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Premiere

Wer kann den Sirenen widerstehen?

Ein performativ inszeniertes Lied. Fast eine Stunde lang. Das gibt es heute und morgen in der Voirie zu sehen und zu hören. Isabelle Freymond und Hannah E. Hänni haben sich intensiv mit dem Mythos Sirene auseinandergesetzt. Ein Stück, das reinzieht.

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von Janosch Szabo

Ein leuchtender Paravent, ein Kartonberg. Sonst nichts. Ein karges Bühnenbild. Dazu abstrakte Geräusche einer Tonspur, die hier beginnt und bis am Schluss den Rahmen gibt. Dann das Erwachen. Ein Knarzen. Ein Stöhnen. Ein Hauchen. Gepresste Luft. Der Kartonberg hebt und senkt sich, bis er bröckelt, bis ein Fuss, eine Hand und schliesslich die ganze Gestalt zum Vorschein kommt. Eine Frau entdeckt unter langen blonden Haaren das Licht, als käme sie gerade aus der Unterwelt. Hohe, durchdringende, nachhallende Töne begleiten das Ganze. Sirenengesang.

 

Intensiv auf allen Ebenen

Schon in dieser Anfangsszene von «Warum Sie? Rennen», dem von Schauspielerin Isabelle Freymond und Sängerin Hannah E. Hänni gemeinsam erarbeiteten und aufgeführten Stück, steckt viel Intensität. Der Zuschauer ist im Bann, auch wenn nicht viel passiert.

Und so bleibt es dann auch. Die Performance lebt von grosser Intensität in allem, was da wahrzunehmen ist: in den Blicken, den Bewegungen, im Gesang und in der Sprache. Sätze und Worte sind rar. Die Performerinnen brauchen sie nicht, um eine Geschichte zu erzählen, sondern ganz einfach als eins von vielen Mitteln, um dieses Verführerische, Manipulative, Soghafte und Unwiderstehliche im Wesen der Sirenen auszudrücken.

Es gibt keine eigentliche Handlung wie im Theater zu verstehen. Vielmehr geht es um die Wirkung der Eindrücke, um das Verführende wie auch Schmerzhafte in den Tönen, das Aushalten der in der Luft und zwischen den Performerinnen liegenden Spannungen, das Geniessen des Schönen und Zärtlichen. Am Schluss vermischt sich alles in einem eindringlichen Finale, in dem die Tonspur wieder die Oberhand gewinnt. Leicht verstört bleibt der Zuschauer zurück.

 

Auftakt zu mehr

Die Zusammenarbeit von Isabelle Freymond und Hannah E. Hänni unter Mitwirkung von Cristin Wildbolz (Sound) und Verena Lafargue Rimann (Bühnengestaltung) soll ein Anfang sein, so die beiden Bieler Künstlerinnen, die sich schon seit Langem kennen. «Jetzt gebären wir das mal. Danach geht es weiter, in welcher Form auch immer», kündigt Freymond an. Die verteilt über eineinhalb Jahre dauernde Erarbeitung dieses ersten gemeinsamen Stücks scheint bereichernd gewesen zu sein. Die beiden Frauen nicken. Hänni sagt: «Es ist ein total anderer Prozess, so zu arbeiten, als bei einem Theater angestellt zu sein. Du kannst viel mehr selbst kreieren.»

Und warum Sirenen als Thema? «Weil ich Sängerin und Frau bin, da liegt das nahe», meint Hänni. Freymond, die bei ihr Gesangsstunden nahm, stieg gerne darauf ein, im Leben auch immer wieder mit Sirenen konfrontiert. Also begannen sie sich einzuarbeiten, zu lesen, zu recherchieren, zu diskutieren. Sie fanden viel, nebst den Sirenen aus der griechischen Mythologie auch Krimis und Gedichte, und nutzten das Material als Quelle für ihre Produktion.

 

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