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Lyss

Das Hochhaus kommt gut an

Rund 80 Mitwirkungen sind bei der Gemeinde Lyss zum Projekt «neues Seeland Center» eingegangen. Die Ortsparteien sind voll des Lobes für das geplante Hochhaus mitten im Zentrum.

Einzig in der Parkplatz-Frage für das geplante Hochhaus sind sich die Lysser Parteien nicht einig. Das Projekt an sich stösst aber auf Zustimmung. Grafik: zvg

von Andrea Butorin


Bis zum 23. Dezember konnten alle Lysserinnen und Lysser ihre Meinung zum Projekt «neues Seeland Center» kundtun, dessen Kernstück ein Hochhaus von 60 Metern Höhe ist. Das wurde rege genutzt:Bei der Gemeinde sind rund 80 Eingaben eingereicht worden. Beteiligt haben sich sechs Ortsparteien, zwei Vereine, vier Unternehmen und 69 Privatpersonen, davon zehn aus der unmittelbaren Nachbarschaft.
Zum Inhalt der Mitwirkungen können die Gemeindevertreter noch keine Auskunft geben. Doch das BT hat die Stellungnahmen der Parteien BDP, FDP, GLP, Grüne, SP und SVP sowie von Gewerbeverein und Ladengruppe bereits eingeholt. Diese zeigen:Die Idee, im Lysser Zentrum ein Hochhaus zu bauen, findet generell Anklang. Der geplante Standort etwa befinden alle als geeignet.

«Bereicherung für das Dorf»
«Der Gewerbeverein und die Ladengruppe stehen diesem Projekt wohlwollend gegenüber», schreibt Adrian Aebi, Präsident des Lysser Gewerbevereins. Der Standort sei der richtige. «Jede Massnahme, die das Zentrum attraktiviert und belebt, ist für Lyss gut.» Was den Bau betrifft, so hoffen die beiden Vereinigungen, dass einerseits das lokale Gewerbe soweit möglich berücksichtigt wird und dass andererseits während der Bauzeit der Zugang zu den bestehenden Geschäften stets gewährleistet wird.
Die EVP findet das Projekt «eine Bereicherung für das Dorf». Ein Hochhaus wirke gegen den Landverschleiss, fördere die Aufwertung des Zentrums und verschaffe dem Ortskern mehr Gewicht. Auch die SP spricht von einem «sehr attraktiven Projekt». Die Gestaltung des Aussenraums sowie der Ersatz des Wohnblocks am Juraweg 10/12 sei ein Gewinn. Für die FDP ist vor allem die geplante Flanierzone sowie die Fussgängerpassage ein grosser Mehrwert. «Das geplante Konzept ist eine Chance, das Dorfzentrum zu beleben und attraktiver zu machen», schreibt die Partei.
Viele argumentieren mit dem Schlagwort der Verdichtung: «Verdichtung ist das Gebot der Stunde», schreibt die GLP. Um eine weitere Zersiedelung zu verhindern, sei eine Verdichtung im Ortskern zwingend notwendig, befindet die VCS Regionalgruppe Biel. Ein Hochhaus verdichte und schaffe gleichzeitig auf vorbildliche Art mehr Grünfläche. Ihre Bedingung:Verdichtung dürfe nicht zu mehr Verkehr führen. Die GLP fügt an: «Es muss aber Augenmass bewahrt werden, damit Lyss nicht zu einer monotonen Hochhaussiedlung verkommt».
Die SVP, die sich ebenfalls für das Projekt ausspricht, schreibt, die Planung von Hochhaus-Projekten müsse kritisch begleitet werden, damit sich diese gut ins Ortsbild integrieren lassen. Die BDP lobt die «offene Gestaltung mit attraktivem Charakter», fragt sich aber, ob 15 Stockwerke anstatt deren geplanten 20 nicht ausreichen würden.

