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Game-Review

«The Order: 1886»: Ein berauschendes Fest für die Augen und ein intensives Erlebnis für Historiker

Der Exklusivtitel für die Playstation 4 ist ohne Zweifel die neue Grafikreferenz. Auch wenn spieltechnisch nichts Neues geboten wird, darf man sich diesen Steampunk-Thriller nicht entgehen lassen.

«The Order: 1886»: Ein berauschendes Fest für die Augen und ein intensives Erlebnis für Historiker, Bilder: zvg

von Simon Dick

"Viel zu kurz", "eine absolute Frechheit", "Schande über die Entwickler". Diese und andere Kommentare wurden in den letzten Tagen in vielen Foren aggressiv gepostet. Grund war, dass «The Order: 1886» angeblich nur fünf Stunden dauern würde und schon hätte man den Abspann vor dem Gesicht. Die erhitzten Spiele-Gemüter können sich jetzt aber beruhigen, denn alles wird gut.

Die Grafikbombe
Man darf und soll es ruhig im ganzen Lande verkünden: Dieser düstere Thriller ist eine Grafikbombe. Was hier die Entwickler optisch abgeliefert haben, ist eines der schönsten Erlebnisse fürs Game-Auge, seit der Exklusivtitel «Ryse» für die Xbox One für Freudensprünge bei Grafikfetischisten sorgte. «Ryse» war Microsofts Kampfansage an den Konkurrenten Sony. Doch nun hat Sony mit ihrem Exklusivtitel für die Playstation 4 zurückgeschlagen. Nun herrscht Gleichstand.

Der Sog
Für gewöhnlich lassen sich aktive Spielszenen, in denen der Spieler seine Figur steuert, und Zwischensequenzen, wo ein animierter Film die Geschichte weitererzählt, unterscheiden. Bei «The Order: 1886» sind diese beiden Seiten des Videospiels aber so geschickt miteinander verwoben, dass der Unterschied erst dann auffällt, wenn der Spieler wieder seine Figur steuern darf. Das ergibt einen ungewöhnlich intensiven Sog. Zwar wird man immer wieder aus der passiven Rolle herausgezogen, doch es geschieht hier subtiler als bei anderen Videospielen. Das Ineinandergreifen ist sanft, ja fast schon zärtlich und sorgt für eine aussergewöhnliche Stimmung. Nie war Eskapismus schöner.

Der Steampunk
Erzählt wird eine Geschichte, die im Viktorianischen Zeitalter in London angesiedelt ist. Genauer genommen befindet man sich aber nicht in der Vergangenheit der gültigen Zeitgeschichte, sondern in einer alternativen Entwicklung. Das heisst, dass der technische Fortschritt nach der Industriellen Revolution zu diesem Zeitpunkt im Videospiel viel weiter fortgeschritten ist, als in der realen Geschichtsschreibung. Somit verfügen die Protagonisten über futuristische Blitz-Waffen und Luftvehikel, die mit aussergewöhnlichen Angriffswaffen ausgestattet sind. "Steampunk" nennt sich diese besondere Art der Inszenierung in der Populärkultur.

Die Geschichte
Die spannend erzählte Geschichte mit ihren detaillierten Figuren sind ein Hauptaugenmerk dieses Game-Blockbusters. Allzu viel wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. So viel sei aber erwähnt: Als Mitglied eines geheimen Ritterordens muss man das Gleichgewicht in London aufrecht erhalten, denn das Ende der Menschheit scheint im Jahr 1886 bald Realität zu werden: Werwolf-artige Wesen, Jack the Ripper, bekannte Wissenschaftler aus dieser Epoche und andere illustre Zeitgenossen kreuzen die Wege des Spielers. Je länger man dabei in diese alternative Zeitgeschichte eintaucht, umso spektakulärer und unkonventioneller wird sie und lässt einem nicht mehr los. Da ist er wieder, dieser einzigartige Sog.

Die Spieldauer
Wer im Vorfeld bezüglich der Spieldauer in der Unsicherheit baden ging, kann sich jetzt abtrocken. Wenn man «The Order: 1886» in einem Rutsch durchspielt, dann nur, weil man dieses alternative Universum einfach nicht verlassen kann. Zu stark ist der Sog, zu spannend die Geschichte, zu opulent die Grafik. Profis können das Spiel zwar in etwa sechs Stunden beenden, aber dann verpassen sie das wunderschön düstere London, das mit viel Liebe zum Detail kreiert und mit vielen versteckten Insidergags versehen wurde. Es lohnt sich also, nicht einfach durchzurennen, sondern sich Zeit zu nehmen und die Umgebung genauer zu betrachten.

Das Erlebnis
«The Order: 1886» ist ohne zu zögern der erste Musthave-Titel für Sonys Playstation 4, der auch einen der schönsten Soundtracks seit langem präsentiert. Auch wenn die Geschichte nicht sofort in Fahrt kommt, auch wenn die Steuerung einen Tick zu schwammig ausgefallen ist, auch wenn es viele Quicktime-Events gibt, auch wenn die Gefechte so schon tausendmal erlebt wurden, dieser Steampunk-Thriller muss man erfahren haben. Zudem ist es äusserst erfrischend, einmal keine Fortsetzung einer bekannten Franchise vorgesetzt zu bekommen. Hier wurde von Grund auf eine eigene, neue Welt erschaffen. Alleine dafür lohnt sich das Abtauchen in diese virtuelle Welt.

«The Order: 1886» ist exklusiv erhältlich für Playstation 4 und freigegeben ab 18 Jahren.

Quelle: youtube/GameCheck

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