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Schweiz ist bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz auf Kurs

Die Schweiz ist bei den Zielen der Energiestrategie 2050 auf Kurs. Dieses Fazit zieht der Bund im ersten Monitoringbericht. Die kurzfristigen Ziele dürften erreicht werden. Für die langfristigen braucht es allerdings weitere Anstrengungen.

(sda) Keine neuen Atomkraftwerke, mehr erneuerbare Energie, weniger Energieverbrauch: Das sind die Pfeiler der Energiestrategie, die das Stimmvolk im Mai 2017 angenommen hat. 2018 trat das neue Energiegesetz in Kraft, in dem Richtwerte und Massnahmen verankert sind.

Das Bundesamt für Energie (BFE) will jährlich Bilanz ziehen zur Entwicklung. Am Dienstag hat es nun den ersten Bericht veröffentlicht. Dieser zeigt, dass einige Ziele bereits erreicht wurden - obwohl der Bericht die Situation per Ende 2017 beschreibt, also noch vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes.

Das BFE schreibt dazu, die Ausgangslage sei sehr gut, es habe sich die nötige Dynamik entwickelt. Ob die gesetzlichen Massnahmen wirken und ob weitere nötig sind, lässt sich noch nicht sagen. Dafür sei es zu früh, sagte Pascal Previdoli, stellvertretender Direktor des BFE, vor den Medien in Bern. Zu dieser Frage will das Amt alle fünf Jahre einen Bericht vorlegen. Zudem sollen die Potenziale der einzelnen Energieträger 2020 neu eingeschätzt werden.

Bereits erreicht wurde der Richtwert für das Jahr 2020 beim Energie- und Stromverbrauch pro Kopf. Der sinkende Pro-Kopf-Verbrauch hat dazu geführt, dass sich der Gesamtverbrauch trotz wachsender Bevölkerung und wirtschaftlicher Entwicklung stabilisiert hat.

Seit dem Jahr 2000 hat der Energieverbrauch um 15,7 Prozent abgenommen, witterungsbereinigt um 16,3 Prozent. Der Richtwert verlangt ein Minus von 16 Prozent. Der Stromverbrauch lag 2017 um 4,9 Prozent unter dem Wert von 2000, witterungsbereinigt 5 Prozent. Der Richtwert verlangt ein Minus von 3 Prozent. Bis 2035 soll der Energieverbrauch pro Kopf dann um 43 Prozent sinken, der Stromverbrauch um 13 Prozent.

Bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ohne Wasserkraft waren 2017 bereits 75 Prozent des angestrebten Zubaus erreicht. 2017 lag die erneuerbare Stromproduktion bei 3653 Gigawattstunden (GWh) oder 6,4 Prozent der gesamten Netto-Elektrizitätsproduktion. Der Richtwert für 2020 beträgt 4400 GWh. Im Jahr 2035 sollen über 11'000 GWh Strom aus erneuerbaren Energien produziert werden.

Die Förderung der erneuerbaren Energien allerdings hat das Parlament befristet, die Einspeisevergütung läuft bereits 2022 aus. Zudem lehnte es einen Übergang von einem Förder- zu einem Lenkungssystem ab, wie der Bundesrat ihn vorgeschlagen hatte. Previdoli hält es jedoch für möglich, dass die erneuerbaren Energien auch ohne weitere Fördergelder zulegen. Vor allem in den Eigenverbrauchsgemeinschaften sieht er ein vielversprechendes Modell.

Seit 2010 hat insbesondere die Photovoltaik stark zugelegt. Ebenfalls zugenommen hat die Stromproduktion aus Kehrichtverbrennungsanlagen und erneuerbaren Abfällen sowie aus Feuerungen mit Holz. Geringer ist der Zuwachs bei der Windenergie. Hier gelte es abzuwarten, ob die neue Regelung zur Interessensabwägung etwas ändere, sagte Previdoli.

Bei der Stromproduktion aus Wasserkraft ist für 2020 kein Richtwert im Gesetz verankert. Bis 2035 wird ein Nettozubau von rund 2000 GWh angestrebt. Davon waren 2017 25,6 Prozent erreicht. Um den Richtwert im Jahr 2035 zu erreichen, ist in den kommenden Jahren bis 2035 im Mittel jährlich ein Netto-Ausbau von 85 GWh notwendig.

Bei den kurzfristigen Richtwerten sei davon auszugehen, dass sie mit den heute bereits vorhandenen Technologien erreicht werden könnten, heisst es im Bericht. Die langfristigen Ziele setzten weitere technologische Entwicklungen voraus. Der Bund hat in den letzten Jahren denn auch mehr Mittel in die Energieforschung gesteckt, wie Matthias Kägi vom BFE darlegte.

Der Bericht zeigt ferner die Entwicklung der Importe auf. Der Anteil der Importe am Bruttoenergieverbrauch ist von 2000 bis 2006 gestiegen und seither rückläufig, aber weiterhin auf hohem Niveau: 2017 betrug er 75,3 Prozent. Die inländische Produktion ist seit 2000 in der Tendenz gestiegen.

Gestiegen sind ausserdem die Endverbraucherausgaben für Energie - von rund 23,8 Milliarden Franken im Jahr 2001 auf knapp 26,5 Milliarden Franken im Jahr 2017. Dies entspricht einer Zunahme von durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr.

Dies hängt laut dem Bericht mit steigenden Preisen zusammen - und damit, dass die Energiepreise das Verhalten der Konsumenten kurzfristig kaum beeinflussen. Das Verhalten hänge vielmehr von bestehenden Strukturen ab, beispielsweise vom Fahrzeug- und Wohnungsbestand, schreibt das BFE.

Die Schweizerische Energiestiftung (SES) kritisierte in einer Mitteilung, das BFE vermittle mit der Botschaft, die Schweiz sei auf Kurs, man könne sich jetzt zurücklehnen. Das sei gefährlich. Für die Erreichung der Klimaziele von Paris und für einen Atomausstieg ohne gefährliche Langzeitexperimente sei eine Beschleunigung angesagt.

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