Uneinigkeit bei Parkplätzen
In der Parkplatz-Frage bestehen zwischen den Mitwirkenden die grössten Differenzen. Vorgesehen ist, dass die Parkplätze für die Hochhaus-Bewohner allesamt in der bestehenden Einstellhalle des Centers zu stehen kommen, zudem sind 13 oberirdische Parkplätze geplant. «Soll das Zentrum wieder Anziehungs- und Treffpunkt werden, braucht es genügend Parkplätze», finden Gewerbeverein und Ladengruppe. «Die Anzahl Parkplätze muss unbedingt noch erhöht werden», schreibt Kathrin Hayoz, Präsidentin der FDP, im Namen ihrer Partei.
Der VCS dagegen befürwortet, dass die geplante Anzahl Parkplätze unter dem gesetzlichen Minimum liegt. Er plädiert dafür, beim Hochhaus autoarmes bis autofreies Wohnen anzustreben. Das würde auch die GLP befürworten. Sie findet zudem, wie auch SP und Grüne, dass sämtliche Parkplätze ausschliesslich unterirdisch gebaut werden sollten.
Die BDP fragt in ihrer Eingabe, ob die bestehende Zufahrt in die Einstellhalle ausreicht, oder ob eine zweite Einfahrt oder gar eine Verbindung zur UBS-Einstellhalle eine Idee sein könnte. VCS und Grüne warnen, dass die Einfahrt in die Tiefgarage die Sicherheit auf dem neu geplanten Vorplatz gefährden könnte.
 

Eine zentrale Verwaltung?
Dass für diesen Vorplatz das Büchler-Haus abgerissen werden muss, finden SP und GLP zwar bedauerlich. Doch mit dem Vorplatz und dem neuen Durchgang im Seeland Center werde ein deutlicher Mehrwert geschaffen, schreibt die GLP. Die Grünen sind der Meinung, das Hochhaus müsse unbedingt einen Mix von grösseren und kleineren Wohnungseinheiten bieten, Wohnen im Alter müsse ebenso berücksichtigt werden wie im Einpersonenhaushalt.
Grüne und Grünliberale weisen auf das Solarpotenzial des Hochhauses hin. Die GLP bedauert zudem, dass die Erstellung eines sogenannten Passivhauses, welches aufgrund seiner Bauweise keine Heizung benötigt, bislang kein Thema gewesen sei.
Das Erscheinungsbild des Hochhauses wird als für gut befunden. Es sei schwierig, sich vorzustellen, wie hoch der Bau wird. «Aber wir sind zuversichtlich, dass bei der Fassadengestaltung eine gute Lösung gefunden wird», so die SVP. Die BDP könnte sich sogar eine «modernere Erscheinung» vorstellen. Sie wünscht sich – wie auch die GLP – eine öffentliche Nutzung des Dachgeschosses, etwa in Form eines Restaurants.
SP und SVP schlagen vor, dass die Gemeinde die Option einer zentralen Gemeindeverwaltung in den unteren Stockwerken prüfen soll. Während die GLP auf die Erdbebensicherheit von Hochhäusern aufmerksam macht, ist gemäss SVP darauf zu achten, dass für die Lysser Feuerwehr keine zusätzlichen Kosten entstehen. Anfang März wird der Gemeinderat seine Folgerungen aus der Mitwirkung ziehen und das weitere Vorgehen beschliessen.
 

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«Kein Tower» in Lyss gewünscht

Das Hochhaus-Projekt erntete im Rahmen der Mitwirkung nicht nur Lob. Auch der Lysser Beat Luginbühl hat dem BT seine Stellungnahme zukommen lassen. Er sagt grundsätzlich Ja zur Verdichtung. «Aber nicht im geplanten Umfang. Kein Grössenwahn-Projekt wie das Vorgestellte!» Als ehemaliger Amtsvorsteher des Betreibungsamts Nidau habe er überdurchschnittlich oft mit Bewohnern des Weidteilequartiers zu tun gehabt. Luginbühl fürchtet, dass das geplante Hochhaus in Lyss ebenso viele soziale Probleme mit sich ziehen könnte. Der Abriss des Büchler-Hauses und das Hochhaus könnten eine Präjudiz schaffen, so dass an der Bielstrasse weitere Häuser durch Hochhäuser ersetzt werden, was für Luginbühl eine Fehlentwicklung wäre. «Kein Tower», lautet sein Fazit.

Stichwörter: Hochhaus Lyss, Mitwirkung

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