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Radiostudio Bern

Die SRG opfert ein Erfolgsmodell

Für Kanton und Stadt Bern sowie die Hauptstadtregion Schweiz ist die beschlossene Verlegung des Radiostudios Bern nach Zürich unverständlich. Ihrer Ansicht nach setzt sich der SRG-Verwaltungsrat damit über den breiten Widerstand gegen die Umzugspläne hinweg und opfert ein Erfolgsmodell.

Symbolbild: Keystone

Die Berner Kantons- und Stadtregierung sowie die Hauptstadtregion Schweiz sind enttäuscht darüber, dass der SRG-Verwaltungsrat die weitgehende Verlegung des Radiostudios Bern nach Zürich-Leutschenbach beschlossen hat. Für Stadtpräsident Alec von Graffenried, Regierungsrat Christoph Ammann und Thierry Steiert, Freiburger Stadtammann und Co-Präsident der Hauptstadtregion Schweiz ist das kompromisslose Vorgehen des gebührenfinanzierten öffentlichen Medienunternehmens sachlich falsch und politisch unsensibel, zumal die Umzugspläne in den vergangenen Wochen und Monaten sowohl von den betroffenen Medienschaffenden als auch von einer breiten Allianz aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft weit über die Hauptstadtregion hinaus abgelehnt worden sind, heisst es in der Medienmitteilung.

 

Politzentrum Bern wird unnötig geschwächt
«Mit diesem Vorgehen wird sich die SRG mittelfristig schwächen, nicht stärken», ist Regierungsrat Christoph Ammann überzeugt. Die SRG-Spitze stosse mit dem Abzug von rund 170 Medienschaffenden nicht nur die Region Bern vor den Kopf, sondern verabschiede sich zunehmend von der Grundidee eines regional verankerten Service public. Mit der Verlegung von Produktionen wie dem «Echo der Zeit», dem «Rendez-vous» oder der «Samstagsrundschau» aus dem Politzentrum der Schweiz opfere die SRG-Spitze ein funktionierendes Erfolgsmodell für ein betriebswirtschaftlich einseitiges und politisch schwach abgestütztes Sparprogramm, so Christoph Ammann.

 

Verlust von Vielfalt und Meinungen
Stadtpräsident Alec von Graffenried befürchtet, dass sich die Konzentration der SRG-News-Sparte in Zürich negativ auf die Qualität der Berichterstattung auswirken wird. «Die angestrebte Konvergenz dürfte eher zu einer Angleichung der Formate und somit zu einem Konturverlust der einzelnen Sendungen führen», so der Stadtpräsident. Die dezentrale Verankerung sei bisher ein Garant gewesen für die Vielfalt der Weltbilder und Meinungen auch in der Auslands- und Wirtschaftsberichterstattung. «Diese Qualität droht nun verloren zu gehen», so der Stadtpräsident. Er zeigt sich auch besorgt über die Verhärtung der Fronten, welche die Debatte in den letzten Monaten geprägt hat. Dass offenbar weder die Vorschläge der Stadt bezüglich eines Ersatzstandortes für die Generaldirektion noch der von Teilen der SRG-Belegschaft erarbeitete Diskussionsbeitrag «Radioschaffen in der digitalen Welt» einen Einfluss auf den SRG-Entscheid hatten, sei bedauerlich. «Nach dem erfreulich klaren Nein zur No-Billag-Initiative nimmt die SRG ohne Not einen Vertrauensverlust in Kauf», sagt Alec von Graffenried. Damit riskiere die SRG auch, politischen Rückhalt bei jenen Kräften zu verlieren, die sie stets unterstützt hätten, heisst es weiter.

 

Zeichen für den Medienstandort Hauptstadtregion
In diesem Kontext ist es nun an der SRG aufzuzeigen, wie sie in Zukunft den Standort Bern innerhalb des Unternehmens positionieren will und welche Bedeutung unsere mehrsprachige Region zugutekommt. Thierry Steiert erwartet jetzt von der SRG ein klares Bekenntnis zur Hauptstadtregion Schweiz. «Es kann nicht im Sinne des öffentlichen Medienhauses sein, dass Investitionen in neue Technologien und die Schaffung von Arbeitsplätzen praktisch ausschliesslich in Zürich fokussiert werden. Gerade die Mehrsprachigkeit ist für die SRG eine grosse Herausforderung, aber auch Chance. Dementsprechend muss dieser Bereich besser genutzt werden, indem zum Beispiel nationale Inhalte in allen Sprachen von Bern aus produziert werden.» mt

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