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BT-Umfrage

«Überrascht, dass die Alternative in Nidau so hohe Zustimmung erhält»

Die Westast-Gegner fühlen sich durch die BT-Umfrage bekräftigt: Die Resultate seien auch auf die solide Arbeit von Dutzenden von Freiwilligen zurückzuführen, die sich für «Westast so besser» einsetzen.

«Biel will keine überrissen teure Autobahnschneisen», heisst es vonseiten des Komitees Westast so besser. Visualisierung: zvg
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Deborah Balmer

Gerade einmal 21 Prozent der Bevölkerung stehen hinter dem offiziellen Westastprojekt. Dafür unterstützen hohe 49 Prozent der Bieler, Nidauer, Porter, Ipsacher, Brügger und Orpunder die Alternative «Westast so besser». Das zeigt die repräsentative BT-Umfrage von Demoscope, die gestern im «Bieler Tagblatt» veröffentlicht wurde.

Was sagen die Westast-Befürworter zu den eindeutigen Zahlen? Gilbert Hürsch, Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Biel-Seeland (Wibs), relativiert sie in erster Linie: «Solche Umfragen sind immer mit Vorsicht zu geniessen. In letzter Zeit ist von den Westast-Gegnern sehr viel Lärm gemacht worden, was medial entsprechend aufbereitet wurde. Aus unserer Sicht teilweise etwas einseitig», sagt er.

Das Resultat, das nun für das Ausführungsprojekt des Kantons eher negativ ausfalle, sei für ihn unter diesen aktuellen Umständen also nicht sehr überraschend. Man wolle nun aber viel Aufklärungsarbeit leisten und stärker informieren. Gelingen soll das mit dem neu ins Leben gerufene Pro-Komitee «Jetzt A5-Westast», sagt Hürsch. Ziel sei es, mit den Mitgliedern der Wirtschaftsverbände in Kontakt zu treten, auf die Strasse zu gehen und die Bürger zu informieren. Mit der Absicht: den Behörden wie Kanton und Bund zu zeigen, dass die Region den Westast wolle.

Der Co-Präsident des Komitees Pro Westast, Peter Bohnenblust, sagte gestern ebenfalls, die Resultate seien für ihn eine Momentaufnahme, die zeigen, dass die Vorteile und Stärken des offiziellen Westastprojekts zu wenig in den Köpfen der Leute verankert sei. «Wir vom Pro-Komitee haben aber nichts falsch gemacht», sagt er, «für die Westast-Gegner war es halt einfacher, die Bevölkerung zu mobilisieren, weil sie gegen etwas und nicht für etwas sind. Und dies wurde teilweise mit falschen Argumenten getan.»

Nidaus Stadtpräsidentin Sandra Hess (FDP) sagt derweil zur BT-Umfrage: «Es überrascht mich, dass das Alternativprojekt auch in Nidau auf so hohe Zustimmung gestossen ist. Denn damit bleibt der grösste Teil des heutigen Verkehrs an der Oberfläche. Das offizielle Projekt reduziert den Verkehr im Quartier Weidteile um 80 Prozent, davon profitiert ein Drittel der Nidauer Bevölkerung. Es entsteht neuer Raum an der Oberfläche.» Auch Sandra Hess setzt auf bessere Kommunikation: Diese Vorteile seien immens, das müsse vom Kanton aber auch von der Stadt Nidau unbedingt besser kommuniziert werden.


«Die Leute sind gut informiert»
Für die Sprecherin des Komitees «Westast so besser», Catherine Duttweiler, zeigt das Resultat der Umfrage hingegen, dass die Leute gut informiert sind über den Westast. Das habe sich bereits bei der Mobilisierung für die jüngste Demonstration des Gegen-Komitees gezeigt. «Vor einem Jahr fragten uns viele noch, um was es genau gehe, dieses Mal wussten die Leute Bescheid», sagt Duttweiler, die das BT-Umfrageergebnis auch als Resultat von solider Arbeit von Dutzenden Freiwilligen sieht. «Und es zeigt, dass die Bevölkerung nicht will, dass in Biel überrissen teure Autobahnschneisen gebaut werden.» Sie bedauert aber, dass nun eine Kluft zwischen Wirtschaft, Politik und der Bevölkerung entstanden ist. «So kommen wir nicht vorwärts», sagt sie, «die Westastbefürworter sollten nun die Vorschläge der Gegner ernst nehmen.» Es gehe jetzt darum, die falschen Prognosen zu überarbeiten, einen echten Dialog zu führen und auszuhandeln, wie man nun weiterfahren wolle.

Die Journalistin Gabriela Neuhaus ist erklärte Westastgegnerin und aktiv in der IG Häb Sorg zur Stadt. Sie organisierte letzten August die «Tavolata – Stopp Westast» mit, aber vor allem kämpfte sie mit verschiedenen Aktionen gegen das Fällen von zahlreichen Bäumen, die mit dem Bau des Westasts daran glauben müssten. «Gerade einmal 21 Prozent der Bevölkerung steht hinter dem offiziellen Westastprojekt – das ist ein undiskutables deutliches Resultat, das von den Behörden nicht übergangen werden darf», sagt sie. Die Aussage des kantonalen Regierungspräsidenten und Baudirektors Christoph Neuhaus (SVP), der im BT-Interview sagte, die Argumente für die Alternative seien emotional, weil die Leute verunsichert seien, lässt sie nicht gelten: «Das ist ein beliebter Politikerspruch. Anfang November gingen mehrere Tausend Menschen in der Region auf die Strasse und wirkten in keiner Weise verunsichert.» Für Gabriela Neuhaus ist klar: «Je besser die Menschen in der Region informiert sind, desto überzeugter lehnen sie das veraltete Autobahnprojekt ab.» Und da dürfen laut Gabriela Neuhaus durchaus auch Emotionen im Spiel sein.


«Ergebnis akzeptieren»
Stadtpräsident Erich Fehr (SP) betonte gestern erneut, dass man nun mit dem klaren Resultat arbeiten und einen ernsthaften Dialog führen müsse. «Das Umfrageergebnis gilt es zu akzeptieren, 
die verschiedenen Interessensgruppen müssen sich nun zusammen an einen Tisch setzen», sagt er. Dabei gelte es in jedem Fall, gegen eine Kluft zu arbeiten, die zwischen Westastbefürwortern und Westastgegnern entstehen könnte.

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