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Game-Review

«Ich bin Batman!»

Comicfigur Batman ist nicht nur auf der Kinoleinwand erfolgreich, sondern erhält auch regelmässig Videospielumsetzungen. Der neuste virtuelle Ausflug zeigt, dass der Flattermann eigentlich gar keine grosse Leinwand braucht, um für grosses Kino zu sorgen.

Der dunkle Ritter ist wieder da, Bild: zvg

REVIEW VON SIMON DICK

Es ist kalt. Schnee bedeckt die Strassen. An Weihnachten versprüht die fiktive Stadt Gotham City eine besinnliche Atmosphäre. Doch der Schein trügt: Die Metropole versinkt im Chaos. Organisiertes Verbrechen regiert zwischen den gigantischen Häuserschluchten. Angst und Gewalt sind ständige Begleiter der Bewohner. Gut, dass der maskierte dunkle Ritter über den Dächern hinwegschwebt, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch er hat ein Problem: Nicht nur diverse Superschurken und Psychopathen sind hinter ihm her, da ein saftiges Kopfgeld die Täter anlockt. Auch die Polizei macht Jagd auf ihn.

Die ersten Beziehungen
Da in diesem Titel der Spieler an den Anfang der Mythologie versetzt wird und Batman in den Augen der Polizei ein weiterer Freak der Nacht ist, steht er ganz oben auf der Fahndungsliste. Batman besitzt noch nicht den furchteinflössenden Ruf in der Unterwelt und die Polizei sieht in ihm nur einen weiteren Unhold mit komischem Kostüm, der die Stadt unsicher macht. Es sind die ersten Schritte, die der Spieler mit dem Spitzohr machen darf. Man begleitet ihn bei seinen ersten grossen Versuchen, Verbrechen aufzuklären, lernt die intensive Beziehung mit seinem treuen Butler Alfred kennen und trifft auf die ersten Schurken, mit denen Batman in Zukunft mehr als spezielle Beziehungen eingehen wird.

Ein neues Studio
Entwickler Rocksteady erreichte im Jahr 2009, was noch keinem anderen Entwickler vorher gelang: Die Truppe kreierte eine virtuelle Batman-Welt, die dem Ruf des dunklen Ritters endlich gerecht wurde. «Arkham Asylum» war eine famose Umsetzung des Batman-Themas, in dem der Spieler auf eine intensive Reise durch das gigantische Irrenhaus Arkham geschickt wurde, wo zahlreiche Schurken seinen Weg kreuzten und der Superheld selber an den Rand seiner geistigen und physischen Kräfte gelangte. Batman-Fans waren weltweit begeistert.

Die Fortsetzung legte nochmals eine Schippe drauf. «Arkham City» war 2011 noch grösser, bot noch mehr Geheimnisse, versteckte Minidramen und eine fast frei begehbare Stadt. Mit dieser Fortsetzung katapultierte sich Rocksteady definitiv in den Videospielolymp. Der jüngste Titel «Arkham Origins» kehrt nun zum Anfang der Geschichte zurück und zeigt auf, wie alles begann. Aber: Rocksteady zeichnet nicht mehr als Entwicklerfirma verantwortlich. Warner Bros. Games Montréal hat nun das Steuer übernommen.

Weniger Details
Batman-Kenner und richtige Fanboys werden die Detailverliebtheit der Vorgänger vermissen. Die Welt, die aber immer noch viele Geheimnisse und versteckte Aufgaben zu bieten hat, besitzt leider nicht mehr die intensive Verspieltheit. Zwar gibt es einige Insidergags und köstliche Anspielungen auf das Batman-Universum, sie sind aber nicht mehr so zahlreich und werden im späteren Spielverlauf deutlich weniger.

Hohe Videospielkunst
Am technischen Grundgerüst haben die neuen Entwickler nichts geändert. Der Spieler schafft es immer noch, mit der fast schon perfekten Steuerung die beinahe unzähligen Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten in einem Guss zu vollziehen. Auch der Einsatz mit den technischen Hilfsmitteln geht flott von der Hand. «Ich bin Batman» möchte der Spieler jederzeit hinausrufen. Man dirigiert ihn nicht nur durch die Levels, man ist der dunkle Ritter. Das vertraute Gefühl, in seinen dunklen Anzug zu schlüpfen, ist wieder da und beweist die hohe Kunst der Videospielunterhaltung: Anstatt im Kino passiv dem Spektakel zuzusehen, wird man hier aktiv in die Dramaturgie mit eingebunden, ja regelrecht hinein gesogen.

Gebrochene Seelen
Batman (egal ob Film, Spiel oder Comic) ist immer nur so gut wie die Schurken, die ihm nach dem Leben trachten wollen. So treten auch in diesem Titel wieder illustre Bösewichter auf, um dem Flattermann die Flügel zu stutzen. Bekannte Figuren wie etwa der Pinguin, der Joker oder Muskelprotz Bane haben genau so ihre intensiven und dramatischen Auftritte wie Randfiguren Anarky oder Deathstroke, die nur den eingefleischten Fanboys bekannt sein dürften.

Suche nach Gerechtigkeit
Obwohl der direkte physische Kampf auch hier nach bester Art zelebriert wird, sind es die persönlichen Auseinandersetzungen, die zischenden Dialoge und die ersten Gehversuche des Helden, die faszinieren und an den Bildschirm fesseln. Batman ist kein herkömmlicher Actionstar, er ist ein gebrochener Mann, der immer wieder nach Erlösung sucht. Den Tod seiner Eltern kann und will er nicht rächen, aber er will für Gerechtigkeit sorgen und den Stadtbewohnern das Gefühl der Sicherheit wiedergeben. Das treibt ihn an. Und das treibt den Spieler an. Stundenlang.

«Batman: Arkham Origins» ist erhältlich für Playstation 3, Xbox 360, Wii U und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.
 

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