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Aegerten

«Zu wenig Zeit für die Familie»

Stefan Krattiger (SP) hat gestern seinen Rücktritt als Aegerter Gemeindepräsident auf Ende Jahr mitgeteilt. Den Ausschlag gegeben hat sein im Oktober geborener Sohn Noé. Aegerten Stefan Krattiger (SP) hat gestern seinen Rücktritt als Aegerter Gemeindepräsident auf Ende Jahr angekündigt. Den Ausschlag gegeben hat sein im Oktober geborener Sohn Noé.

Stefan Krattiger Gemeindepräsident Aegerten

Stefan Krattiger, mit 35 fangen andere mit der Gemeindepolitik an, Sie treten in diesem Alter zurück. Was ist der Grund?
Stefan Krattiger: Ich bin mit 19 Gemeinderat geworden und mit 26 Gemeindepräsident, werde also 16 Jahre in der Exekutive gewesen sein. Da ist es Zeit für einen Wechsel. Zudem haben wir im Oktober unser zweites Kind bekommen. In letzter Zeit hatte ich zunehmend das Gefühl, zu wenig Zeit für meine Familie zu haben.

Im Herbst 2017 haben Sie sich in stiller Wahl im Amt bestätigen lassen. Warum haben Sie nicht damals den Hut genommen?
Weil ein Rücktritt damals noch kein Thema war. Auch habe ich die Dreifachbelastung durch Beruf, Amt und Familie – damals hatten wir erst Tochter Mila – vielleicht unterschätzt. Es ist ja wohl auch kein Zufall, dass es im Seeland sonst keinen Gemeindepräsidenten mit kleinen Kindern gibt. Ende 2021 hätte ich wegen der Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren für das Gemeindepräsidium ohnehin demissionieren müssen.

Sie pflegten zu sagen, Ihr Amt sei wie ein Hobby für Sie...
Ich habe meine Amt schon gerne ausgeübt, habe auch viel gelernt. Aber gleichzeitig war es auch herausfordend und bisweilen anstrengend. Gemeindepräsident ist man sieben Tage die Woche. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht jemanden mündlich oder schriftlich Antwort geben muss. Auf der andern Seite habe ich auch stets Wertschätzung erfahren, auch von politisch Andersdenkenden.

Warum machen Sie schon jetzt die Ankündigung für Ende Jahr?
Ich wollte meinen Entscheid frühzeitig kommunizieren, damit genug Zeit für die Nachfolgeregelung bleibt. Die Ersatzwahl findet wie die Gemeinderatswahlen am 10. November statt.

Sie haben im SPS-Parteisekretariat gearbeitet, jetzt bei Bundesrat Berset. Wann kehren Sie in die Politik zurück?
Im Moment habe ich keine Pläne, schliesse es aber nicht aus, irgendwann wieder für ein Amt zu kandidieren. Erst einmal will ich aber viele freie Abende mit meiner Familie geniessen.

Interview: Beat Kuhn

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