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Heil- und Esspflanzen

Auf der Suche nach der Apotheke in den Rebbergen

In den Rebbergen oberhalb des Bielersees wachsen zahlreiche Pflanzen, die die Küche bereichern und Krankheiten lindern. Der pensionierte Bieler Gymnasiallehrer Hans Matter stellt 14 Pflanzen vor, die häufig vorkommen.

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Lotti Teuscher

Für BT-Leser ist Hans Matter kein Unbekannter: Er kartografiert die Pflanzen am Jura-Südfuss, rund 120 Arten hat er bisher entdeckt. Seltene Pflanzen hat er in einem Brennpunkt im letzten Sommer vorgestellt (13. Juli 2016, «Suche nach unscheinbaren Kostbarkeiten»). Für den pensionierten Gymnasiallehrer beginnt die Suche nach Raritäten pardoxerweise im November – im Spätherbst, wenn das Leben der Pflanzen erloschen scheint. Doch zu diesem Zeitpunkt bilden die Orchideen Blattrosetten: Weil die übrige Vegetation bereits im Winterschlaf ist, sind die Rosetten gut sichtbar.

Heute ist Hans Matter allerdings nicht unterwegs, um Pflanzen zu bestimmen. Er stellt Heil- und essbare Pflanzen vor, die so häufig sind, dass sie geerntet werden dürfen. 13 befinden sich auf kleinem Raum im Bereich des Schiessstandes oberhalb von Lüscherz-Alfermee – mit einer Ausnahme: Pflanze Nummer 14 ist hierzulande so selten, dass ihr Standort nicht verraten wird.

Wiesen-Schaumkraut: Diese Pflanze enthält Bitterstoffe und Vitamin C. Junge Blätter passen in Salate oder Suppen.

Behaartes Schaumkraut: Die Blättchen mit dem scharf-bitterem Geschmack passen zu Salaten.

Gänseblümchen oder Massliebchen: Die Blüten enthalten gesunde Gerb- und Bitterstoffe, die darin enthaltene Essig- und Oxalsäure hilft gegen Husten und Hautleiden. Die Blüten eignen sich zum Garnieren von Salaten, Suppen und Quarkspeisen. Die Knospen können wie Kapern eingelegt werden.

Gemeines Hirtentäschchen: Die oberirdischen Teile zur Blütezeit helfen gegen Menstuationsbeschwerden. Gut schmeckt die Pflanze in einem Wildsalat.

Kohl-Gänsedistel: Sie schmeckt roh in Salaten. Die Stiele der jungen Gänsedistel sind hohl und wenn man sie in Salzwasser gart, werden sie weich und erinnern an Makkaroni. Früher wurde die Gänsedistel während Dürreperioden aus der Not heraus gegessen. Heute gilt sie als Delikatesse.

Sauerampfer: Enthält Vitamin C und Oxalsäure. Die säuerlich schmeckenden Blätter ergänzen Salate und Quarkspeisen. Gedämpft passen sie in Suppen, zu Fisch und Saucen. Die Pflanze hilft gegen Verdauungsbeschwerden. Für Menschen mit Gicht oder Nierenschäden ist der Sauerampfer nicht empfehlenswert.

Fetthenne: Frische Blätter passen, nur in kleinen Mengen, als Gewürz zu Salaten, Suppen, Saucen oder zu Kartoffeln.

Schafgarbe: Navajo-Indianer nutzen sie als Aphrodisiakum indem sie zwei Stunden vorher Stängel kauen. In China gilt sie als Orakel. Als Tee hilft die Schafgarbe gegen Leber-, Gallenstörung und gegen Menstruationsbeschwerden. Die jungen Blätter passen zu Salat, Suppe, Weichkäse und Eintopf.

Pastinak: Das frische Kraut dient als Gewürz, die Vitamin-C-reichen Wurzeln sind sehr nahrhaft in Gemüse oder Suppe.

Vogelmiere oder Hühnerdarm: Das Vitamin-C-reiche Kraut wird als Gemüse oder Salat zubereitet. Es regt den Stoffwechsel an.

Schwarzdorn oder Schlehdorn: Die Blüten gelten als zuverlässiges Abführmittel, der Tee soll blutreinigend sein. Aus den Früchten werden Sirup, Konfitüre, Liqueur und Eau de vie de Prunellier hergestellt.

Oregano oder Majoran: Das Gewürz enthält ätherisches Öl, Gerb- und Bitterstoffe. Majoran gilt als appetitanregend, verdauungsfördernd und hilft bei Husten und Asthma. Als Gewürz ist er vielfältig verwendbar.

Sauerkirsche oder Weichselkirsche: Sie ersetzt fast eine ganze Apotheke. Ihr Saft lindert Schmerzen und Entzündungen und kann den Harnsäurewert senken. Sie wird in der Gichttherapie eingesetzt sowie bei Arthritis und Gefässerkrankungen. Eine Studie deutet auf ein hohes Potenzial von Sauerkirschen zur Senkung von oxidativem Stress hin. Weiter wird ihr eine positive Wirkung bei Schlafstörungen nachgesagt. Zusätzlich lindert sie Muskelkater und wird zur Schlaganfall-Prävention eingesetzt. In zwei unabhängigen Studien wurden positive Resultate in Bezug auf Alzheimer erzielt.

Mariendistel: Sie hat viele Namen wie Christi Krone, Donnerdistel, Frauendistel oder Heilandsdistel: Maria soll bei einer Mariendistel Jesus gestillt haben, wobei ein wenig Milch auf die Blätter tropfte. Die weissen Flecken auf den Blättern sollen ein Abbild dieser göttlichen Milch sein. Die Mariendistel hat tatsächlich eine segensreiche Wirkung: Lebervergiftungen – beispielsweise durch den Verzehr von Knollenblätterpilzen – sowie Hirnödeme können mit Silybin, das aus den Früchten der Distel gewonnen wird, behandelt werden. In der Schweiz ist die Mariendistel eine Rarität.

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