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„Krawattenzwang“

Trotzdem freue ich mich nicht auf das Spital

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Trotzdem freue ich mich nicht auf das Spital.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Dass am gleichen Wochenende zwei ähnliche Veranstaltungen von fast identischen Absendern durchgeführt werden, ist Zufall. Der Jahresendanlass des Spitalzentrums Biel und das Rendez-vous culturel der Privatklinik Linde erlauben aber den vielen parallel eingeladenen Gäste nicht nur ein Wiedersehen innert kurzer Zeit, sondern auch einen Vergleich der Konkurrenten.

Beide Bieler Spitäler sind gesund und gedeihen gut. Die Direktoren Bruno Letsch und Hanspeter Frank präsentierten ganz grob positive Zahlen. Schön, dass es den beiden bedeutenden Arbeitgebern in Biel gut geht. Grundsätzlich stelle ich mir aber schon die Frage, ob ein Spital jährlich steigende Zahlen und Umsätze kommunizieren soll. Das heisst letztlich, dass immer mehr Patienten die Spitalpflege benötigen. Künstlich werden die Spitäler ja wohl kaum zusätzliche Kunden akquirieren. Geht es uns so schlecht? Schwierig ist bekanntlich die Situation bei der Versorgung durch genügend Hausärzte. Weil diese nicht mehr überall verfügbar sind – und gleichzeitig unter heilloser Überlastung leiden – werden immer öfter die Notfallstationen der Spitäler direkt angepeilt.

Als potenzieller Kunde resp. Patient bin ich froh zu wissen, dass die Spitalversorgung in unserer Region optimal funktioniert. Da sind wir verwöhnt, in der Schweiz generell und im Seeland ganz besonders. Bestätigt wird diese Feststellung durch die Tatsache, dass aktuelle Bauprojekte unsere Bieler Spitäler noch weiter nach vorne bringen – punkto medizinischer Versorgung, punkto Betreuung, punkto Komfort. Die Linde ist am Bauen und weiht den neuen Anbau bereits in diesem Frühjahr ein, beim Spitalzentrum ist der längst geplante Baubeginn nach wie vor eine Zangengeburt. Immer noch keine Bagger und keine Krane. Da warten wir ungeduldig.

Ich bin froh, eine optimale Spitalversorgung in der eigenen Stadt zu wissen – trotzdem hofft mit mir sicher jeder, nicht allzu bald Gebrauch von den Dienstleistungen machen zu müssen. So toll es auch sein mag – niemand freut sich auf das Spital.

Begegnungen ausserhalb der Spitalgänge oder der Operationssäle bestätigen aber, dass hier Menschen am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen und über eine hohe Sozialkompetenz verfügen. Die Spitalcrews treten äusserst positiv auf – ob mit oder ohne Krawatte.

Machen Sie gleiche Erfahrungen oder sind Sie völlig gegenteiliger Meinung? Schreiben Sie es mir.
 

brentsch@bielertagblatt.ch
Twitter: @BernhardRentsch

 

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