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Zürich

Zürich steuert auf erneute Abstimmung über Fussballstadion zu

Der Anpfiff eines Spiels im geplanten neuen Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm-Areal dürfte noch länger auf sich warten lassen. Zwar hat das Parlament am Mittwochabend dem privaten Gestaltungsplan zugestimmt. Aber es droht dennoch eine erneute Volksabstimmung.

(sda) Denn gegen den privaten Gestaltungsplan "Areal Hardturm - Stadion" wird von der IG Freiräume Zürich West das Referendum ergriffen. Die IG fordert eine sozial- und klimaverträglichere Entwicklung des Areals. Ihr gehören vor allem Politikerinnen und Politiker der Grünen an.

Die Grünen sagten denn auch im 125-köpfigen Zürcher Stadtparlament Nein zum privaten Gestaltungsplan. FDP, SVP, GLP, EVP und AL sagten Ja. Es gelte, den Volkswillen vom November 2018 zu akzeptieren. Die SP enthielt sich mit demselben Argument.

Änderungsanträge kann man zu einem privaten Gestaltungsplan nicht einbringen im Parlament. Eine erneute Diskussion zum Thema kann nur über ein Referendum zum Gestaltungsplan erfolgen.

Die Unterschriftensammlung für das Referendum startet voraussichtlich Ende Oktober. Kommen innert 60 Tagen mindestens 2000 Unterschriften zusammen, gibt es im kommenden Jahr eine weitere städtische Volksabstimmung zum Hardturm-Areal inklusive Stadion.

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten mussten sich immer wieder zur Stadion-Frage äussern. 2003 hatten sie das privat finanzierte Projekt Pentagon an der Urne bewilligt, es kam aber nie zustande. 2013 lehnten sie ein städtisch finanziertes Projekt ab.

Im vergangenen November haben sie das Projekt "Ensemble" mit 53,8 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen. "Ensemble" stammt von den Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse sowie Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ).

Es sieht auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für rund 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 570 Wohnungen vor. Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken.

Der Investor will mit den Wohntürmen das Stadion querfinanzieren. Dadurch muss sich die Stadt weder am Bau noch am Betrieb finanziell beteiligen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf dem Baufeld, auf dem die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber dennoch. Denn aus der Reduktion resultiert ein wiederkehrender Einnahmenverzicht von jährlich maximal 1,7 Millionen Franken.

Das Stadion soll gemäss bisherigen Plänen 2022 fertig sein. Der erste Ball könnte in der Saison 2022/23 rollen. Die Hochhäuser und der gemeinnützige Wohnungsbau werden etappiert ab 2023 fertiggestellt. Dieser Zeitplan dürfte sich allerdings zumindest etwas verzögern.

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