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„Krawattenzwang“

Münz und Nötli sind grusig

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, Chefredaktor „Bieler Tagblatt“, wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Münz und Nötli sind grusig.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Vor wenigen Tagen der Gang zum Bankautomaten – nicht, weil der Geldbezug zwingend nötig war. Vielmehr, weil nach Wochen das «frühere Erlebnis» wieder einmal aufgefrischt werden sollte. Keine Bange, die Bedienung klappte auch für den Rückkehrer problemlos. Die Blamage, vor dem Bankautomaten nicht mehr weiter zu wissen – zum Beispiel wegen vergessenem Code –, blieb aus. Immerhin: Die bezogenen Banknoten waren neu und deshalb noch einigermassen hygienisch.

In der Tat geriet der Einsatz vor Bargeld in den letzten Wochen und Monaten in den Hintergrund. Die Aufforderung, während der Coronazeit auf die sehr grusigen Münzstücke und Nötli zu verzichten, wurde von den meisten befolgt. Und viele Zahlungsempfänger zogen nach: Wir konnten fast überall rasch bargeldlos bezahlen, die Limiten für das kontaktfreie Begleichen der Schulden mittels Plastik-Kärtli wurden blitzartig angepasst. Ein neues Erlebnis hielt endlich auch bei uns Einzug. Was in anderen Ländern längst Usus ist, etabliert sich auch bei uns: Der Gipfelikauf in der Bäckerei, die Nascherei am Kiosk oder der Coiffeurbesuch kann bargeldlos beglichen werden. Der bis anhin oft angeführte Mindestbetrag, bei dem sich der Einsatz der nötigen IT erst rechnet, schrumpfte gegen Null.

Dass man sich während der Coronakrise daran gewöhnte, das Haus bargeldlos zu verlassen, rächt sich allerdings zum Beispiel spätestens am Parkautomaten. Da hinken wir gewaltig hinterher: Nicht mittels Kreditkarte, nicht mittels Guthaben via Smartphone-App, sondern ganz normal in bar – so sollte das Kässeli am Strassenrand gefüttert werden.

Okay, bei Kleinstbeträgen wird wohl das Umrüsten auf «moderne» Zeiten noch etwas warten können. Entsprechendes Münz liegt deshalb im Auto bereit. Das Essen im Restaurant wird im Gegensatz dazu überall mittels Karte bezahlt werden können. Denkste. Es gibt nach wie vor Raststätten – die etwas konservativ tönende Bezeichnung ist mit Absicht gewählt –, wo lieber schwere Portemonnaies geschleppt werden und nach Feierabend mühsam Bargeld gezählt wird. Die Alternative: Via Knopfdruck an der Kasse respektive am elektronischen Inkasso kann innert Sekunden der Tagesumsatz abgelesen werden. Das spart Zeit und Nerven – die Mehrkosten sind rasch einmal amortisiert. Mögen rasch alle in der Neuzeit ankommen, ohne dass uns ein zweiter Lockdown noch weiter vom Bargeld entfernt.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

Kommentare

sokrates

Was heisst hier ganz schlechter journalismus? Das ist Staatsjournalismus rot-gelb-1939. Jetzt wo die Regionalen Gazetten auf die Bundessubventionen warten wird alles gut geschrieben wie es der künftige Geldgeber wünscht. Die Wirtschaft will den "Gläsernen" Bürger. Jede Finanz aktion wird auf zentralen Rechner erfasst, und entsprechend dem Kaufverhalten gezielt weiter vermarktet. Bereits heute ist jeder zweite Jugendliche in der Schweiz mit Fr. 25000 verschuldet. So einfach ist das Hr. Rentsch. Nicht mehr Portemonnaies schleppen, auf Knopfdruck in die Schuldenfalle.


rot-gelb-1939

sehr geehrter herr rentsch... ihre kolumne heute, zum nzzas artikel über biel im heutigen bt, ist nicht in ordnung.... der artikel war eine liebevolle hommage an biel.... hotcha, cortesi und der gaskessel wurden überhaupt nicht mit einer "breitseite" versehen... was soll dieses zürich gebashe? sie suggerieren dem leser hier etwas, das so nicht war. ganz schlechter journalismus!


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