspur hörbar ist und der Gesang verstärkt wird.
Als Anlehnung an die Helden der Jugend und den Metal der 80er gemahnt bisweilen der Gesang von Lippert, der bisweilen beachtliche Höhen erklimmt. Inspiration für seine Texte findet Lippert in seinem Alltag, aber auch in Themen, die ihn beschäftigen. So findet sich eine Ode an das Freiheitsgefühl mit der Harley (With My Motorbike»), ein Carpe Diem aus der Einsicht des Grabmalkünstlers in die Endlichkeit des Lebens («This Place»), aber auch ein Text über Kriege und Anschläge («World Of Religious War»).
Illusionen machen sich Inplain keine. «Wenn man in unserem Alter mit dem Debütalbum auftaucht, hat niemand auf einen gewartet», sagt Lippert, «wir sind gewissermassen die älteste Nachwuchsband des Seelands.»Aber ein paar Konzerte auf anderen Bühnen würde die Band gerne spielen. Lippert: «Das Eröffnungskonzert an der diesjährigen Braderie hat Lust auf mehr gemacht.»

Info: Inplain: «Driving Home» (Fontastix). Plattentaufe am Freitagabend, 8. Dezember, in der Kufa, Lyss.

* * * * *

Drei Alben zu gewinnen
- Das BT verlost drei Exemplare des Albums «Driving Home» von Inplain.
- Aus allen E-Mails, die bis Montagabend (11.12.) 24 Uhr eingehen, werden die drei Gewinnerinnen und Gewinner am Dienstagmorgen ausgelost. Die CDs werden darauf per Post versandt.
- Teilnahme an die Adresse tgraden@bielertagblatt.ch, Vermerk «Inplain» mit Angabe der Postadresse tg

Stichwörter: Rock, Kufa, Konzert, Band, Inplain

Nachrichten zu Seeland »