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Corona-Blog

Vom Schock 
zu neuem Vertrauen

Kommandieren – kontrollieren – korrigieren: Mit diesem veralteten Führungsspruch wurden wir vor über 30 Jahren durch die militärischen Ausbildungen gejagt.

Symbolbild Keystone
  • Dossier

Bernhard Rentsch, Chefredaktor

Mittlerweile sind die Theorien zum Glück weiterentwickelt und verfeinert, die Führungsgrundsätze in der Praxis unterscheiden sich markant. Ein möglicher Dreischritt als Parallele: Inputs geben – Vertrauen schenken – Feedbacken. Dazu gehören: Offenheit, Empathie, strategisches Denken und klare Kommunikation.

Die Coronakrise versetzte uns alle in den Krisenmodus. Im Grossen und im Kleinen musste umgeplant und angepasst werden. Gewohnheiten und Planungen stürzten und stürzen ins Ungewisse. Gefragt ist gutes Change-Management, wie dies – um auf die angesprochenen Führungsgrundsätze zurückzukommen – im modernen «Manager-Deutsch» bezeichnet wird. Dabei, um noch etwas bei der Theorie zu bleiben, stehen unter viel Gescheitem und weniger Gescheitem die sieben Phasen der Veränderung von John Kotter zur Auswahl. Kotter ist ein amerikanischer Spezialist für Veränderungsmanagement und für viele Change-Spezialisten so etwas wie der Regel-Geber.

John Kotter betont in seinen Theorien insbesondere, dass bei Veränderungen stets die gleichen sieben Schritte zu absolvieren und zu erdulden sind: Schock – Verleumdung/Abwehr – Einsicht/Frustration – Akzeptanz/Trauer – Ausprobieren/Öffnung – Erkenntnis – Integration/Selbstvertrauen. Aus wissenschaftlicher Sicht sei zudem erwiesen, dass zwingend jede Phase durchlaufen werden müsse, dass es da keine Ausnahmen oder Abkürzungen gebe und dass jede Veränderung (viel) Zeit brauche.

Die aktuelle Pandemie löst bei allen in der Tat typische Reaktionen dieser Verhaltenstheorie aus. Den Widerstand nach dem Schock sehen wir deutlich. Die Rebellion gegen die Grenzen ist so erklärbar. Mit Blick auf die Fortsetzung dieses Change-Prozesses ist die ernüchternde Feststellung nötig, dass wir uns erst in Phase 3 oder 4 befinden.

Wer sich am halb vollen Glas freut, sieht bei dieser Feststellung aber auch viel Positives. Wenn wir davon ausgehen, dass Herr Kotter recht hat und die sieben Phasen sich immer zwingend folgen, wird es dereinst deutlich «obsi» gehen. Es folgen Ausprobieren/Öffnung, Erkenntnis und schliesslich die Integration und Selbstvertrauen. Immerhin!

brentsch@bielertagblatt.ch

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