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Armwrestling

Armdrücken wie Sylvester Stallone

Mit den Kobras aus Lyss gibt es seit diesem Frühjahr auch in der Region einen Armsportclub. Es ist der schweizweit zwölfte seiner Art.

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Hanspeter Flückiger

Die Szenerie trägt allen Klischees Rechnung, dass Kraftsportarten grenzwertig, diffus, anrüchig seien. In einem schummrigen Hinterhof am Lysser Dorfausgang in Richtung Seeberg scheint noch Licht durch eine Fensterscheibe. Dahinter schemenhaft eine Handvoll Gestalten in violettfarbenen T-Shirts. Es sind junge, stattliche Burschen. Fünf Cracks des lokalen Armsportclubs Kobra (ASC) sind gerade beim Training. Zwei tun an Fitnessgeräten etwas für die körperliche Konstitution. Weitere zwei stehen an einem hohen Tisch einander gegenüber. Die Ellenbogen der rechten Arme auf Polster gestützt, die Hände ineinander verkeilt. Ein Dritter hält als Schiedsrichter ein wachsames Auge über das Duo. «Ready - go», gibt er das Startkommando. Innert weniger Sekunden ist der Spuk vorüber. Die Hand des Einen liegt auf dem Tisch.

 

Gute Voraussetzungen

Präsident, Trainer, Mentor und Coach der kleinen Truppe ist der Sicherheitsfachmann Christoph «Chrigu» Schneiter. Vor sechs Jahren kam er zufällig mit diesem - umgangssprachlich Armdrücken genannten - Sport in Kontakt. Dabei stellte er fest, dass dieser ihm zusagte und er über Voraussetzungen verfügte, den Sport mit Erfolg betreiben zu können. Seit zwei Jahren ist er aktiv, regelmässig und engagiert dabei. In diesem Frühjahr gründete er mit Claudia Triendl - welche als nicht Aktive die Kasse führt - und einigen Kollegen die Kobras.

Korrekt heisst die Sportart Armwrestling. Es ist mehr als die englische Bezeichnung für das Armdrücken. Im Gegensatz zur Jekami-Kraftmeierei des Armdrückens, welches als Stammtischbeschäftigung gilt, erhebt das Armwrestling den Anspruch, eine anerkannte Wettkampfsportart zu sein. Im Unterschied zum Armdrücken, das sitzend am Tisch stattfindet, wird das Armwrestling im Stehen ausgeübt. Der Sport ist klar reglementiert, in verschiedenen Kategorien (Männer, Frauen, Links-, Rechtshänder, Junioren, Behinderte) und Gewichtsklassen aufgeteilt, und findet an besonderen Wettkampftischen statt. Da Armwrestling im Stehen ausgeübt wird, reichen kräftige Oberarme nicht zum Erfolg. Die meisten Kämpfe werden innerhalb von Sekunden entschieden. Deshalb sind Technik, Schnelligkeit und Taktik für den Erfolg ebenso wichtig. Man muss auch weder besonders gross oder schwer sein. Frauen können auch Männer besiegen.

Wie steht es um das «zweifelhafte Milieu», dem Kraftsportarten wie diese zugeordnet werden? «Gegen diesen Ruf kämpfen wir», erklärt Schneiter dazu. Im Club und im Verband gilt in Sachen Doping Nulltoleranz. Bekräftigt wird diese durch unangemeldete Dopingproben bei den aktiven Athleten. Ebenso sind Bestrebungen im Gange, als Verband Mitglied von Swiss Olympic zu werden.

 

Eine Randsportart

Armwrestling ist eine ausgeprägte Randsportart, 250 bis 300 Aktive aus der Schweiz nehmen regelmässig an Wettkämpfen teil. Organisiert sind sie in 12 Clubs. Neben den «Kobras» gibt es mit dem ASC Lions aus Thun noch einen zweiten Verein im Kanton Bern. In der weiteren Umgebung praktizieren die Bulldogs und die Black Panthers aus der Region Solothurn die Sportart. Im Kanton Jura ist der ASC Ajoulot aktiv. In der Stadt Bern hat der schweizerische Dachverband, die SAF (Swiss Armsport Federation) ihren Sitz. Gegründet wurde diese 1986. Populär wurde damals der Sport durch den Film «Over the top» mit Sylvester Stallone als armwrestelnder Fernfahrer. Mit dem Titel des Weltmeisters im Armdrücken vermag Stallone als Lincoln Hawk die Liebe seines 12-jährigen Sohnes zurückzugewinnen. Das Filmlexikon würdigt den Film kritisch. Es werde versucht, eine statische, wenig reizvolle Sportart mit allen Mitteln zu ästhetisieren und ein sentimentaler Vater-Sohn-Konflikt der Kraftmeierei untergeordnet. Weiter wird - dem Zeitgeist entsprechend - kritisiert, der Film idealisiere die Leistungsgesellschaft.

Welche Ambitionen haben die Kobras? Als Nächstes soll Mitte November das dritte ASC Kobra-Turnier erfolgreich über die Bühne gehen. Mittelfristig locken nächstes Jahr die Europameisterschaften in Bulgarien und die WM in Malaysia.

Mehr Sorgen als die Qualifikation selbst bereitet der Blick in die Kasse. Allein mit 2500 Franken würden pro Person der Aufenthalt und die Reise an die WM zu Buche schlagen, zu berappen aus dem eigenen Portemonnaie. Schneiter: «Armwrestling ist mehr als Sport und Hobby, es ist das halbe Leben.»

 

Info: Am Samstag, 15. November, findet im Rockcafé Piccadilly’s in Aegerten der Armwrestling-Cup statt.

Die Wettkämpfe beginnen um 19 Uhr.

www.saf.ch

www.asckobra.ch

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