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Biel

Seit zehn Jahren auf der Suche nach Paten

Seit zehn Jahren vermittelt das Projekt «mit mir – avec moi» Patinnen und Paten, die Kindern aus Familien mit sozialen Schwierigkeiten Zeit schenken. Seit der Gründung blieb die Teilnehmerzahl konstant. Jetzt aber soll das Projekt wachsen.

Blicken nach vorne (v.l.): Anna Razakanirina, reformierte Kirchgemeinde Biel, Projektleiterin Annina Feller, Patin Ursula Studer und Charlotte Krebs, katholische Kirchgemeinde Biel. Reto Probst

Lino Schaeren

Diese Zeit ist ein Geschenk. Freiwillig und unentgeltlich verbringen Bielerinnen und Bieler jeden Monat einige Stunden mit Kindern aus Familien mit sozialen Schwierigkeiten. Sie gehen gemeinsam in den Zoo, basteln zuhause oder spielen auf der Wiese. Vermittelt werden sie durch das Projekt «mit mir – avec moi» von Caritas Bern. 2006 wurde das Projekt in Biel lanciert, welches Patinnen und Paten vermittelt, quasi Göttis und Gottis aus der weiteren Nachbarschaft. Dieses Jahr wird also das zehnjährige Bestehen gefeiert.

In diesen zehn Jahren wurden insgesamt 50 Bezugspersonen 70 Kindern zugewiesen. Das klingt erst mal nach wenig. Die Teilnehmerzahlen blieben seit 2006 denn auch stabil, jährlich verbrachten etwa 20 Paare, bestehend aus Kind und Pate, gemeinsam Freizeit. Dass die Zahl in den letzten zehn Jahren nicht zunahm, sei nicht dem fehlenden Interesse geschuldet, sagt Annina Feller, seit diesem Mai Projektleiterin von «mit mir – avec moi». Die zur Verfügung stehenden Ressourcen hätten schlicht nicht mehr Vermittlungen zugelassen.

Hinzu komme, dass nur Paten und Kinder vermittelt werden, die eine Vorprüfung überstehen und dieselben Anforderungen mit sich bringen würden. So kommt es, dass es eine Warteliste gibt – und zwar sowohl auf der Seite der Patinnen und Paten als auch auf jener der Familien, die gerne am Projekt teilnehmen möchten.

Projekt wird erweitert

Das Patenschaftsprojekt wurde vom Angebot «mit mir» von Caritas Schweiz abgekupfert und steht unter der Trägerschaft von Caritas Bern. Die Initiative zum zweisprachigen Unterfangen in Biel kam 2005 allerdings von der katholischen Kirche Biel, das Projekt wird denn auch bis heute hauptsächlich durch die Kirche finanziert. Für die Vermittlung standen den Verantwortlichen bislang nur zehn Stellenprozente zur Verfügung. Nun sollen die Personalressourcen auf immerhin 30 Stellenprozente aufgestockt werden – denn das Projekt werde ausgebaut, sagt Feller, die die zusätzlichen Prozente übernimmt.

Bisher wurden Patinnen und Paten an Familien vermittelt, bei denen die Bindung zum Kind aus unterschiedlichsten Gründen teils hinten anstehen musste. «Neue soziale Kontakte, die den Verlust eines traditionell verwandtschaftlichen Netzes auffangen, könne aus zeitlichen, sprachlichen oder finanziellen Gründen nicht gepflegt oder aufgebaut werden», begründete gestern Charlotte Krebs von der katholischen Kirchgemeinde Biel an einem Medienanlass, wieso es das Projekt in der heutigen Zeit brauche.

Sie meinte damit etwa, dass es für Kinder mit Migrationshintergrund aufgrund von Sprachschwierigkeiten nur erschwert möglich sei, soziale Kontakte zu knüpfen.

Allerdings soll sich das Projekt nun nicht mehr nur auf sozial Benachteiligte fokussieren. Künftig werde es nicht mehr nur Familien mit sozialen Schwierigkeiten möglich sein, am Projekt teilzunehmen, sagt Feller. Man habe viele Anfragen von Familien, die nicht den Kriterien der letzten zehn Jahre entsprächen, etwa, wenn Grosseltern fehlen würden.

«Auf der anderen Seite stellen wir fest, dass es viele Menschen im dritten Lebensabschnitt gibt, die bereit sind, sich zu engagieren. Diese wollen wir in das Projekt integrieren», so die Projektleiterin. Als Patengrosseltern also. Zudem sollen Patenschaften künftig nicht mehr nur in Biel, sondern auch im restlichen Seeland und im Berner Jura geschlossen werden.

Während dreier Jahre

Vom Nutzen des Projekts überzeugt zeigt sich Ursula Egger, die als eine der Ersten in Biel eine Patenschaft übernahm. Sie habe sich gemeinnützig engagieren wollen und sei auf das neue Projekt gestossen, sagt sie. Egger wurde Patin von einem Jungen und einem Mädchen, Geschwister, deren Mutter berufstätig und ohne weitere Familie in Biel war. «Ich habe viele schöne Momente mit den Kindern verbracht und sie bis ins Teenageralter begleitet», sagt Egger. Heute sehe sie die beiden noch ein-, zweimal pro Jahr.

Das Projekt «mit mir – avec moi» sieht vor, dass eine Patenschaft drei Jahre dauert. Während dieser Zeit wird sie begleitet, durch Standortgespräche und Weiterbildungen für die Freiwilligen im Bereich Kindesschutz. Dann endet die offizielle Zusammenarbeit. «Das Schönste für uns ist natürlich, wenn die Patenschaften nach drei Jahren weiterlaufen, auch ohne unsere Unterstützung», sagt Feller. Was nicht selten geschehe. So wie im Fall von Ursula Egger.

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Eine Prüfung für Patinnen und Paten

  • Teilnehmende Familien, vor allem aber auch die Patinnen und Paten, werden vor einer Vermittlung einer Prüfung unterzogen.
  • Willige Patinnen und Paten müssen einen Strafregisterauszug vorlegen.
  • Eltern und Patin oder Pate müssen die «Vereinbarung zum Wohl des Kindes» unterzeichnen.
  • Das erste Zusammentreffen findet im Beisein der Verantwortlichen von «mit mir – avec moi» statt.
  • Die Patenschaft kann jederzeit von beiden Parteien beendet werden. lsg

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