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„Krawattenzwang“

Nein, wir "leben" noch lange

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Nein, wir "leben" noch lange.

Bernhard Rentsch
  • Dossier

Zweimal hatte ich in den letzten Tagen Gelegenheit, intensiv über die Zukunft der Printmedien, und damit über die Zukunft des "Bieler Tagblatt" nachzudenken. Ein Auftritt von SRG-Generaldirektor Roger De Weck in Bern mündete in der Schlagzeile, dass Zeitungen noch 3-5 Jahre existieren. Nein, Herr De Weck, da bin ich nicht einverstanden. Ich verstehe Ihre Lobbytätigkeit für die SRG und den politischen Kampf gegen die No-Billag-Initiative. Aber als früherer Printjournalist sollten Sie bei Ihrem Zeitungsbashing etwas mehr Weitblick beweisen. Und vor allem sollten Sie nicht alle Printprodukte in den gleichen Zukunfts-Topf werfen. Zugegeben, die Branche steht im aktuellen Veränderungsprozess vor grossen Herausforderungen. Das bisherige Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Anstatt sich müssig als Bestatter zu profilieren, nehmen wir diese Herausforderungen in Biel an. Wir kämpfen gegen schrumpfende Märkte und schrumpfende Erträge. Und zwar mit Innovation, Kreativität und mit dem Ernstnehmen unseres Publikums. Bei uns entsteht Neues und Gutes - und in der Region Biel/Seeland kann es funktionieren. Vielleicht eher als in Zürich.

Geärgert habe ich mich über einen beiläufigen Witz von Pietro Supino, Chef des mächtigen Tages-Anzeiger-Verlages. Am Journalimustag in Winterthur wurden speziell die Vertreter der kleineres Verlage/Titel als nicht Tagi-Titel begrüsst, darunter auch eine Delegation aus Biel. Wir versuchen, jede Gelegenheit zu nutzen, um Anlässe für Weiterbildung und Networking in der Branche in der ganzen Schweiz zu nutzen. Da ist auch festzustellen, dass die Branche durchaus mit Interesse auf die Entwicklungen bei uns schielt. Bei dieser Tagung in Winterthur trat der genannte Herr Supino auf und meinte süffig: "Die genannten Titel sind in der Tat speziell zu begrüssen - mit dem Zusatz, dass es sich eher um Noch-nicht-Tagi-Titel handelt."

Auch hier: Nein, Herr Supino. Überleben werden die Elefanten und die Zwerge. Wir Zwerge sind sehr aktiv und agil. Wir arbeiten ohne grosse Ressourcen an der Zukunft. Wie es bei Ihnen, bei den Elefanten zu und her geht, weiss ich nicht.

brentsch@bielertagblatt.ch
Twitter: @BernhardRentsch

 

Kommentare

m.nobs

Danke für diesen Klartext an die Elefanten! Bin gespannt auf die weiteren Blog-Beiträge. Herzlicher Gruss, Markus


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