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Beckustator

Mann, sind wir langweilig

Der Beckustator liebt Wein und schlendert gerne durch die Weinkeller. Für das BT berichtet er von seinen Begegnungen mit dem gegorenen Traubensaft.

Beckustator: Ein Mann mit Durchblick

«Vor sich hindümpelnde Wirte am Bielersee»: Das ist eine spannende Aussage! Sie stammt von Martin Kilchmann, Weinjournalist, der für das Magazin «Bilanz» einen Artikel über das Hotel Fontana in Twann geschrieben hat. Eine gute, aber auch ärgerliche Bilanz. Das Fontana gefällt ihm, allerdings meint er, dass viele andere Restaurants vor sich hin dümpeln. Die Twanner Wirte sind hell begeistert.

Es kommt aber noch besser: In unserer Region findet laut Kilchmann ein Generationswechsel önologischer Natur statt. Wow! Wie haben es die vorherigen Generationen gemacht? Man ist immerhin beruhigt zu erfahren, dass die neue Generation aus jungen Leuten besteht. Das ergibt einen gewissen Sinn: Die anderen Winzer, also nicht die jungen, sind daher vermutlich alt. Und was haben die Alten gemacht? Nichts! (Kilchmann: «Junge Winzer bringen Dynamik in die einst verschlafene Weinregion»).

Dass die Vox Populi teilweise das Bedürfnis hat zu sagen, «früher konnte man den Seewein nicht trinken», ist schon schlimm genug. Jetzt sorgen auch Weinjournalisten dafür, dass diese Klischees gepflegt werden. Als Beckustator 1994 in Twann ankam, hörte er, dass es in den letzten 20 Jahren grosse Fortschritte am Bielersee gegeben hat. Das sagt man heute immer noch (also sind es schon 40 Jahre). Wäre der Ruf unserer Weinregion wirklich so gut, wenn die vorherigen Weingenerationen geschlafen hätten? Warum schmeckte ein 1945er Chasselas (danke Adrian Klötzli!) dem Beckustator so sehr? Weil der Typ, der diesen Wein gemacht hat, seinen Job einfach gut konnte. Respekt!

Warum gibt es acht Restaurants in Twann, die alle mehr oder weniger gut funktionieren? Weil die Wirte vor sich hin dümpeln? Auch bei ihnen ist die neue Generation aktiv, und die Jungs kämpfen. Ob Aeschlimann, Curovic oder Fontana – sie sorgen dafür, dass unsere Region weiterhin die Gäste bestens empfängt und verpflegt. Kilchmann wirft vor, Eglifilets im Bierteig seien nicht kreativ, und die Gäste, diese Ignoranten, bestellen das. Könnte es sein, dass es ihnen schmeckt?

Ja, im Fontana ist die Küche hervorragend. Daniel Odermatt ist ein bemerkenswerter und kreativer Koch. Er spricht respektvoll von seinen Kollegen, ganz sicher nicht so, wie Kilchmann es in seinem Artikel schreibt. Wollen Sie einen Beweis: Auch im Fontana gibt es frittierte Eglifilets, und die sind lecker. Und überhaupt – was es hier alles gibt: asiatische Küche, feine haute Cuisine, vielfältige Fischküche und, sogar, Spezialitäten aus dem Wallis. Mann sind wir langweilig. Bon appétit et santé. A bientôt… hoffentlich.

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