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Hitze

Auch Bello hat heiss

Bei hohen Temperaturen sind Haus- und Nutztiere immer wieder der Willkür ihrer Halter ausgeliefert. 
Um die Tiere zu schützen, gibt es einfache Regeln – viele Besitzer missachten diese aber.

Abkühlung ist auch bei Tieren nötig. So auch für diesen Hund im Tierheim Rosel. Bild: Stefan Leimer
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Carlo Senn

Wenn es heiss ist, gehen die Menschen in den Schatten oder kühlen sich im Schwimmbad ab. Gleiches sollte auch für die Tiere gelten. Viele Halter kümmern sich aber zu wenig um ihre Schützlinge. Das merkt auch die Tierschutzinspektorin Elsbeth Hofer. «Es kommt immer wieder vor, dass Nachbarn uns melden, dass Tiere der prallen Sonne ausgeliefert sind.»

«Wir setzen auf Prävention»
Neulich wurde sie wegen eines solchen Falles angerufen. Schafe hatten keinen Unterstand, unter dem sie Schutz suchen konnten. Wegen ihres dicken Fells sind sie hitzeanfällig. Gesetzlich sind die Bedingungen klar: «Jedes Tier muss einen Unterstand haben, unter dem es Schatten vorfindet», sagt Hofer.

Gefährdet bei dieser Hitze sind ausserdem Tiere in Käfigen. Vor Kurzem hatte sie einen Fall, bei dem Vögel bei hohen Temperaturen dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt waren.

Wenn sich jemand fehlbar verhalte, berate man und mache unter anderem mit Broschüren auf die Vorgaben aufmerksam. Der Tierschutz ist aber keine Vollzugsbehörde, deshalb sind seine Mittel begrenzt. Bei wiederholten Verfehlungen werden die Polizei und das Veterinäramt informiert. «Wir setzen aber eher auf Prävention», betont Hofer.

Immer Wasser in der Nähe
Tamara Jung, Geschäftsführerin des Tierheims Rosel in Brügg, muss wegen der Hitze Massnahmen ergreifen, damit es den zahlreichen Tieren weiterhin wohl ist. Ob Kaninchen, Hund oder Katze, für alle müsse natürlich immer genügend und frisches Wasser vorhanden sein.

«Mit den Hunden gehen wir im Moment nur frühmorgens spazieren», sagt Jung. Wenn die Hunde durch den Tag draussen sind, ist immer eine Wasserquelle in der Nähe. So gibt es im Tierheim mehrere Hundepools, in dem sich die Tiere abkühlen können – oder man spritzt sie einfach mit dem Schlauch ab. Ab einer gewissen Hitze verbringen die Hunde aber auch mehr Zeit drinnen. «In den Hundeunterkünften ist es immer schön kühl.»

Auf keinen Fall im Auto lassen
Für private Halter sei es ganz wichtig, die Tiere nicht im Auto zu lassen. «Schon bei 20 Grad Celsius Aussentemperatur kann es für Hunde gefährlich werden.» Ausserdem sollte man mit den Hunden nicht auf dem Asphalt laufen, sondern eher im Wald oder im Grünen spazieren gehen.

Trotz dieser einfachen Möglichkeiten, die Tiere zu schützen, gäbe es immer noch viele Leute, die sich falsch verhalten würden, sagt Jung. Vor Kurzem habe sie jemanden gesehen, der den Hund bei grosser Hitze neben dem Fahrrad mitrennen liess. Selbstständiger sind die Katzen: «Sie gehen von sich aus in den Schatten.» Bei ihnen müsse nicht viel geschaut werden. Eine weitere Möglichkeit, damit es den Tieren etwas wohler ist: In Tierwarenläden gibt es Kühlmatten für Hunde zu kaufen.

Schildkröten mögen Wärme
Auch wenn Reptilien wechselwarme Tiere sind, und deshalb eine gewisse Wärme benötigen, meiden auch sie die heisse Mittagssonne.

«Sie sind lediglich morgens und abends sehr aktiv», sagt Franziska Sonderegger. Über den Mittag würden sie eher Schattenplätze suchen. Die Lehrerin hält in ihrem Garten auf 900 Quadratmeter insgesamt 34 Schildkröten, davon sind neun Wasserschildkröten. Sie hilft dem Tierheim, da dieses keine Infrastruktur für die Unterbringung von Reptilien hat. Die oftmals ausgesetzten Tiere finden dann bei Sonderegger einen Platz.

Ein Halter müsse sehr darauf acht geben, dass im Gehege Sträucher und andere Schattenplätze vorhanden sind. «Die Anschaffung einer Schildkröte sollte gut überlegt sein», sagt Sonderegger.

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