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Lektüre

Mit Provokation gegen digitale Medien

Ein neues Sachbuch setzt sich kritisch mit Social Media, Videospielen und Smartphones auseinander. Statt aber fachkundig zu kritisieren, wird ohne konkrete Lösungsvorschläge hart ausgeteilt.

Das Cover: Provokativ und bunt. Bild: zvg

Simon Dick

Der Autor und freie Journalist Andreas Hock nimmt kein Blatt vor den Mund: Er schreibt von «mitteilungsbedürftigen Idioten», «Psychopathennachwuchs» und «dummen Usern». Seine deftige Sprache ist Programm. Mit grossem Anlauf und dicker Kelle teilt er aus und kritisiert die neuen Medien.

Sinnlose Inhalte
Der technische Fortschritt ist in unsere intimsten Lebensbereiche vorgedrungen und beeinflusst unseren Alltag erheblich. Nichts funktioniert mehr ohne einen winzigen Computerchip. Schon alleine der Gedanke daran, einen Tag ohne Smartphone auszukommen, macht uns Angst. Der Besuch auf Facebook stimmt uns traurig, weil wir die positiven Posts der sogenannten Freunde nicht verarbeiten können. Youtube-Videos, wo jeder eine Bühne bekommt, machen aus Usern stumpfsinnige Konsumenten. Wir denken gar nicht mehr, sondern lassen uns von den vielen Apps im Alltag beraten und leiten. In den Sozialen Medien posten wir sinnlose Inhalte, nervige Urlaubsfotos und verkümmern zu Einzelgängern ohne soziale Beziehungen in der realen Welt zu haben und über unser digitales Erbe nachzudenken. Falsche Freunde bombardieren uns per Internet mit Belanglosigkeiten aus ihrem Alltag. Und wer Videospiele konsumiert, opfert nicht nur seine wichtige Freizeit, sondern wird dumm und fett. Ist es wirklich so schlimm?

Hock übertreibt – und wie. Das ist auch seine Absicht. Der Büchermarkt wird zur Zeit regelrecht überschwemmt mit kritischen Sachbüchern zu den neuen Medien. Jeder und jede, die etwas zu sagen hat, veröffentlicht seine oder ihre Ergüsse. Um auf diesem Markt aufzufallen, muss man sich etwas Geniales überlegen. Hock weiss wie: Das orange Buchcover sticht ins Auge und der provokante, blau leuchtende Titel «Like mich am Arsch» fällt auf in der Buchhandlung.

Kein Mehrwert vorhanden
Das Sachbuch ist eine intensive Abrechnung mit den neuen technischen Errungenschaften, die unser geschäftliches als auch privates Leben so sehr dominieren. Vielen Leserinnen und Lesern wird er damit aus der Seele schreiben. Die unterhaltsame Literatur besitzt aber einen grossen Nachteil: Es fehlen die konkreten Vorschläge, wie man gegen diesen täglichen Technikmoloch ankämpfen kann. Nach der süffigen Lektüre wandert das Buch somit schnell ins Regal. Um richtige Tipps zu erhalten, greift man lieber zu besser bestückten Konkurrenztiteln, die auf eine aggressive Schreibe verzichten und einen deutlichen Mehrwert mit sich bringen.

Info: Andreas Hock, «Like mich am Arsch – Wie unsere Gesellschaft durch Smartphones, Computerspiele und soziale Netzwerke vereinsamt und verblödet», ISBN: 978-3-86883-330-0, Verlag Riva, 21.40 Franken.

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