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Kino

Bedrohtes Schweizer Filmschaffen

Ein verlorenes Kinojahr? So überschreibt die Branche eine Mitteilung, die gestern verschickt wurde. Und beantwortet die Frage gleich selber.

Symbolbild: pixabay.com

Die Corona-Pandemie trifft auch das Schweizer Filmschaffen hart. Die vom Bundesrat verordneten Notstandsmassnahmen haben für das Filmjahr 2020 «verheerende finanzielle und künstlerische Folgen», schreiben der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz und die Filmproduzentenverbände der Schweiz gestern in einer Mitteilung.

Die am 17. März vom Bundesrat angeordneten Massnahmen hätten die Vermarktung der in diesem Jahr erscheinenden Filme abrupt gestoppt. Festivals wurden abgesagt, ob dasjenige von Locarno durchgeführt werden kann, ist unklar. Die für diese Veranstaltungen geplanten Filmpremieren seien storniert oder fänden nur online statt, ein Publikums- und Medienecho fehle dadurch und die Einnahmen seien minimal, so die Verbände. Eine Verschiebung von Festival-Premieren komme meist nicht infrage, da sich für die in der zweiten Jahreshälfte stattfindenden Festivals ein «Filmstau» abzeichne. Viele im Jahr 2020 lancierten Filme drohten deshalb sang- und klanglos in den Archiven zu verschwinden.

 

Ein doppelter Verlust

Ebenfalls problematisch seien die verschobenen Starts diverser Schweizer Filme, darunter «Verdinger» oder «Schwesterlein».

Die Verbände fordern deshalb für den Herbst unbedingt mehr Leinwände und Spielzeiten für die Schweizer Filmproduktion des Jahrgangs 2020.

Weiter seinen alle laufenden Vorbereitungs- und Dreharbeiten im März gestoppt worden. Welche Filme gerettet werden können, sei zurzeit noch unklar. Nachfinanzierungen würden zwar von den Förderstellen in Aussicht gestellt, aber ob alle betroffenen Produktionen im Herbst wieder neu aufgerollt werden können, sei unsicher.

Es drohe nun ein doppelter Verlust: Die Schweiz verliere einen Teil ihres wichtigen Kulturgutes Film und die Filmschaffenden ihre Existenzgrundlage.

Die Verbände haben den öffentlichen Schweizer Fernsehanstalten deshalb den Vorschlag gemacht, während der Coronakrise Programmlücken mit Schweizer Spiel- und Dokumentarfilmen zu füllen.

 

«Motivierende Ergebnisse»

Gleichzeitig gibt es auch Hoffnungsvolles zu berichten. Der Filmverleih Outside the Box, der seit dem 26. März in Zusammenarbeit mit den Kinos in der Schweiz neue Filme als Streaming anbietet, schreibt von «sehr motivierenden Ergebnissen». So seien zum Beispiel für «Le milieu de l’horizon» bis gestern Mittag fast 650 Tickets verkauft worden (siehe BT vom letzten Samstag).

Die erzielten Verkäufe würden über den Erwartungen liegen, deshalb mache man weiter: Diesen Donnerstag wird «Home» von Ursula Meier lanciert. Kein neues Werk, vielmehr eines der erfolgreichsten der letzten Jahre.

Zudem startet der Filmverleih diesen Freitag um 20 Uhr mit einer wöchentlichen Live-Sendung, die über www.outside-thebox.ch ausgestrahlt wird. mt/raz

Stichwörter: Film, Kultur, Filmbranche

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