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Skigebiete erstatten Abos nicht mehr zurück

Wer verunfallt, kann sich in immer mehr Skigebieten sein Abo nicht mehr rückvergüten lassen, auch nicht mit einem Arztzeugnis. So ist es auch bei den Top 4 im Berner Oberland.

Symbolbild: Keystone

Bald sind Skiferien, und so stellt sich die Frage, ob man gleich für die ganze Woche ein Skiabo löst. Denn das ist billiger, als Tageskarten zu kaufen; selbst wenn man dann an einem Tag doch nicht auf die Piste geht. Einige ersparen sich das Anstehen bei der Kasse an der Talstation und kaufen ihr Abonnement vorab online und laden es auf den Swiss Pass. Und wer häufiger Ski oder Snowboard fährt, hat womöglich bereits vor Saisonstart von Rabatten profitiert und sich ein Saisonabo gekauft.

Keine Kulanz mehr
Doch parallel zur grossen Werbeoffensive für den Kauf von Saisonabos haben viele Skigebiete im Kleingedruckten die Bedingungen verschlechtert. Rückerstattungen gibt es nicht mehr, auch nicht bei einem Unfall. Selbst wenn man ein Arztzeugnis hat. Das musste auch eine Leserin erfahren, die seit vielen Jahren im Wallis ein 
Saisonabo kauft. Sie hatte im Sommer zwar Probleme mit dem rechten Knie. Nach einer Behandlung war sie zunächst aber wieder fit, freute sie sich auf den nächsten Skiwinter und leistete sich einmal mehr ein Saisonabo. Doch plötzlich waren die Schmerzen im Knie erneut akut.

Auf Anraten eines Spezialarztes vereinbarte sie dann doch eine Operation, bei der ihr lädiertes Knie durch ein Kunstgelenk ersetzt wurde. Die Skisaison schrieb sie ab. Das Skiabo wollte sie sich zurückzahlen lassen. Dies insbesondere, weil die Saison noch nicht einmal begonnen hatte.

Kunde soll sich versichern
Doch es gibt kein Geld zurück. Das gilt auch bei immer mehr Skigebieten in anderen Kantonen, auch bei den vier grössten Skigebieten im Berner Oberland, die sich zum Saisonabo-Verbund Top 4 zusammengeschlossen haben. Die Jungfrau-Ski-Region habe ihre Klauseln an jene des Top-4-Abos mit den Partnergebieten Adelboden-Lenk, Gstaad und Meiringen-Hasliberg angeglichen, sagt Sprecherin Patrizia Bickel.

Jetzt steht explizit in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, dass auch bei Unfall und Krankheit kein Anspruch auf Geldrückerstattung besteht. Wie bereits bisher bleiben auch Rückzahlungen wegen Betriebsunterbrüchen aus technischen Gründen oder wegen Schneemangels oder Lawinengefahr ausgeschlossen. Stattdessen tragen die Skifahrer das Ausfallrisiko.

Beim Kauf eines Saisonabonnementes oder von Mehrtageskarten könne aber eine Versicherung abgeschlossen werden. Darauf würden die Kunden beim Kauf hingewiesen, sagt Bickel. Solche Klauseln seien in der Reisebranche üblich. Eine Versicherung für das Saisonabo kostet in der Jungfrau-Region 63 Franken.

Die Prämie für eine einfache Versicherung der Tageskarte kostet 4 Franken. Hier erhalte der Kunde eine Rückerstattung für den Skipass sowie für Ski-lektionen und Skimiete, erklärt Bickel. Für 6 Franken erhalte 
er zudem Rechtsbeistand und diverse Transport- sowie Heilungskosten bezahlt. Diese Versicherung werde vor allem 
von ausländischen Gästen gewählt, welche diese Zusatzleistungen nicht privat versichert haben.

Saas Fee preschte vor
Die Top 4 arbeiten bei der Skipassversicherung mit dem schwedischen Anbieter Solid zusammen, ebenso die Vorreiter aus Saas Fee. Die Walliser Skistation hatte mit einem Saisonabo für 222 Franken Ende 2016 einen Preiskampf lanciert. Andere Skigebiete kooperieren mit der Generali-Tochter Europ Assistance. Diese Versicherungen bieten gegen Aufpreis auch einen Schutz vor den Kosten nach einem Unfall auf den Skipisten an. Das kann für die Anbieter ein gutes Geschäft sein, wenn sich die Skiunfälle nicht häufen.

Kein Grund für die neuen Regelungen ist, dass die Forderungen nach Rückerstattungen zunehmen würden. Diese Zahl sei in den letzten Jahren ziemlich stabil geblieben, heisst es bei der Jungfrau-Ski-Region. Genauere Angaben sind nicht erhältlich. Generell ist Skifahren ein unfallträchtiger Sport. Jährlich verletzen sich dabei in der Schweiz laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung über 50000 Personen.

Kleine sind kulant
Glück im Unglück hat man weiterhin vor allem bei kleineren Skigebieten, die kulant bleiben. So erhält man zum Beispiel auf der Axalp bei Brienz das Geld für die verbleibenden Skipasstage (pro rata) zurück. Dies nicht nur bei einem Unfall, sondern auch bei Krankheit. Das Vorweisen eines Arztzeugnisses reicht. Es gehe um etwa ein Dutzend Saisonabo-Rückerstattungen pro Jahr, sagt die stellvertretende Betriebsleiterin Marianne Walthard. Diese Regelung werde auch in Zukunft so bleiben, «wir wollen unsere treuen Kunden nicht verärgern». Julian Witschi

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