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Biel

Alles ist Veränderung

Im Gurzelenquartier hat das Kaleidoskop eröffnet, ein Raum für Shiatsu, Yoga und Bewegung. Rose-Marie Blahak unterrichtet dort. Für sie hat alles mit einem Kulturschock begonnen – und mit der Erfahrung, dass Einheit und Vielfalt untrennbar sind.

  • 1/5 Rose-Marie Blahak: «Yoga ist wie Zähneputzen. Etwas, das dem Körper täglich guttut.» Bild: Peter Samuel Jaggi
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Raphael Amstutz

Auf dem Tisch liegt ein Kaleidoskop. Blickt man hindurch, sieht man die verschiedensten Farben, die wildesten Muster, die absonderlichsten Formen. Faszinierend ist das und schön. Eigentlich ein Kinderspielzeug, machen die Röhren mit den Spiegeln auch Erwachsenen Freude.

Symmetrie und Ordnung, gleichzeitig Raum für Überraschungen und Fantasie; das definiert ein Kaleidoskop. Der Name ist passend gewählt für das neue Angebot.

Im vor Kurzem eröffneten Lokal in Biel wird Yoga und Shiatsu praktiziert. Neben Rose-Marie Blahak arbeiten sechs junge Therapeutinnen und Therapeuten dort – einige von ihnen sind noch in Ausbildung.

Die Idee hinter dem Kaleidoskop: ein Zentrum haben in Biel, dieses gemeinsam tragen und doch ein individuelles Angebot gestalten und anbieten. Die hellen Räume an der Gurzelenstrasse werden geteilt. Im grössten werden Gruppen unterrichtet, im mittleren Shiatsu-Behandlungen durchgeführt, der kleinste ist bislang noch ungenutzt. Das Team wünscht sich dort ein Massageangebot (siehe Fussnote).

Die 55-jährige Rose-Marie Blahak ist einen weiten Weg gegangen. Aufgewachsen im Berner Jura auf der Montagne de Saules. Bauernhöfe, weite Weiden, Abgeschiedenheit. Gottesfürchtige Menschen, verwachsen mit der Landwirtschaft. Wichtig ist die Arbeit, beide Beine sind fest auf dem Boden. Für Selbstverwirklichung bleibt wenig Platz und auch wenig Verständnis.

Als sie mit 15 nach Biel kommt, erlebt sie einen Kulturschock. Obwohl keine Stunde Autofahrt entfernt, ist vieles anders als bei ihr daheim. Blahak wird Hauspflegerin. Als sie die alten Menschen sieht – viele in einem fragilen und schmerzenden Körper gefangen, unsicher und abgelöscht, weiss sie: «Ich will nie so werden, ich stelle mir das Alter anders vor.»

Die leuchtenden Augen
Leichtigkeit ist ihr wichtig, Freiheit, ein offener Geist und ein Gespür für den Körper, Neugierde, Achtsamkeit und Wertschätzung.

Sie holt Bildung nach, musiziert, malt, singt – und entdeckt die Körpertherapie. Zuerst in den Büchern von Ida Rolf oder Moshee Feldenkreis. Mit 28 Jahren beginnt Blahak, sich bei Kurt Dreyer in Luzern mit Rhythmik und freiem Tanz auseinanderzusetzen. Später folgt Thai Chi bei Cate Wallis und Donato De Luca in Biel.

Nach einer Lebenskrise trifft sie eine Freundin, die bereits Yoga bei Vincent Baettig in Biel praktiziert: «Ihre Augen leuchteten», erinnert sie sich. «Sie war gleichzeitig ruhig und voller Energie». Das K Yoga, das Baettig unterrichtet, packt sie. «Es war für mich, als ob ich nach Hause käme», sagt sie. Durch dieses Yoga der Jahreszeiten spürt sie sich wieder mit der Natur und ihren Zyklen verbunden. Sie lernt die vielen Aspekte des Yogas kennen: Die Poesie, den Gesang, die Musik, die Weisheiten der Veden (eine Sammlung religiöser Texte im Hinduismus). Nach und nach gibt sie ihre verschiedenen Freizeitbeschäftigungen auf und konzentriert sich ganz auf das Kundalini Yoga.

