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Erlach

Das Werk ist vollendet

Mit dem Abfüllen des neuen Jahrgangs schliesst sich ein Kreis: Die Winzer haben ihre Arbeit getan, der Wein gelangt auf den Markt. Für Beat Giauque aus Erlach ist das Abfüllen einer der schönsten Momente in seinem Arbeitsjahr.

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von Carmen Stalder


Der Lärm ist durchdringend. Ein Klirren und Zischen, ein Pusten und Pressen. So laut, dass die Mitarbeiter Ohrstöpsel tragen. Drei Tage lang läuft die Abfüllmaschine auf Hochbetrieb, pumpt pro Stunde 1500 Liter Wein in grüne Glasflaschen. Immer überwacht durch den Kontrollblick von Beat Giauque – denn jetzt darf nichts mehr schiefgehen.

Geht es um die Lage seines Weinkellers, ist der 56-jährige Beat Giauque der König aller Winzer am Bielersee. Er ist der Pächter des Rebgutes Schloss Erlach, das dem Kanton Bern gehört. Und residiert dadurch hoch oben im Schloss von Erlach, mit Blick auf Chasseral und St. Petersinsel.


Sie hat die Flaschen im Griff

In seinem Keller hat Giauque nichts von dieser Aussicht. Im fensterlosen Raum stehen die Holzfässer dicht beieinander. Aus den Fässern, die mit Chasselas gefüllt sind, ragen rote Schläuche. Durch diese gelangt der Wein in einen Filter, in dem die letzten Trubstoffe hängen bleiben. Ausserdem wird dem Wein Kohlensäure beigefügt, die während der Filtration verloren geht.

Nach diesem letzten Eingriff ist der Wein bereit für das Abfüllen. Mit einer Pumpe wird er zur Abfüllmaschine geleitet. Die Maschine erledigt ihre Arbeit fast von alleine – doch ein paar helfende Hände sind dennoch nötig. So stellt Rosmarie Liechti, eine langjährige Helferin von Giauque, die leeren Flaschen auf das Förderband. Eine Arbeit, die es in sich hat: «Das geht ziemlich in die Arme», sagt Liechti – und langt nach den nächsten Flaschen auf dem Palett.


Drehverschluss oder Zapfen?

Einmal auf dem Förderband, werden die Flaschen mit einem Vakuumfüller mit Wein gefüllt. Sobald ein Unterdruck entsteht, sprudelt der Wein aus den Rohren. Das Füllen einer Flasche dauert dabei nur wenige Sekunden. Giauque hat zuvor die exakte Füllhöhe eingestellt, damit auch jede Flasche gleich voll ist.

Danach geht die Reise auf dem Förderband weiter, als nächstes wird den Flaschen der Deckel aufgesetzt. Wieso Deckel mit Drehverschluss und nicht Zapfen aus Kork? «Bei jungen und frischen Weissweinen eignet sich der Drehverschluss besser, da dieser keinen Korkgeschmack hinterlässt. Bei Weinen, die noch reifen – wie etwa dem Pinot noir – eignen sich hingegen Zapfen gut», erklärt Giauque.

Heute herrscht schon fast ein Glaubenskrieg «Kork versus Drehverschluss». Die Idee, dass es sich bei Flaschen mit Drehverschluss um billigen Wein handelt, ist weit verbreitet. Dabei sagt der Verschluss an sich noch nichts über die Qualität des Inhalts aus. Klar ist: Durch den Drehverschluss fällt die Zeremonie des Entkorkens weg – und manche wollen darauf nicht verzichten.


Von Hand leimen ist passé

Doch zurück in den Keller von Giauque. Die Deckel werden von der Maschine auf die Flaschen gesetzt und fixiert. Beim Nachfüllen der dünnen Aludeckel ist Fingerspitzengefühl gefragt: «Mit den Deckeln sollte man vorsichtig umgehen. Gibt es eine Delle, bleiben sie stecken», sagt Ursula Giauque, die Frau des Winzers. In diesem Fall bleibt die Maschine automatisch stehen, bis Giauque den Fehler behoben hat.

Am Ende des Förderbands braucht es wieder helfende Hände: Hier steht der Mitarbeiter Willi Bigler und legt die vollen Flaschen vorsichtig in einen grossen Metallwagen. Noch sind die Flaschen nackt: Die Etikettierung übernimmt später eine andere Maschine. Das bedeutet: Noch einmal müssen alle Flaschen – insgesamt werden zwischen 15000 und 18000 Liter abgefüllt – in die Hand genommen und auf ein Förderband gelegt werden. Doch Ursula Giauque will sich nicht beschweren. «Früher haben wir das noch von Hand und mit einem Leimtopf gemacht. Da musste man immer aufpassen, um keine Sauerei zu machen.»

In den nächsten drei Wochen muss der Wein ruhen. «Durch das Abfüllen wurde er ganz schön durchgeschüttelt», sagt Giauque. Ab dem 22. April öffnet der Winzer dann jeden Samstagmorgen seinen Keller und der neue Jahrgang steht zum Verkauf bereit.

Giauque ist zufrieden mit dem 2016er. Gerade der Weisswein sei frisch und spritzig. So gehört denn das Abfüllen für ihn auch zu einem sehr befriedigenden Moment. «Jetzt zeigt sich das Resultat der Arbeit eines ganzen Jahres.» Am besten sei es aber, wenn der Wein den Kunden genauso gut gefalle wie ihm selbst.

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