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Biel

Wo die Sonne (nie) hinscheint

Die einen haben ihn, die anderen hätten ihn gerne: einen Balkon, auf dem stets die Sonne scheint. Ein solch exponierter Rückzugsort ist allerdings nicht für jeden ideal – und auch die schattigen Plätze haben ihre Vorteile.

Laurent Wyss wünscht sich, was Pascale Tormen seit zwölf Jahren hat: Einen Balkon, auf dem den ganzenTag die Sonne scheint. Doch er hat sich in seinem Schattenplatz gut eingerichtet. Copyright Jana Tálos/Bieler Tagblatt
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von Jana Tálos

Wer im Zentrum von Biel auf der Suche nach einer Wohnung ist, darf sich glücklich schätzen, wenn er eine mit Balkon findet. Doch Balkon ist nicht gleich Balkon. Ob der Blick auf einen üppigen Garten, einen Hinterhof oder auf eine viel befahrene Strasse fällt, macht einen erheblichen Unterschied. Dazu kommt die Grösse des Balkons: Wer besonders viel Zeit darauf verbringen oder gar einen Garten anlegen möchte, wird sich wohl kaum mit zwei Quadratmetern zufrieden geben.

Weitaus entscheidender als die Grösse oder die Aussicht ist jedoch die Ausrichtung eines Balkons. Ein Ostbalkon geniesst mehrheitlich Morgensonne und ist daher eher für Frühaufsteher geeignet. Auf dem Westbalkon hingegen lassen sich die letzten Strahlen der Abendsonne geniessen. Ideal für das Feierabendbier.

Etwas extremer sind die Situationen im Süden und im Norden. Während Besitzer von Südbalkonen beinahe den ganzen Tag Sonne haben, liegen Nordbalkone durchgehend im Schatten. Nichts für Sonnenanbeter, auch mit Pflanzen wird es da schwieriger. Stellt sich die Frage: Kann man von einem schattigen Balkon überhaupt profitieren?

Über zwölf Stunden Sonne

Für Pascale Tormen wäre das jedenfalls undenkbar. Die 55-Jährige hat vor zwölf Jahren in Biel ihre Traumterrasse gefunden: 120 Quadratmeter, nach Süden ausgerichtet, von 9 bis 19.30 Uhr von der Sonne beschienen. «Wer eine solche Terrasse hat, muss die Sonne auch lieben», sagt sie. Während der Sommermonate brenne die Sonne gnadenlos auf den Beton. «Da nutzen wir die Terrasse hauptsächlich am Abend oder am Sonntagmorgen zum Brunch.»

Nachteile sieht sie  keine. «Wenn die Badi-Saison vorüber ist, kann ich hier auf der Terrasse weiterhin im Liegestuhl die Sonne geniessen», sagt sie. Als ihre Kinder noch kleiner waren, konnten sie auf der Terrasse auch ein Bassin aufstellen.

Nicht nur die Familie selbst, sondern auch die Pflanzen können von dem sonnigen Standort profitieren. «Besonders der Oleander mag die Sonne», sagt Tormen. Daneben hat sie auch Töpfe mit Rosen, Lavendel, Gartenkräutern und Tomaten angelegt. «Falls es zu lange nicht regnet, habe ich hier oben auch einen Gartenschlauch.»

Ein weiterer Vorteil: Tormen kann ihre Wäsche auf der Terrasse aufhängen. Bei gutem Wetter ist die Wäsche so innert kürzester Zeit trocken.

Lediglich ein Morgenzauber

Die Wäsche auf dem Balkon trocknen zu lassen, davon kann der Bieler Filmemacher Laurent Wyss nur träumen. Sein Balkon im Herzen von Biel ist nach Nordosten ausgerichtet und überdacht. «Wenn ich die Sonne geniessen will, dann muss ich früh aufstehen», sagt er. Nach anderthalb Stunden sei der Zauber dann wieder vorbei. Den Rest des Tages liegt der Balkon im Schatten.

Gerade jetzt, in den Sommermonaten, sei es jedoch gar nicht so schlecht, einen schattigen Balkon zu haben. «Wenn es zu heiss ist, dann ist es hier wenigstens schön kühl», sagt Wyss. Da sitze er schon ab und zu einmal draussen, auch wenn er hier nicht allzu viel Zeit verbringe. Weil der Balkon überdacht ist, könne man an warmen Tagen auch bei schlechtem Wetter draussen bleiben. «Wenn es regnet, kann ich hier das Gewitter beobachten, ohne nass zu werden.»

Obwohl er auf seinen knapp sieben Quadratmetern deutlich weniger Platz hat als Pascale Tormen auf ihrer Terrasse, finden sich auf Wyss’ Balkon ein Tisch, Stühle und einige Pflanzen in kleinen Kisten und Töpfen. Sie gedeihen auch mit wenig Sonne – «und sie trocknen garantiert nicht so schnell aus.»

Trotzdem: Auch Laurent Wyss wünscht sich mehr Sonne auf dem Balkon. «Ab Ende September bis im April verwandelt er sich in eine Abstellkammer», sagt er. Benutzt werde er in dieser Zeit höchstens, um den Abfall zu deponieren.

Kletterpflanzen und Decken

Ob schattig oder sonnig: Am Ende lässt sich aus beiden Situationen einiges herausholen, auch wenn die Sonnenvariante deutlich komfortabler klingen mag. Im Netz kursieren diverse Anleitungen, wie man aus seinem Nordbalkon ein Paradies zaubert.

Internetplattformen wie Homify empfehlen Kletterpflanzen, um den Balkon das ganze Jahr über grün erscheinen zu lassen (siehe Infobox). Wer keinen grünen Daumen hat, kann auch mit bunter Dekoration und hellen Möbeln nachhelfen. Kissen und Decken sorgen dafür, dass der Balkon auch im Herbst und Frühjahr eine Oase bleibt – oder zumindest nicht zur Abstellkammer mutiert.

Haben auch Sie einen besonders sonnigen oder schattigen Balkon? Schicken Sie uns ein Foto und/oder schreiben Sie uns, was Sie daraus gemacht haben, an region@bielertagblatt.ch

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Tipps und Tricks für Süd- und Nordbalkone

Der Südbalkon:

  • Bepflanzung: Mediterrane Gewächse wie Oliven, Lavendel, Oleander, Zitronenbäume oder Kakteen. Auch Tomaten, Basilikum und Paprika mögen Sonne.
  • Einrichtung: Keine Möbel aus Metall – die heizen in der Sonne auf und können gar Verbrennungen verursachen. Holz- und Rattanmöbel eignen sich dafür besser. Und auch ein Sonnenschirm oder eine Markise sind ein Muss.

Der Nordbalkon:

  • Bepflanzung: Pflanzen, die keine direkte Sonneneinstrahlung vertragen, wie zum Beispiel Begonien, Buntnesseln, Farne und Hortensien. Daneben sorgen Kletterpflanzen wie Efeu dafür, dass der Balkon das ganze Jahr über grünt. Auch heimische Kräuter wie Borretsch mögen den Schatten.
  • Einrichtung: Möbel und Dekorationen in hellen Farben lassen den Balkon heller erscheinen, weil sie Licht reflektieren. Kissen und Decken sorgen dafür, dass man auch Ende September noch auf dem Balkon sitzen kann. jat

Quelle: www.homify.de

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