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Hilfe, Dr. Digital! Ist «Selfitis» wirklich eine echte Krankheit?

Unser Dr. Digital erklärt, ob es die Krankheit «Selfitis» wirklich gibt.

Symbolbild: pixabay.com
  • Dossier

Vor kurzem habe ich gelesen, dass man psychisch gestört sein soll, wenn man ständig Selfies von sich macht. Das Ganze nennt sich dann Selfitis. Ist das ein vorgezogener Aprilscherz oder gibt es diese Krankheit wirklich?       

Frau Wenger aus Biel

Liebe Frau Wenger, der Begriff Selfitis ist eigentlich nicht neu. 2014 wurde die Sucht nach Selbstporträts von der American Psychiatric Association angeblich als Krankheit anerkannt. Doch das war eine Falschmeldung. Der Begriff Selfitis verbreitete sich trotzdem. Ob es diese psychische Störung wirklich gibt, wollten englische und indische Forscher mit einer Studie herausfinden. Dazu entwarfen sie einen Test, um bei Teilnehmern herauszufinden, ob man an Selfitis leidet. Rund 600 Personen aus Indien nahmen an diesem Test teil. 

Eine Skala zur Einstufung des Ausmasses der Störung wurde ebenfalls integriert, respektive von der Falschmeldung übernommen: In der ersten Stufe (Borderline) gibt es Menschen, die mindestens drei Selfies pro Tag machen, diese aber nicht in den Sozialen Medien veröffentlichen. In der zweiten Stufe (Akute Selfitis) sind Menschen, die mindestens drei Selfies pro Tag machen, sie dann aber auch in den Sozialen Medien veröffentlichen. In der dritten Stufe (Chronische Selfitis) verspürt man einen unkontrollierbaren Drang,  immer wieder von sich ein Foto zu machen. Hier werden mehr als sechs Mal pro Tag Bilder veröffentlicht.

Ob es diese psychische Störung wirklich gibt, wird von vielen Psychologen aber stark angezweifelt. Vor allem die Tendenz, dass man eine Reihe komplizierter und komplexer Verhaltensweisen des Menschen mit einem einzigen Wort bezeichnen will, wird von vielen Fachpsychologen und Experten kritisiert.

Die ganze Problematik kann man mit dem Begriff Burnout vergleichen. Eine einheitliche Definition in der Medizin und Psychologie existiert nicht. Burnout ist vielmehr ein Überbegriff, wo verschiedene psychische und physische Erkrankungen bequem zusammengefasst werden können. Auch hier werden verschiedene Verhaltensweisen unter ein Begriffs-Dach gequetscht.

Selfities ist also auch mehr ein Versuch, um ein Massenphänomen zu betiteln, das vor allem jüngere Menschen betrifft. Eine einheitliche Begriffsdefinition seitens der Medizin und Psychologie fehlt aber auch hier.

Simon Dick beantwortet als Digital-Experte Leserfragen zu Computer, Netzwelt, Soziale Medien und Games.
Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie an sdick@bielertagblatt.ch

 

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