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„Krawattenzwang“

Trinkspiele ohne Trinken – ja, das geht

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Trinkspiele ohne Trinken – ja, das geht.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Am Tisch nebenan in einem öffentlichen Restaurant – im Rahmen der aktuell stattfindenden Jahresend- und Weihnachtsessen vergnügt sich eine Gruppe Kolleginnen und Kollegen. Es geht laut und lustig zu und her. Das Interesse der Rundherumsitzenden ist geweckt. Die machen ein Trinkspiel, so der erste Gedanke. Und: herrje, die werden innert kurzer Zeit «kugelrund», hemmungslos und noch lauter sein. Denn Trinkspiele folgen einem bekannten Ritual: Immer die Gleichen werden durch irgendeine «Strafe» gezwungen, innert kurzer Zeit – das Glas ist möglichst in einem Zug zu leeren – mehr Alkohol zu konsumieren, als man dies freiwillig tun würde. Das wirkt ziemlich schnell ziemlich gut.

Aber nein, es läuft diesmal anders: Das Zwänzgi geht rundherum, wird flach auf den Tisch geworfen – in der Hoffnung, dass die aufspringende Münze im bereitstehenden Tassli landet. Bei Erfolg geht die Aufgabe eins nach rechts weiter. Und weil zwei Münzen/Tassen im Spiel sind, ist das Ziel, einander einzuholen. Wer «seine» Tasse nach erfolgreichem Wurf nicht weiterbringt und eingeholt wird, verliert.

Und… - muss in diesem Fall keinen Alkohol «exen», so wie das bei Trinkspielen meist der Fall ist. Die beschriebene Runde hatte es sehr lustig ohne die Alkoholstrafe. Trinkspiele ohne Trinken – ja, das geht. Verlierer bleiben Verlierer und ärgern sich ob der eigenen Ungeschicklichkeit. Sie werden nicht zusätzlich bestraft. So ist das Auf-Befehl-Alkohol-Trinken kein Thema. Zum Glück. Denn sich auf Kommando besaufen ist zum vornherein schwach. Es sorgt auch nicht zwingend für eine gute Stimmung und schon gar nicht für einen Ausgleich der Stärkeverhältnisse. Denn die Geschickten bleiben Sieger und als Nüchterne heimsen sie noch mehr Erfolge ein. Die Verlierer, logisch, bleiben Verlierer. Immer mehr und auf der ganzen Linie.

Einen Namen hat dieser Zeitvertrieb offenbar nicht. Es gibt dazu auch keine Beschreibung oder Regeln. Der aufgeschnappte Begriff «Coinflip» allein kann es nicht sein. Denn es ist das englische Wort für «Münzwurf». Und damit gemeint ist ein Entscheid, der mit aufgeworfener Münze mittels Kopf oder Zahl herbeigeführt wird. Also, lassen wir dies offen. Und übrigens: Es ist gar nicht so einfach, die Münze via Tischplatte in die Tasse zu spedieren. Das kann also ein wunderbarer Zeitvertreib sein. Probieren Sie es.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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