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Kafipause

Mut zur Hässlichkeit hat Grenzen

Im persönlichen Blog berichten BT-Chefredaktor Bernhard Rentsch und Parzival Meister, stellvertretender Chefredaktor und Redaktionsleiter, abwechslungsweise wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen und gesellschaftlichen Leben – immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Mut zur Hässlichkeit hat Grenzen.

Bernhard Rentsch
  • Dossier

Soeben lese ich in einem internen Mailing vor einer geplanten Videokonferenz mit den Chefs: «Seid nicht nervös, nach den bisherigen Erfahrungen kann ich die Garantie abgeben: Es tut nicht weh. Auch habt ihr noch eine Stunde Zeit, das reicht zum Duschen, Rasieren, Schminken, Föhnen, Zähneputzen und was auch immer».

Das vermehrte virtuelle Aufeinandertreffen in Konferenzen hat unser Bild, das wir vor dem Bildschirm abgeben, in der Tat verändert: Oben hui, unten pfui – das geht immer durch. Kein Mensch erkennt Pyjama- oder Trainerhose oder eine Teilnahme in kurzen Shorts oder gar nur in Unterwäsche. Den Hintergrund sollte man aber schon etwas gezielter auswählen. Nicht allen soll der komplette Einblick in die eigenen vier Wände gewährt werden.

Persönlich gehört für mich dazu, mich für einen Arbeitstag «korrekt» zu kleiden. Nicht Anzug oder gar Krawatte – das ist sowieso speziellen Terminen vorbehalten –, sondern in der Regel Hemd, Pullover oder T-Shirt und Jeans. So wird auch dem inneren Schweinehund klar, wann eingestempelt ist und der Arbeitstag läuft.

Aber zugegeben: Das mit der täglichen Rasur klappt seit Längerem auch nicht mehr automatisch. Der zeitgemässe Dreitagebart kann sowieso entschuldigend ins Kapitel «modisch» geschoben werden. Frisurentechnisch begaben wir uns vor knapp einem Jahr während des ersten Lockdown auf eine Abenteuerreise. Weil Coiffeurgeschäfte während Wochen geschlossen blieben, wucherte es auf einigen Köpfen ganz gewaltig, was aber durchaus spannend und attraktiv wirkte. Die Frisöre gelten jetzt als unverzichtbar und dürfen ihre Dienstleistungen uneingeschränkt anbieten, weshalb sich wenigstens diese Problematik nicht wiederholt. Wie viel einfacher ist doch der aktuelle zweite Lockdown …

Eine andere Diskussion ging vor Kurzem nicht ganz spurlos an mir vorüber. In einem Magazin stach der Titel «Mut zur Hässlichkeit» heraus. Gemeint war, dass vermehrt im Homeoffice oder sogar im (aktuell ziemlich verlassenen) Büro an den Füssen bunt leuchtende Crocs getragen werden dürfen. Dass man in Innenräumen die nassen und oft (zu) warmen Winterschuhe ersetzen will, leuchtet mir ein. Aber Crocs? Neinaberau, mit den farbigen Tretern konnte ich mich nie anfreunden. Natürlich bin ich verständnisvoll und tolerant gegenüber Crocs-Benutzenden. Trotzdem: Der Mut zur Hässlichkeit hat Grenzen.

brentsch@bielertagblatt.ch

Kommentare

Alexis

Aber Crocs? Neinaberau, Der Mut zur Hässlichkeit hat Grenzen. Haben Sie die (Frauen)Füsse gefragt, die danken es Ihnen.


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