Ihr Anspruch ist ganz klar: «Ich will eine Meisterschaft erreichen in dem, was ich tue.» Sie spürt: «Es gibt eine Einheit in der Vielfalt und eine Vielfalt in der Einheit.»

Das umfassende Verständnis
Seit neun Jahren unterrichtet sie nun Kundalini Yoga. Dieses Yoga ist weder systematisiert noch linear und deshalb nicht anerkannt. Blahak beschliesst, den vierjährigen Yoga-Lehrgang an der Yoga University in Villeret zu besuchen. Nun hat sie ein Diplom, das vom Schweizer Yoga-Verband und von der Europäischen Yoga-Union anerkannt ist. Wer eine Zusatzversicherung hat, dem erstatten die Krankenkassen Kursbeiträge zurück.

Blahak lehrt eine Mischform aus Kundalini und Hatha Yoga. Dazu gehören Asànas (Körperstellungen), Atemübungen, Meditation, Mantras, Kriyas (Reinigungstechniken in Form von monatlich sich veränderten Asànas-Abfolgen), Yoga Flow (fliessende Übungen) und Yoga Nidra (Entspannungstechniken, um tiefere Bewusstseinsschichten zu erreichen).

Die verschiedenen Formen und Zugänge greifen ineinander, alles hängt zusammen, wird gespeist aus dem gleichen umfassenden Verständnis für das Wesen des Körpers, des Geistes und der Seele und deren möglichen Verbindungen und Abhängigkeiten.

Es geht gleichzeitig um Flexibilität und Standhaftigkeit, um Beweglichkeit und Konsequenz. Alles wird zu einem Ganzen. «Yoga ist wie Zähneputzen», sagt Blahak. «Etwas, das dem Körper täglich guttut.»

Sie betont immer wieder, dass Yoga keine Glaubenssätze für sich beansprucht. «Yoga ist eine Technik. Sanft, aber persistent. Die geistigen Inhalte bringen die Praktizierenden durch ihre Kultur und ihre Vorlieben selber mit.» Sie mache mit ihrer Arbeit den Menschen ein Angebot, das Wohlig-Bekannte zu verlassen. So sage sie in ihren Kursen regelmässig: «Ich muss euch schissig machen.»

Bereits blickt Blahak in die Zukunft. Sie wisse von rund 30 Yogalehrerinnen und Yogalehrern in Biel. Konkurrenzdenken spüre sie keines, sie erlebe aber auch keinen grossen Austausch. Deshalb wünsche sie sich einen Yoga-Jahrestag in Biel, «an dem alle zeigen, wer sie sind, was sie wollen und können.»

Der Ort der Begegnung
Zurück im Kaleidoskop. Es solle ein lebendiger Ort der Begegnung sein; wie es Shiatsu und Yoga auch sind: Begegnungen mit sich selber. Blahak sagt: «Beim Üben und Praktizieren lernen wir, zu beobachten; wir lernen unsere Grenzen kennen. Vor allem erkennen wir, dass wir diese Grenzen verändern und überwinden können. Oder, wie es im Shiatsu so schön heisst: Alles was ist, darf sein, und weil es sein darf, kann es sich auch verändern.»

Info: Kaleidoskop, Gurzelenstrasse 6, Biel. Neben Rose-Marie Blahak praktizieren Thibeaud Gerber, Pablo Donzé, Geraldine Baud, Naja Schenk, Tanja Blahak und Stefan Stalder. Die Öffnungszeiten, die Angebote und Stundenpläne sowie die Adressen unter: www.kaleidoskop-bielbienne.com. Dort können sich auch alle melden, die sich für den Massage-Raum interessieren.

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