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Kultmoviegang

Wenn der schlechte Filmgeschmack im Kino lautstark zelebriert wird

Filmfreunde des schlechten Geschmacks treffen sich einmal im Monat in einem Berner Kino, um ganz üble Trash-Meisterwerke zu konsumieren. Die Wurzeln der erfolgreichen sogenannten Kultmoviegang liegen im Seeland.

Szene aus "Samurai Cop", Bild: zvg/CinemaEpoch
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Simon Dick

Am kommenden Freitag schliesst sich der Kreis: Bereits zum dreissigsten Mal versammeln sich Filmfreunde und Filmfreundinnen, um gemeinsam ein sehr schlechtes Werk zu geniessen. Auf dem Plan steht „Samurai Cop“. Dieser schlecht inszenierte Actionfilm aus dem Jahr 1991 flimmerte bereits beim ersten Kultmoviegang-Screening im Jahr 2015 über die Leinwand und war der Start für eine aussergewöhnliche Eventreihe im Berner Kino Cine Club. Um das Jubiläum zu zelebrieren, wird er prompt noch einmal gezeigt.

Schlechte Perücke
Schon alleine bei der Inhaltsangabe mag so mancher den Kopf schütteln: Ein Amerikaner mit schlecht sitzender Perücke bildet sich zum Samurai aus, um einer rücksichtslosen Gang den Garaus zu machen. So oder ähnlich. Die genaue Motivation des Helden und der Verlauf der Geschichte treten dabei immer mehr in den Hintergrund. Es folgt eine krude Ansammlung an Drehbuchideen, schlechte Stunts sowie Dialoge und Schauspielkunst zum Fremdschämen.

Der Trailer zum "Meisterwerk"

Aber je schlechter der Film ausfällt, desto unterhaltsamer und lauter wird das Kinopublikum. Es gibt Zwischenrufe, intensives Gelächter und auch Gegenstände können durch den dunklen Raum fliegen. Als Einstimmung gibt es bei jeder Veranstaltung im Kinofoyer kleine Partyspiele und nicht ernst gemeinte Verhaltensregeln zum gezeigten Film werden verteilt, um für zusätzliche Stimmung zu sorgen.

Viele Höhepunkte
Bei der ersten Kultmoviegang-Veranstaltung fanden rund 60 Menschen den Weg ins Kino. Mittlerweile nehmen durchschnittlich mehr als 160 Filmmasochisten Platz im Kinosaal. Dabei werden seit dem letzten Jahr nicht nur ganz üble Filme, sondern auch wahre Kultstreifen gezeigt. So kam man bereits in den Genuss zum ersten Mal Filmperlen wie „Top Gun“ oder auch „Rocky IV“ auf der grossen Leinwand zu bestaunen. Höhepunkt war das Screening von „Dirty Dancing“, das vor ein paar Wochen fast den gesamten Kinosaal füllte.

Impressionen vom "Dirty Dancing"-Screening

Geniale Idee aus Busswil
Ronny Kupferschmid aus Busswil hatte 2015 eine wahnsinnig geniale aber auch verrückte Idee im Kopf. Als Fan von Trash-Filmen vermisste er einen Ort, wo man gemeinsam mit ganz vielen Menschen den schlechten Filmgeschmack zelebrieren kann. Die Idee der Kultmoviegang war geboren. Nach der Lancierung eines entsprechenden Filmportals folgte schon bald das erste Screening.

Heute ist die Gang eine grosse Familie, gibt auf ihrer Webseite regelmässig gute und schlechte Filmtipps ab und hat ein Kernteam von treuen Filmfreaks, das an den Screenings bei den Vorbereitungen tatkräftig mithilft. Regelmässig trifft man sich, schüttelt gemeinsam den Kopf und zelebriert die Freude am schlechten Filmgeschmack. Und von Monat zu Monat werden es immer mehr. Der 41jährige Familienvater aus Busswil freut sich: „Die Kultmoviegang wurde über die Jahre mittlerweile wirklich zu einer grossen Gang“, sagt der leidenschaftliche Filmfan und blickt optimistisch auf viele weitere Screenings, die noch folgen werden.

"Samurai Cop" läuft am Freitag, 29. März im Cine Club in Bern, 20:45 Uhr.

Weitere Infos unter:
www.kultmoviegang.ch
www.cinevital.ch

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